Wenn die Gondeln Träume tragen

Gondel Winter
Dieser Ausblick offenbarte sich mir jüngst, als ich es wagte, mit einer Gondel einen Gipfel in Österreich zu erklimmen. Ich schwebte den Berg hinauf, wobei es hier eher so aussieht, als schwebte ich ihn hinunter.
Tatsächlich sieht man hier ja gar nicht, wo die Gondel einen hinträgt und auch die Gondel selbst sieht man nicht, nur aus der Anwesenheit der nächsten und dem gespannten Gondelseil kann man schlussfolgern, dass man sich wohl in einer solchen befände.
Das Leben erschließt sich vor allem aus dem, was man außen sieht. Ich sehe den Weg vor mir und schließe, ich müsste irgendwoher gekommen sein. Ich hänge an einem Seil, wobei ich mir nie sicher sein kann, ob ich wirklich daran hänge, oder nicht auch auf den Hängen des Berges unterwegs sein könnte.
Und die Welt? Sie erwartet einen in gebieterischer Kälte voller Erhabenheit. Der Gipfel scheint zugleich Bedrohung und Ziel zu sein.
Sicher wäre es nicht so verwirrend, den Gipfel zu Fuß zu erklimmen. Nur wäre es sehr viel beschwerlicher. Beim Kampf mit den Elementen verlöre man den Genuss der Aussicht und gewänne dafür einen Kragen voll Schnee.
Da gleite ich doch gerne ganz komfortabel durch die Lüfte und bin perspektivisch verwirrt.
Das Leben des modernen Menschen – ein gespanntes Seil über eisige Klüfte in Erwartung des Unglaublichen.

Winterschlaf

Die letzten Tage führten mir wieder einmal vor Augen wie auch ich ansonsten hoch vergeistigtes Wesen an meine animalischen Ursprünge gebunden bin. Kaum begann ich zu realisieren, dass die Sonne nun doch merklich früher als an schillernden Sommertagen hinter dem Horizont zu versinken pflegte, machten sich schon die ersten Anzeichen des nahenden Winters bemerkbar. Zunächst fielen mir ein paar äußerliche Anzeichen ins Auge: Es schneite und in den Regalen des Supermarktes häuften sich die Kapuzenmänner.
Doch meine Abneigung gegen die kalte Jahreszeit líeß mich diese Warnsignale abtun mit einigen dürftigen Argumenten, die mir zu Beginn jedoch recht plausibel erschienen: Zum einen hätte dieser Schnee ja auch den nahenden chaotischen April ankündigen können und zum anderen gibt es Weihnachtsmänner doch inzwischen fast das ganze Jahr über zu kaufen. Weiterlesen „Winterschlaf“