Mein Therapeut sagte mir: Herr Kienzler so geht es nicht weiter, Sie müssen ihre Ängste überwinden. Ich habe viele Ängste, eine der konkreteren ist die Angst vor Hunden. Kaufte mir also einen Hund. Son richtigen deutschen Schäferhund, mit dem sich jeder Uniformträger gut hätte fotografieren lassen können.

Da saßen wir dann in meiner Wohnung. Also der Hund saß nicht, der schnüffelte sich durch meine Wohnung und miefte sie voll mit seinem Hundegeruch. Ich saß auf dem Klo, das ich zu meinem eigenen Schutz abgeschlossen hatte und dachte mir: Na gut, wenn ich hier nie mehr rauskomme ist es auch kein Problem. Wenn ich aufs Klo muss, bin ich schon da, fließend Wasser gibt es auch und da es hier nicht so sauber ist, wird sich sicher bald irgendein Ungeziefer einfinden, das ich essen kann.

Nach zwei Wochen dachte ich dann: (mehr …)

Dachte, ich lasse meinen kleinen Erzähler noch mal in die Prärie aufbrechen:

„Heute wieder so das kleine Stahlross Mr. Threewheels durch die Steppe der Vorstadt geführt, als mir auf einmal ein Stammesgenosse über den Weg läuft! Ein echter kleiner Sioux! Also klar, so echt wie er eben hier im Dorf sein kann. Ich ihn gleich angehauen: Bruder! Was führt dich in diese Einöde, der der weiße Mann gerade das letzte bisschen Leben raubt? Er so: Was? Hä? Bin Timmy, meine Kumpels und ich spielen halt Indianer und so..

Ich ihm gleich erklärt, dass man das nicht spielen kann. Das ist eine Entscheidung fürs Leben! So wie Onkel Jürgen mit der Ledermütze, der auch immer irgendwie von der wichtigsten Entscheidung in seinem Leben spricht. Seit er mit dieser Mütze rumläuft und nicht mehr bei Tante Klara wohnt, redet er immer von irgend so ner Entscheidung und seine Augen glänzen wie der Morgentau.. Auf jeden Fall, ich also erst mal Timmy über seine indianische Identität aufgeklärt und seine Federn ein bisschen geordnet. (mehr …)

Suspense

Ein Buch, in dem einfach alles spannend ist: „Der Mann, der seit zwei Sunden verzweifelt versuchte, sich an seinen Namen zu erinnern, der ihm die ganze Zeit über schon auf der Zunge lag, sah einen Gegenstand vor sich auf dem Boden liegen. Vorsichtig näherte er sich dem schmutzig weißen Ding, bereit jedem überraschenden Angriff zu begegnen, doch es handelte sich nur um eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe, die allerdings noch glühte! Der Raucher der Kippe konnte also noch nicht lange weg sein, womöglich wartete er schon hinter der nächsten Straßenecke mit einem Hackebeil! Zentimeterweise schob der Suchende seine Füße tastend auf der Straße vorwärts, dabei immer die dunklen Fenster im Blick behaltend, als in einem das Licht anging! Jede Faser seines Körpers anspannend wandte unser Held langsam den Kopf, um den Grund der plötzlichen Illumination zu ergründen, dabei jedoch auch den Weg vor sich nicht aus den Augen lassend, was ihn scheußlich schielen ließ. Das Licht erlosch so schnell wie es angegangen war und auch das gab Grund zur Besorgnis: Wer macht denn so schnell ein Licht an und aus? Seitwärts die Straße entlanggehend, so dass er gleichzeitig das hinter ihm zurückbleibende Fenster und die nahende Straßenecke im Auge hatte, erörtete unser Held weiter das Geheimnis seiner verlorenen Identität: War er ein Geheimagent, den man einer Gehirnwäsche unterzogen hatte? Hatte er vielleicht einfach einen Blumenkübel auf den Kopf bekommen? Er hatte die Ecke erreicht. Seine Angst an den Rand seines Bewusstseins verbannend machte er den entscheidenden Schrit, nur um zu erkennen, dass dort niemand hinter der Ecke stand. Erleichterung mischte sich mit der bangen Frage, wo der Raucher hinverschwunden war und den weiteren schon angesammelten Fragen, wie zu Beispiel: Warum das Auto vorhin so langsam an ihm vorbeigefahren war, woher die Katze gekommen war, die vor zwei Stunden vor ihm über die Straße gelaufen war… (mehr …)

Ich schreibe an meiner Zulassungsarbeit zum Staatsexamen in Germanistik. Schreiben bedeutet, ich sitze vor meinem Rechner und starre auf den leeren Bildschirm. Wenn ich es nicht mehr ertrage, auf den leeren Bildschirm zu starren, starre ich in das Buch, das da auf meinem Schreibtisch liegt zischen leeren Studentenfutterpackungen und gebrauchten Teebeuteln. Ich überlege, wieder mit dem Rauchen aunzufangen, um das Bild zu vervollständigen.

Ich verfluche mich dafür, nicht schon früher mit dem Schreiben angefangen zu haben und noch mehr verfluche ich mich dafür, dass ich schon in der Zeit, in der ich hätte schreiben können, wusste, dass ich mich später für mein Nichtstun verfluchen würde. Eigentlich war ich in dieser Zeit sehr produktiv. Ich las erstmal sehr viele Bücher über mein Thema, weil ich dachte, das würde mir was für meine Arbeit bringen. Das Schreiben einer solchen Arbeit scheint ein Erkenntnisprozess zu sein, der einem vor Augen führt, welche Bücher man sich sparen könnte. Als würde man sich endlich mal trauen, auch mal diese ganzen tollen Cocktails auszuprobieren, nur um dann festzustellen, dass einem Bier eben doch besser schmeckt. (mehr …)

An einem wunderschönen Sonntagnachmittag saß Gundolf Möchtegern in einem schnuckeligen Café und ließ sich ein schmackhaftes Heißgetränk durch die Kehle laufen. Hingebungsvoll gab er sich dieser nachmittäglichen Stunde hin, in der er wie die meisten anderen nichts zu tun hatte. Doch nach einiger Zeit des sinnierenden Dahinschauens meldete sich sein schlechtes Gewissen.

Möchtegern war ein tüchtiger Mann und der Müßiggang pflegte nach einiger Zeit stets die Furcht bei ihm hervorzurufen, völlig dem Nichtstun zu verfallen und nie wieder den Weg zurück in seine alte arbeitsame Existenz zu finden.

Nervös begann er seine Tasse, den Zuckerstreuer und die Karte auf seinem Tisch in eine strenge Ordnung zu bringen. Er beruhigte sich ein wenig, doch schon bald überkam ihn von Neuem die alte Furcht. Als sein Augenlid schon nervös zu zucken begann, stand er Erleichterung suchend auf und begann auch einzelne Stühle im nur mäßig besuchten Café ordentlich an die Tische zu rücken. Die wenigen übrigen Gäste begannen sein Treiben mit einer geweissen Belustigung zu verfolgen, was auch Möchtegern bald bemerkte und sich infolgedessen wieder artig auf seinen Stuhl setzte und so tat, als wäre nichts geschehen. (mehr …)