Storytelling oder der GG-Trick

Und noch eine neue Kategorie: Ich gebe seit einiger Zeit ein Seminar über Storytelling an der Uni Tübingen. Jetzt will ich auch hier mal ein bisschen Einblick geben in meinen Werkzeugkasten.
Eine der simpelsten Methoden, um in kürzester Zeit zu einer Geschichte zu kommen, nenne ich den GG-Trick. Sicher wissen die meisten, dass man für eine Geschichte große Gefühle braucht. Was man aber auch braucht, ist ein Thema, also einen Gegenstand. Und das ist der GG-Trick: Gefühl – Gegenstand.
Diese simple Kombination erzeugt immer den Ansatz zu einer Story, vor allem wenn man sie kreativ einsetzt. (Einen Rest Kreativität braucht man also auch mit so einem Trick, das kann ich niemandem nehmen.)
Nehmen wir zum Beispiel Eis. Wir alle mögen Eis. Man könnte also Eis mit Spaß kombinieren, aber das wäre ja langweilig. Also kombinieren wir Eis mit Angst. Wir erfinden eine Figur, die Angst vor Eis hat. Und schon haben wir die Geschichte: Sie kriegt Panik, wenn Eis in ihrer Nähe ist, der Sommer ist die schlimmste Jahreszeit für sie, als Kind war sie mal aus Versehen in einem Kühlhaus eingesperrt. Irgendwann verliebt sie sich in den Eismann und muss ihre Angst überwinden, sie stellt sich todesmutig dem Verspeisen einer Kugel Schokoladeneis.
Oder nehmen wir ein anderes Beispiel: Waschmaschine – verrückt. Die Waschmaschine spielt verrückt, weil sie sich zu viel gedreht hat, haha. Sie lässt Kleidungsstücke verschwinden, ändert die Farbe und geht nicht mehr auf. Der Waschmaschinentherapeut muss kommen, er redet mit ihr über ihre Kindheit, wie Vater Waschmaschine ihr zu früh den Turbowaschgang beigebracht hat etc.
Was geht noch? Natürlich die Liebe. Ladegerät und Smartphone lieben sich, aber sie können nur zusammen sein, wenn beim Smartphone der Akku leer ist. Es wird von den Menschen ausgenutzt. Smartphone und Ladegerät überlegen, was sie tun könnten, um öfter zusammen zu sein. Dann kommen sie darauf: Sie müssen den Akku von Smartphone so manipulieren, dass er immer schneller leer wird. Die Menschen wundern sich, warum sie das Smartphone immer häufiger aufladen müssen. Smartphone und Ladegerät freuen sich. Sie können jetzt immer öfter zusammen sein. Und schließlich gehen sie für ihre gemeinsame Liebe in den Tod…
Okay, ich gebe zu, nicht jede dieser Geschichten ist die ganz große Literatur, aber wenn man geschickt damit umgeht, funktioniert der GG-TRick und es kommt eine Story dabei heraus.

Schriftliches Examen II

So. Geschafft. Habs hinter mir. Bin fertig. Puh. Kann meine Hand nicht mehr fühlen nach fünf Stunden Klausur (Wie enrst das gemeint ist, sieht man daran, dass ich schon wieder was schreibe.) Mein Thema war ja „Thomas Manns Erzählungen“. Hab also alle Erzählungen von Thomas Mann gelesen. Einmal. Zweimal. Vorwärts. Rückwärts. Im Zickzack. Auf dem Kopf. Besoffen… und was kommt dran??? Der Tod in Venedig! Na toll. Da liest man selbst die entlegensten Texte und dann kommt ausgerechnet der text dran, den sowieso jeder kennt. Konnte gar nicht mit meinen Spezialkenntnissen über Wgner, Nietzsche und Schopenhauer glänzen. So ein Mist.

Ist doch gemein. Ist doch echt gemein, dass die einem das so einfach machen in der Klausur. Echt ey. Ich hätte es gerne schwieriger gehabt. So nach dem Motto: „Analysieren Sie die Figur der abwesenden Frau in „Herr und Hund“, gehen Sie dabei auch auf Tiefenpsychologie ein und beziehen Sie ihre Ergebnisse auch noch auf 10 andere Erzählungen Thomas Manns ihrer Wahl, außer Luischen und der Kleiderschrank, die sind verboten“ so was wäre doch schönb gewesen, aber nein, es muss mal wieder einfach sein, damit auch jeder, also auch ich zum Beispiel, ein gutes Examen schreibt.

„Der Tod in Venedig“! Das ist ungefähr so, als würde man einen Automechaniker ein Fahhrad reparieren lassen oder würde man einem Sänger sagen, er soll jetzt mal was ganz Neues machen: Singen oder als würde man … ach Mann ich bin einfach sauer!

Die Welt soll kompliziert sein und mich vor Herausforderungen stellen! Menno! Es kann doch nicht einfach alles glatt laufen!…. 

Schriftliches Examen

Ich lerne gerade auf mein schriftliches Examen. Also jetzt gerade natürlich mal wieder nicht, weil ich gerade diesen Beitrag schreibe, aber auch das hat ja etwas mit der Prüfung zu tun weil sie ja schriftlich sein wird, auch wenn man da leider nicht tippen darf, sondern seinen Kuli übers Blatt jagen muss, was bei fünf Stunden Prüfungszeit garantiert zu einem Schreibkrampf und Rückenschmerzen fühern wird, ganz abgesehen davon, dass ich mir eine Flasche zum Reinpinkeln mitnehmen muss, weil ja immer nur einer einzeln von dem ganzen Vorlesungssaal aufs Klo gehen darf. Na ja, wir leben zwar im 21. Jahrhundert, in dem man auch so etwas wie Tastaturen und Rechner kennt und auf dem Klo einfach eine Kamera installieren könnte, wenn man die Leute schon terrorisieren will, aber man ist ja an der Universität, wo alles immer seinen ganz eigenen Gang geht, den niemand so richtig versteht, aber jeder aus Angst vor Strafe befolgt. Weiterlesen „Schriftliches Examen“

Fertig!

Hab meine Zulassungsarbeit gerade zum Binden gegeben. Bin fertig. In jeglicher Hinsicht. Es war eine verdammt lange Nacht, in der ich natürlich trotzdem nicht alles geschafft habe, was ich mir vorgenommen hatte. Zwischenducrh war ich ehrlich versucht, einfach auf „Löschen“ zu klicken. Wenn man seine eigene Arbeit so oft wieder und wieder gelesen hat, gelangt man zwangsläufig zu der Überzeugung, dass es alles Mist ist.

Da sitzt man dann und flucht: Mann, und für die Scheiße hab ich jetzt 4 Monate meiner besten Jahre hergegeben! Ja, ja, ich weiß schon, was ich erzähle, wenn mich die Leute später mal fragen, warum ich auf der Straße lebe: Es hat alles damals mit meiner Zula angefangen!  Zumindest vom Aussehen her würde ich schon jetzt ganz gut als Obdachloser durcgehen. Kein Wunder, wenn man sich monatelang nur noch mit seinem Computer unterhält und den Rest des Lebens und der eigenen Bedürfnisse einfach ignoriert. Wer in der letzten Zeit versucht hat, sich mit mir zu unterhalten, konnte schon froh sein, ein Grunzen als Antwort zu bekommen.

Ein interessantes Phänomen ist dann zu beobachten, wenn man die Arbeit endlich fertig hat. Auf einmal ist man wieder überzeugt davon, ein Meisterwerk geschaffen zu haben. Alles Fluchen verwandelt sich in Jauchzen über die schlichte Schönheit der Welt und man beginnt, sich langsam wieder in einen normalen Menschen zurückzuverwandeln.

Ich geh jetzt erst mal zum Frisör, sonst erkennt mich nämlich niemand mehr, mit dem ich mich jetzt unterhalten könnte und heute abend trinke ich das beste Bier meines bisherigen Lebens…