Ich habe mir gerade fast einen Hexenschuss geholt, als ich die Seite hier mal wieder überarbeitet habe. Wahrscheinlich sind weder mein Stuhl, noch mein Tisch, noch mein Rechner besonders geeignet, meinem Rücken gut zu tun.
Nun habe ich mich wieder an das Stehpult gestellt, das ich seit einiger Zeit mein eigen nenne. Es ist nichts besonderes, aber es erfüllt einigermaßen seinen Zweck. Was es aber nicht kann: Die Versuchung des Sitzens aufheben.
Sobald ich an diesem Ding stehe, habe ich wilde Assoziationen von Stühlen, Sesseln, Fauteuils, in denen ich wunderbar lümmeln könnte, ja ein Stuhl erscheint mir dann fast verlockender als ein Bett.
Woher nur diese Begeisterung für das Sitzen? Angeblich ist diese für uns so typische Körperhaltung ja völlig unnatürlich. Ich frage mich nur: Wenn das Sitzen unserer menschlichen Natur so zuwiderläuft, warum tun wir es dann mit solcher Konsequenz und Begeisterung? Müsste uns Sitzen dann nicht widerlich vorkommen?
Sicher könnte man sagen: Wir sind Opfer des Systems, das uns Sitzen lehrt, oder noch extremer: Opfer der Sitzverschwörung. Man will nicht, dass wir stehen, damit wir nicht auf den Gedanken kommen, auch in anderen Kontexten aufzustehen. Nur ein sitzender Konsument ist ein guter Konsument. Er wird träge und immer bereiter, sich alles reinzuziehen.
So wäre dann das Disruptivste, was man derzeit tun könnte: Aufstehen. Insofern kann ich mich trösten, dass mein Leiden am Stehpult ein wahres revolutionäres Potential hat.

So, jetzt ist es passiert. Die SPD hat mal was Anderes gemacht, als sich selbst völlig zu blamieren. Sie hat ihr Wahlprogramm vorgestellt: Deutschland soll sich in blühende Landschaften voller Öko-Zeugs verwandeln und damit auch noch fett Kohle machen. Klar, das mit den blühenden Landschaften kennen wir vom alten CDU-Zentralkommiteevorsitzenden Helmut Kohl, aber diesmal geht es wohl um noch größere Wolkenschlösser.

Schon tönt es aus den Reihen der anderen Parteien: Das sei ja schlimmste Planwirtschaft! Abgesehen davon, dass ich die formulierten Ziele auch für ziemlich illusorisch halte, muss man aber eines festhalten: Sozialistische Zustände herrschen hier schon, zumindest, wenn ich es richtig verstanden habe.

Der Staat hat sich doch noch und nöcher an allen möglichen Banken etc. beteiligt und die Leute mit der Abwrackprämie geradezu genötigt, neue Autos zu kaufen. Gut, im Sozialismus hat man jahrelang auf ein Auto gewartet und letztendlich ist die staatliche Beteiligung dann wohl doch noch etwas anders gestrickt.

Trotzdem finde ich es seltsam, dass die gleichen Leute, die die ganze Zeit flöten, die Krise sei ja längst vorbei und Deutschland bei stagnierendem Wachstum auf dem besten Weg zum zweiten Wirtschaftswunder nun auf einmal behaupten, Steinmeiers Pläne seien völlig illusorisch.

Hach, der Wahlkampf! Ein Fest für uns Freunde der Spitzfindigkeit!

Alle Hoffnung auf einen Wechsel im Iran scheint dahin. So wie es aussieht, hat Ahmadinedschad die Wahl gewonnen. Viele vermuten schon den Wahlbetrug, aber angesichts eines bisher so klaren Ergebnisses scheint so etwas eher unwahrscheinlich. Es sei denn, man hätte den Betrug wirklich ganz groß aufgezogen oder schlicht überall alles manipuliert.

Der Herausforderer Mussawi erklärte sich gestern auch zum Sieger und wies auf verschiedene Vorkommen von Manipulation hin. Jetzt fürchten alle Auseinandersetzungen zwischen Gewinnern und Verlierern der Wahl. Vielleicht ist diese Angst auch der Grund für Ahmadinedschads Wiederwahl. Mit ihm bleibt eben ein sehr konservatives Regime an der Macht, unter dem man große Veränderungen und damit auch Unruhen nicht zu befürchten hat.

Mussawi bleibt nur zu wünschen, dass er die geplante Oppositionsarbeit auch durchführen kann, ohne den Nachbeben des Wahlkampfs zum Opfer zu fallen.