Ändere das Passwort,

stell das Konto wieder her.

Bestätige, dass du das Passwort geändert hast.

Bestätige, dass du, der du das Passwort geändert hast, auch der bist, der das Passwort ändern darf.

Bestätige, dass du, der du das Passwort geändert hast und der bist, der es ändern darf, es auch von ganzem Herzen gewollt hast.

Ändere zur Sicherheit noch einmal das Passwort.

Hast du jetzt etwa aus Versehen das Passwort eingegeben, dass du vergeben hast, als du es gerade ändertest?

Ändere zur Sicherheit noch einmal das Passwort.

Gib den Code ein, den wir dir an dein Gehirn gesendet haben.

Nein, das andere.

Ändere deinen Namen. Er passt nicht mehr zu deinem Passwort.

Uns ist aufgefallen, dass du dein Passwort immer am gleichen Computer eingibst,

ziehe bitte um und gib es in einer anderen Stadt noch einmal ein.

Dokumentiere die Änderung deines Wohnsitzes mit einem eigenen Passwort.

Gib deinen Namen in dein Gehirn ein.

Ändere den Code, den wir dir geschickt haben so, dass er dein Passwort ergibt und schicke uns die Formel, die du zur Umrechnung erstellt hast.

Gib auf keinen Fall dein Passwort ein!

Wir haben dir nichts geschickt!

Hast du gerade versucht, dich mit einem gültigen Passwort einzuloggen?

Ändere das Passwort, nur nicht dein eigenes.

Bestätige, dass du ein Code bist.

Ändere dein Gehirn, gib deinen Namen auf, lösche das Passwort, bestätige alles.

 

All die Gefühle

die Gefühle sind zu viel. Und es werden immer mehr. Jedes Jahr, jeden Tag ein neues Gefühl, für das man nur halbherzig Worte findet.

Schon ein Wort für ein Gefühl zu haben, heißt, es ein Stück weit zu bändigen.

Man ordnet die Gefühle in Kategorien ein:

Ich war total aufgebracht.

Ich war total aufgebracht, als es im Supermarkt keinen Parmesan mehr gab.

Aber ehrlicher wäre es doch zu sagen:

Ich hatte das kein.Parmesan-mehr-da-Gefühl. Hatte Entzugserscheinungen.

Dieses Gefühl, dass ich jetzt nicht diesen salzigen Kick haben werde beim Essen,

sondern meine Nudeln mit Tomatensoße einfach nach Nudeln mit Tomatensoße schmecken.

Was soll ich machen? Schokolade drüber raspeln?

Stattdessen sagt man dann: Ich war total aufgebracht.

Und das schreibt man dann in die Beschwerde-Mail.

Nicht, dass ich der Typ wäre, der Beschwerde-Mails schreibt.

Ich bin viel zu träge für so was.

Beim Lesen würde mich meine Beschwerde wohl eher zum Lachen bringen.

Vielleicht sind auch all diese Bewertungen, die man im Internet lesen kann, gar nicht ernst gemeint.

„Wenn man das Licht im Hotelzimmer ausgemacht hat, war es auf einmal dunkel! Unglaublich!“

„In der Dusche war es nach dem Duschen total nass!“

„Wenn man das Fenster aufgemacht hat, kam auf einmal ohne Absprache Frischluft ins Zimmer!“

Nur so ein Gefühl,

wie das Gefühl, wenn mein Rechner anzeigt:

„Ihre Outlook-Einstellungen sind veraltet.“

Wie fühle ich mich denn da?

Überrascht? Verärgert? Schmutzig?

Diese ganzen Geräte und Programme drängen einem Gefühle auf, die sie selber gar nicht haben.

Maschinen sind da echt im Vorteil.

Aber sie fühlen sich davon auch nicht besser.

Ich habe mal tief im Archiv gegraben und einen Text aus der Kategorie „Absurdes“ gefunden, der sehr schön in die Jahreszeit passt. Ich muss nur eine Warnung an Menschen aussprechen, die eher Texte mögen, die sich leichter erschließen: Das wird hier nicht der Fall sein. Er ist wirklich sehr absurd. Deshalb mag ich ihn.

Der Morgenhimmel über Alaska

Der Morgenhimmel über Alaska hatte ausgesprochen gute Laune. Schon lange war ihm nicht mehr ein klares Blau gelungen. Er schaute auf die Pyramiden unter sich herab und dachte ein bisschen an die gute alte Zeit der Eisbären zurück. Die Eisbären, was waren das für nette Gesellen gewesen. Er hatte ihnen gerne beim Curling zugesehen und die Oper „Whoaaa!“ hatte er mit Genuss gehört.

Nun waren die Menschen nach 8000 Jahren zurückgekehrt und schlimmer als je zuvor. In ihrer neuen insektengleichen Gestalt waren sie noch schwerer zu ertragen als in ihrer Affenform.

Was trieb diese Wesen dazu, sich für die Krone der Schöpfung zu halten? Wer hatte sie glauben lassen, alles Andere um sie herum habe keine Seele?

Der Himmel schüttelte seine Ausläufer im Paralleluniversum. Das Telefon klingelte. Der Grand Canyon war dran. „Alter, ich habe dir doch mein Panoptikum geliehen, oder?“ „Ja, stimmt, sorry. Ich schick es dir mit einem Vampir zurück.“ „Mit einem Vampir?“ „Neues System. Große Pakete müssen jetzt immer von einem Vampir zusammengehalten werden. Die Da-Vinci-Reform, du weißt schon.“ „Was dieses Walross sich da wieder ausgedacht hat! Na gut, Hauptsache, das Panoptikum kann immer noch tanzen.“ „Ich pack ihm noch ein paar neue Schuhe ein, dann verhungert es nicht auf der Reise.“ „Ok, danke dir, schöne Nordlichtfeier.“ „Ja, danke, Karthago.“ „Karthago!“

Der Morgenhimmel räkelte sich noch ein wenig. Als das olympische Feuer wie üblich die Ablösung einläutete, hatte er sich schon wieder in den den Andromeda-Nebel zurückgezogen.

Ganz schnell schreibe ich in einer Lücke zwischen den Zeiten. Ich denke an Zenon von Elea und seine Paradoxa. Wenn man die Zeit immer mehr unterteilt, vermehrt sie sich. Das ist meine These.
Gerade jetzt hätte ich wohl gar nicht geschrieben, wenn ich nicht schlicht versuchen würde, eine kleine Lücke in der Zeit zu finden, ein Fenster zwischen Mittagessen und Familienspaziergang.

Zwei Haikus dazu:

Ich habe keine
Zeit. Ich schaffe Zwischenraum.
Vakuum im All

Schon fragt die Welt nach
mir. Sie zieht mich nach draußen.
Das Drinnen kommt mit.

So, mehr Zeit ist nicht.
Aber ich persönlich finde, ich habe die zwei Minuten, die ich jetzt hatte, gut genutzt. Wenn man jede Minute sparen würde, in der man sonst sinnlose Dinge tut, wie den täglichen Coffee to go kaufen, um die Hälfte dann wieder wegzuschütten und dabei nicht zu trinken, sondern noch etwas Anderes zu tun, dann wäre man steinreich. Und das ganz ohne an Geld denken zu müssen.

2019 is coming, ein Jahr für mich, ein Jahr für dich und für alle, die uns kennen.
Ich werde vielleicht wieder mehr Zeit haben und habe jetzt Zeit, zu wünschen:
Ein schönes neues Jahr! Ein Jahr, in dem man endlich die Serie finden wird, die alle anderen ersetzt.
Ein Jahr, in dem die Politik sich überraschenderweise zum Guten wendet und Kim Jong Un mit Donald Trump, Erdogan und Putin eine WG in einem unterirdischen Bunker aufmacht.
Ein Jahr, in dem wir alle unsere Feinstaubbelastung senken, indem wir öfter Staubsaugen, überall. Wir treffen uns in extra präparierten Staubräumen, in denen wir es ordentlich surren lassen.
Ein Jahr, in dem eine neue Eissorte auf den Markt kommt: Fukuyama. Es wird großartig.
Ein Jahr, in dem ich schlechte Gewohnheiten ablege, zum Beispiel, nichts hier zu schreiben. Ich werde das Nichtschreiben wieder mehr in anderen Bereichen einsetzen. Dafür wird hier sicher mehr Quatsch auftauchen. Das Nichtschreiben zu lassen, hat seinen Preis.
Ein Jahr, in dem sicher eine großartige Botschaft steckt wie: „Tragt mehr dezente Hüte!“
Ein Jahr, das alle anderen übertreffen wird, zumindest nach dem Gesetz der mathematischen Induktion.
Ihr seht, ich bin noch nicht ganz wach und ich werde es selten sein. Aber ich werde weiter Meldung machen, weil diverse Social-Media-Kanäle mir Nachrichten schicken, dass ich Inhalte posten soll. Das wird sicher nicht aufhören. Wobei, wer weiß? Vielleicht gehen alle Portale unter und es bleibt nur eines übrig: Das zu unseren Herzen.