Wenn mir etwas an der Kunst der Improvisation gefällt, dann der Gedanke, unvollständig zu sein.

Wenn man beim Improtheater die Bühne betritt, hat man nichts außer einem Titel. Und man weiß nie, ob es etwas wird.

Warum nicht auch im Leben mehr so handeln? Mir hat der Gedanke dabei geholfen, Telefonate zu führen. Früher hatte ich wirklich Angst davor.

Inzwischen denke ich: Ist doch egal, wenn die Person merkt, dass ich unausgeschlafen, nervös oder inkompetent bin. Es könnte sowieso immer alles schiefgehen. Vielleicht rülpse ich aus Versehen so ekelhaft, dass meinem Gesprächspartner gar nichts übrig bleibt, außer entsetzt aufzulegen.

Wir sollten viel häufiger unsouverän sein. Einfach beim Bäcker sagen: Ein Pfund Gehacktes bitte. Und gucken, was passiert. Oder zum Frisör sagen: Einmal Reifen wechseln.

Sowas befreit. Wenn man selber aus ganzem Herzen scheitert, erträgt man auch die Leute an der Supermarktkasse, denen beim Bezahlen einfällt, dass sie die Hälfte vergessen haben.

Ich gehe jetzt schlafen. Das wird auch nie perfekt.

DSC00015
Dieser Baum begegnete mir vor ein paar Tagen auf dem Heimweg. Er hat die Stadt betreten, um endlich reinen Tisch zu machen. Nun erwartet er neben dem Anwohner-Parkplatz-Schild das entscheidende Duell…
Die Häuser um ihn her kauern im Schatten seiner Macht. Die Tiefe, aus der er sich emporschwang, beherbergt sicher noch Dunkleres als ihn.
Ja, dieser Baum war mir wie der Einbruch des Wahnsinns in die Ordnung der Stadt. Das Leben, das in seiner Urgewalt alles Kleingeistige überwältigt. Ein Ding, das sich in keine Form pressen lässt, dessen Verzweigungen Anfang und Ende nur erahnen lassen, ein Etwas, das sich nicht begrenzen lässt.
Nur weiß ich auch: Dieser Baum ist in unserer Welt kein Protagonist. Er fristet das Dasein eines Abgehängten, dem man gerade noch sein Fleckchen Erde gönnt.
Während unsere Häuser uns alles sind, ist der Baum uns nichts. Wir sehen unser Leben grau werden im Mauerwerk.
Der irre Baum könnte die Rettung sein. Das, was sich der reinen Funktionalität entzieht. Was vielleicht nicht einmal nützlich ist, sondern schaurig schön. Das Lied der Regentropfen könnte der Ruf zum Abenteuer sein.
Also, mein Rat, bevor ich vollends dem Pathos verfalle: Guckt mal Bäume an, das hilft.

Ich brauche neue Schuhe. Meine alten haben inzwischen das Loch an der einen Stelle, das jeder meiner Schuhe nach lächerlichen fünf Jahren Tragezeit bekommt und Regen für mich zu einer echten Bedrohung werden lässt. Klar, sagt man da, geh doch einfach Schuhe kaufen! Aber so einfach ist das nicht. Ich wohne in einer kleinen Studentenstadt, in der ordentliche Schuhe ungefähr so leicht zu finden sind wie eine Saftbar in der Sahara.

Meistens läuft der Versuch, Schuhe zu kaufen, hier immer nach dem selben Muster ab: Nach einer langen Phase der Resignation und Verzweiflung beschließt man, nun doch auszuziehen um den Schuhkauf zu wagen, auch wenn die Erfolgsaussichten geringer sind als die von Dieter Bohlen, wenn er sich selber mal bei DSDS zum Casting vorstellen würde. (mehr …)