Der Baum aus der Unterwelt

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Dieser Baum begegnete mir vor ein paar Tagen auf dem Heimweg. Er hat die Stadt betreten, um endlich reinen Tisch zu machen. Nun erwartet er neben dem Anwohner-Parkplatz-Schild das entscheidende Duell…
Die Häuser um ihn her kauern im Schatten seiner Macht. Die Tiefe, aus der er sich emporschwang, beherbergt sicher noch Dunkleres als ihn.
Ja, dieser Baum war mir wie der Einbruch des Wahnsinns in die Ordnung der Stadt. Das Leben, das in seiner Urgewalt alles Kleingeistige überwältigt. Ein Ding, das sich in keine Form pressen lässt, dessen Verzweigungen Anfang und Ende nur erahnen lassen, ein Etwas, das sich nicht begrenzen lässt.
Nur weiß ich auch: Dieser Baum ist in unserer Welt kein Protagonist. Er fristet das Dasein eines Abgehängten, dem man gerade noch sein Fleckchen Erde gönnt.
Während unsere Häuser uns alles sind, ist der Baum uns nichts. Wir sehen unser Leben grau werden im Mauerwerk.
Der irre Baum könnte die Rettung sein. Das, was sich der reinen Funktionalität entzieht. Was vielleicht nicht einmal nützlich ist, sondern schaurig schön. Das Lied der Regentropfen könnte der Ruf zum Abenteuer sein.
Also, mein Rat, bevor ich vollends dem Pathos verfalle: Guckt mal Bäume an, das hilft.

Wir sind jung und brauchen das Geld

So der Titel eines ebenso wahnwitzigen wie hoffnungsvollen Projektes, das heute bei Spiegel Online neckische Erwähnung findet. Zwei Studenten haben sich ein recht sinnvolles Thema für ihre Diplomarbeit ausgedacht: Es geht schlicht und ergreifend darum, wer als erster Millionär wird. Fast jeder mögliche Weg, den ein unbedarfter junger Mensch ohne große Vorkenntnisse gehen kann, wird dabei von den beiden beschritten, außer Prostitution.

Sie verkleiden sich als Stofftiere, singen ohne großartig geübt zu haben, Lieder in der Fußgängerzone, verkaufen alten Scheiß bei Ebay, sammeln unermüdlich Flaschen und Altpapier, zocken bei Sportwetten und an der Börse und bewerben sich bei Quiz-Shows.

Nun gut, schaut man sich die Zahlen auf ihrer Website an, sieht man, dass es bis zur Million noch ein weiter weg ist. Trotzdem verbirgt sich hier vielleicht jetzt schon eine Fundgrube an Tipps und Tricks, die einem zumindest zu ein bisschen mehr Kohle verhelfen könnten. Wer also gerade nicht so ganz weiß, wie es weitergehen soll, weil er den Schreibtisch bei der Bank oder seinen Platz auf dem Börsenparkett räumen musste, dem sei diese Seite wärmstens empfohlen. Weiterlesen „Wir sind jung und brauchen das Geld“

Ist Porno Kunst oder Kunst Porno oder doof?

Die Bild hat mal wieder eines ihrer Pamphlete über die Gegenwartskunst veröffentlicht. Diesmal geht es um die Düsseldorfer Ausstellung „Diana und Actaeon – Der verbotene Blick auf die Nacktheit.“ Hier werden durchgehend Werke gezeigt, in denen nackte Frauen (von Männern war nichts zu sehen) in allen möglichen Formen und Farben dargestellt wurden. So weit so gut. Die Bild gibt sich jetzt aber ganz weltmännisch und verurteilt nicht etwa die Ausstellung an sich, was ja auch etwas seltsam gewesen wäre, wo sie doch selber immer ihr Mädchen auf Seite eins veröffentlicht, wobei die Bidl natürlich nicht behauptet, dass das Kunst sei, aber so philosophisch geht es in dem Artikel dann doch nicht zu.

Nein, die Bild stellt fest, es sei ja völlig in Ordnung, nackte Frauen zu zeigen, so lange das auch schön anzusehen sei, ich glaube es fällt sogar das Wort „geschmackvoll“, bei dem ich mir unwillkürlich Graf Dracula vorstelle, der seinem Diener sagt, die letzte Jungfrau, die er ausgesaugt habe, sei durchaus geschmackvoll gewesen. Was nun laut der Bild gar nicht geht, ist wenn auf den Bildern nicht ganz liebe süße Frauen gezeigt werden, die rein zufällig nichts anhaben, sondern gefesselte Frauen, Frauen, die sich selbst befriedigen oder ihre Tage haben und das in Großaufnahme.

Das sei nämlich keine Kunst, sondern Pornographie. Weiterlesen „Ist Porno Kunst oder Kunst Porno oder doof?“

Damien Hirst – Alles muss raus

Damien Hirst hat es geschafft. Wie man auf Spiegel Online lesen kann, war seine Auktion mit dem ungefähren Titel „Beautiful Things in my Head forever“, die er selbst auch als Kunstaktion verstanden wissen wollte, ein voller Erfolg.

Auch der Spiegel berauscht sich förmlich daran, dass viele Kunstwerke, „weit über dem Schätzpreis“ weggegangen seien. Bis zu dieser Auktion gehörte „Schätzpreis“ überhaupt nicht zu meinem Vokabular. Ich lebe in einer Welt, in der man sich freut ein paar Spaghetti zu einem einigermaßen verlässlichen Preis kaufen zu können. Die Kassiererin im Supermarkt kommentiert das meistens eher sparsam und erzählt mir auch nichts von einer Aktion, deren Teil ich nun sei, einem Kunstwerk, das mit uns beiden als Hauptakteueren den Niedergang der Welt veranschauliche. Das fände ich wesentlich näher an der Wirklichkeit als Hirst „Aktion“ oder Auktion oder wie auch immer.

Der Mann hat einfach ein paar Bilder und eingelegte Tiere für wahnsinnig viel Geld verkauft. was mich nun interessieren würde: Was hat dieser Kunstmarkt mit der Kunst zu tun? Ist es inzwischen Bestandteil eines Kunstwerks, wie man es bei Sotheby’s unter die Leute bringt?

Warum versteigert Hirst sich nicht einfach selbst? Das wäre mal eine Aktion. Ich würde es als Künstler ja vorziehen, unverstanden meine eigenen Artefakte aus dem Formaldehyd zu löffeln, anstatt mir durch viel Geld bestätigen zu lassen, dass es noch mehr solche Spinner wie mich da draußen gibt, aber ich kann hier viel erzählen. ich weiß ja nicht wie es ist. Vielleicht ernährt sich Hirst ja von geld und ist eine arme Sau, weil das Zeug immer so schnell alle ist.

Futter für die Goldfische

Bei der Bildzeitung kann man einen recht vergnüglichen Sermon darüber lesen, dass ein Künster eine tiefgefrorene menschliche Leiche an Goldfische verfüttern will. Darüber hinaus wird hier empört festgestellt, der Künstler habe auch schon Goldfische in einem Mixer schwimmen lassen und Ausstellungsbesucher zum munteren Knöpfedrücken aufgefortert. Außerdem soll er auch noch Bulletten im eigenen Körperfett gebraten haben.

Nun gut, der Künstler hat offensichtlich ein komplexes Verhältnis zu Goldfischen. Was ich mich aber frage: Warum will er die Leiche tiefgekühlt verfüttern? Wie sollen die armen Fischlein das denn essen? Schon schlimm, was dieser Künstler den Goldfischen antut, erst bedroht er sie mit dem Tod und lässt andere dabei zuschauen und dann will er sie damit quälen ihnen zu kaltes Essen vorzusetzen, das dann auch noch unmoralischerweise aus Mensch bestehen wird.

Ich kann mir schon die Reaktion der Fische unter Wasser vorstellen: IIIIeee! Das ist ja Mensch! So was darf man doch nicht an uns verfüttern! Wir essen Algen oder irgendwelchen Plankton und Würmer und so, aber Mensch, das ist doch schrecklich unmoralisch!

Was mich besonders wundert Weiterlesen „Futter für die Goldfische“