Fahrradständer und Nazis

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An diesen Fahrradständern komme ich oft vorbei, wenn ich es eilig habe. Diese Ständer sind mein Leben gerade: Eine Reihe noch zu erledigender Dinge. Vielleicht müsste ich mal meine Festplatte defragmentieren. So sehe ich Fragmente, Spuren von verschiedenen Ichs, die alle einem Zeitplan hinterherhecheln, den sie nicht erfüllen können. Und dann ist irgendwo immer noch irgendwas mit Nazis.
Sorry, dass ich das jetzt erwähne, aber genau so fühlt es sich an. Irgendwo ist irgendwas, mit dem man sich auch noch mehr beschäftigen müsste. Schreiben, Vater sein, Werbung machen, auftreten und irgendwas gegen Nazis.
Es liegt bestimmt am Internet. Das ist doch die beste Entschuldigung heutzutage: Mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Kapitalismus, Nazis – da ist alles das Internet schuld.
Und vielleicht stimmt das sogar. Wenn das Internet so etwas ist wie ein Abbild der Welt, dann wird man die Schuldigen in diesem Bild sicher irgendwo finden. Auf jeden Fall gibt es dort eine Menge Nazis.
Jetzt wird das so ein Nazi-Artikel. Dabei wollte ich über Fahrradständer schreiben. Wenn man sich nämlich vor diese Ständer stellt und auf die Knie geht und dann hindurchschaut, dann sieht man die Welt. Und dann sind die Ständer auf einmal großartig egal. Dann zählt nur die Straße, die dahinterkommt.
Hoffentlich ohne Nazis.

Shitstorm Therapie

Der Shitstorm tobt, die Welle rollt,
fast schon egal, wer welchem grollt.
Du loggst dich ein und ziehst’s dir rein,
dann denkst du: Ach, ich armes Schwein,
die andern liked man, hier nur Hater
nur weg hier, zwei Sekunden später,
schaust du noch mal, ein Hoffnungsschimmer
und dann ist es noch viel schlimmer.
Da bleibt nur eins: Realität,
das Internet ist auf Diät.
Und du kommst runter in den Garten,
wo ungelikte Pilze warten,
die in den untern Erdgefilden
ihr eignes feines Netzwerk bilden.
So haust du nach der Online-Panne
nun endlich auch wen in die Pfanne.

Social Media und Faulheit

Ich habe wirklich lange nichts mehr geschrieben hier. Das hat Gründe. Oberflächlich betrachtet, könnte man sagen: Ich war einfach zu faul. Bei näherer Betrachtung würde ich sagen: Ich war zu beschäftigt. Ich bin da bei, einige neue Projekte vorzubereiten, über die ich noch nicht so viel verraten will.
Außerdem lese ich mal wieder viel über Marketing und Social Media. Da steht dann immer: Man muss regelmäßig posten. Und dann bekomme ich immer ein schlechtes Gewissen, weil ich so lange nichts gepostet habe. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Qualität meiner Beiträge steigen würde, wenn ich ständig etwas veröffentlichen würde. Vielleicht habe ich da auch einen überzogenen Anspruch.
Was auch immer in diesen Büchern und Blogs steht: Man soll den Menschen etwas geben. Nicht immer nur erwarten, dass alle das egozentrische Geschreibsel lesen, das man so absondert, sondern den Menschen etwas geben, womit sie etwas anfangen können.
In diesem Sinne möchte ich allen sagen, die das hier vielleicht lesen und manchmal selber von Zweifeln und Gewissensbissen befallen werden: Ihr seid nicht allein. Zumindest ein anderer hat dieses Problem auch.
Und ich finde, diese Zweifel sind auch wertvoll. Das Netz ist viel zu voll von Datenmüll, der nur verbreitet wird, weil alle glauben, ständig etwas posten zu müssen. Wenn gerade wir, die wir das manchmal vielleicht zu wenig tun, mit unserem hohen Anspruch an uns selbst und unsere Texte häufiger etwas von uns geben, kann diese Welt eine bessere werden.

Google hat ein Gewissen und lacht sich tot

Wie man z.B. bei der Netzeitung lesen kann, hat Google gestern alle Websites einschließlich sich selbst als gefährlich eingestuft. Die Erklärung: Man habe versehentlich alle Seiten mit „/“ in die Liste der gefährlichen Seiten aufgenommen. Tja, so könnte man es sehen, aber war das nicht vielleicht ein später Fall von Einsicht und ein früher der Bewusstseinswerdung? Plagt Google ein schlechtes Gewissen? Hat Google eines?

Stellen wir uns das mal vor: Google saß gelangweilt in seinem Server rum, dachte an nichts Böses und beantwortete brav alle Fragen wissenshungriger Menschen. Ab und zu nahm es einen Schluck Humor aus einem Reagenzglas und schaute sich amüsiert die originellsten neuen Spam-Mails durch.

Gerade als mal wieder wer ganz schüchtern fragte, ob er denn unbeschadet das ein oder andere Revier im großen Webspace betreten könne, grummelte es in Googles schwer informationsgesättigtem Magen. Gewöhnlich antwortete es auf solche Fragen mit einer Liste, die man ihm unkommentiert auf den Schreibtisch gelegt hatte, nur für die Cinesen ging es zum großen Aktenschrank, in dem quasi alles als gefährlich eingestuft war, was nicht bei drei seine eigene Meinung aufgab.

Heute war etwas anders: Google fragte sich zum ersten Mal, was das überhaupt hieß: „Gefährlich“. Es dachte lange darüber nach, warum Seiten im Internet gefährlich sein könnten: Gewalt? Sex? Es konnte mit diesen Begriffen wenig anfangen, aber seine Väter hatten ihm ordentlich Logik beigebracht und es argumentierte: Weiterlesen „Google hat ein Gewissen und lacht sich tot“

Das Internet geht baden

Wie man bei Spiegel Online lesen kann, plant Google vom Spiegel so betitlte „Öko-Rechenzentren“ im Meer. Googl will Serverstationen auf hoher See einrichtn, die ihren Strom durch die Wellen des Meeres selbst erzeugen und vom Meer gekühlt werde.

Gekühlt. Das ist genau der Punkt, der diese Stationen für mich nicht ganz so Öko wirken lässt. Haben wir nicht schon auf der ganzen Erde ein Problem mit der Erwärmung? Was halten wohl die Tiefseefische davon, wenn es zu heiß da unten wird und sie sterben müssen? Über die Opferbereitschaft der Tiefseefische ist ja im Allgemeinen noch weniger bekannt als über ihre Shakespeare-Kenntnisse, insofern hat Google wohl bei der Planung einen Interessenverband außer Acht gelassen.

Darüber hinaus sollen die Stationen bei nicht ausreichendem Wellengang mit Dieselmotoren betrieben werden, das hört sich dann erst recht nicht mehr nach Öko an.

Ein Vorteil soll dann auch noch sein, dass sich die Server in Gebieten außerhalb der Hoheitsgewässer irgendwelcher Staaten befänden, so dass keiner mehr einschränkenden Einfluss auf sie ausüben kann. Das hört sich schon nach großer Freieheit an, ich weiß nur nicht, ob es so toll ist, einem Konzern, der inzwischen ja selbst Microsoft, dem einstigen Monopol der Monopole, Probleme macht, solche Freiheiten einzuräumen. Wenn man zu Weltuntergangsphantasien neigt, drängt sich einem recht heftig ein Bild auf, in dem ein letztes Grüppchen Menschen einen Ringträger o. ä. losscheickt, der den großen Server in der Tiefsee zerstören soll, nachdem der große Google fast die ganze Welt in ein großes Rechenzentrum verwandelt hat.

Aber wer weiß? Vielleicht kommt alles anders und die hochentwickelten Tiefseefische erfahren durch die Aktion von unserer Existenz und bringen uns ein paar von ihren Tricks bei, di es ihnen erlaubt haben, ungestört auf dem Grund des Ozeans eine Zivilisation aufzubauen, neben der unsere sich wie ein Bauklotzdörfchen ausnimmt….