Ändere das Passwort,

stell das Konto wieder her.

Bestätige, dass du das Passwort geändert hast.

Bestätige, dass du, der du das Passwort geändert hast, auch der bist, der das Passwort ändern darf.

Bestätige, dass du, der du das Passwort geändert hast und der bist, der es ändern darf, es auch von ganzem Herzen gewollt hast.

Ändere zur Sicherheit noch einmal das Passwort.

Hast du jetzt etwa aus Versehen das Passwort eingegeben, dass du vergeben hast, als du es gerade ändertest?

Ändere zur Sicherheit noch einmal das Passwort.

Gib den Code ein, den wir dir an dein Gehirn gesendet haben.

Nein, das andere.

Ändere deinen Namen. Er passt nicht mehr zu deinem Passwort.

Uns ist aufgefallen, dass du dein Passwort immer am gleichen Computer eingibst,

ziehe bitte um und gib es in einer anderen Stadt noch einmal ein.

Dokumentiere die Änderung deines Wohnsitzes mit einem eigenen Passwort.

Gib deinen Namen in dein Gehirn ein.

Ändere den Code, den wir dir geschickt haben so, dass er dein Passwort ergibt und schicke uns die Formel, die du zur Umrechnung erstellt hast.

Gib auf keinen Fall dein Passwort ein!

Wir haben dir nichts geschickt!

Hast du gerade versucht, dich mit einem gültigen Passwort einzuloggen?

Ändere das Passwort, nur nicht dein eigenes.

Bestätige, dass du ein Code bist.

Ändere dein Gehirn, gib deinen Namen auf, lösche das Passwort, bestätige alles.

 

Liebe mich! Das scheint die Botschaft unserer Zeit zu sein. Das fällt mir gerade zwischen zwei Atemzügen wieder ein. Immer mehr scheint unser Leben, oder zumindest das von vielen, die ich kenne, sich darum zu drehen, geliebt zu werden.
Klar, man kann sagen: War das nicht schon immer so? Sehnten nicht auch die Bauern auf den Feldern des Mittelalters sich nach jemandem, der bemerkte, das sie arbeiteten? Ich denke, sie waren froh zu überleben. Schon gut, dass wir nicht mehr so ums Überleben kämpfen müssen, aber warum dieser irrsinnige Wunsch nach Bestätigung, dem ich ja auch nachgehe, indem ich das hier schreibe?

Liebe in kleinen
Dosen aus dem Cloud-Regal.
Wir sind da – echt jetzt.

Ich existiere
nur durch andere, deren
Blick und Klick mich schafft.

Liebe mich! Es ist ein zu großes Wort. Wirklich geliebt werden wollen wir nicht. Das würde ja heißen, jemand will sein Leben mit uns teilen. Es ist nur dieser kleine Kick, den man spürt, wenn die Userzahlen steigen, wenn unter dem Bild eine größere Zahl von Daumen und Herzen steht. Es heißt: Wir finden das gut, was du da machst. Und damit auch irgendwie dich. Und wir belügen uns automatisch. Wir glauben es. Dabei war ja immer nur das Bild gemeint.
Wir müssten es schaffen, uns auch noch diese Zuneigung einzubilden. Insofern wäre die alte Idee von Berkeley interessant: Was, wenn wir uns all diese Follower, Freunde, oder wie auch immer unsere Internet-Gruppe nun heißt, wenn wir uns all diese Wesen nur einbilden?

Ich klicke hier, ich klicke da,
ich like und du schreist: Hurra!
Hurra! schallt es von mir zurück.
Ja, so einfach ist das Glück.

Gerade ist es mal wieder passiert. Infolge der Veröffentlichung der Collections 1-5 darf ich mal wieder meine Passwörter erneuern. Angeblich waren welche davon irgendwo im Netz zu sehen – zumindest theoretisch. Ich bin noch nie gehackt worden, könnte es also ruhig angehen lassen und mir sagen: Nur weil jetzt jemand mein Passwort für irgendeinen Postkartenservice im Internet kennt, muss ich ja nicht gleich alles ändern, oder?
Aber ich bin ängstlich, nicht nur, was das angeht. Ich stelle mir vor, wie ich eines Tages diese eine Mail oder diesen einen Anruf bekomme, in dem jemand mir droht: Pass auf, Kienzler, wenn du uns nicht sofort eine Riesensumme überweist, dann erzählen wir allen Leuten, dass du letztes Jahr auf Amazon ein echt geschmackloses Meditationskissen gekauft hast.
Da könnte ich echt nicht umhin, was zu tun. Ich will ja nicht, dass so was öffentlich wird. Ich verstehe zwar nicht, warum Supergangster, die angeblich alle Daten klauen können, nicht einfach von meinem Konto abbuchen, aber vielleicht sind es ja auch nur gelangweilte Schüler, die sich ein Taschengeld verdienen wollen.
Jetzt sitze ich wieder hier und sauge mir Passwortideen aus den Fingern: Was hat meine Grundschullehrerin zu mir damals im Schwimmunterricht gesagt, was mich so traumatisiert hat? Wie lauten die Anfangsbuchstaben der Worte dieses Satzes? Und wie rechne ich die jetzt in Zahlen und Sonderzeichen um?
Und deshalb bin ich dafür, Passwörter abzuschaffen. Schluss mit diesem Quatsch. Nur noch Daumenabdrücke und Gesichtserkennung. Bis mir jemand meinen Daumen und mein Gesicht klaut, oder sie im 3D-Drucker kopiert.
Vielleicht sollte man seine Konten einfach gar nicht mehr schützen. Alles offen legen. Dann sehen die Gangster vielleicht, dass sich der Hack in den meisten Fällen gar nicht lohnt.
Es gibt natürlich noch eine andere Methode. Die betreibe ich schon seit Jahren. Immer, wenn ich mich irgendwo neu anmelde, vergebe ich ein tolles neues Passwort. Und vergesse es sofort wieder. Und drücke auf den tollen Link „Passwort vergessen“.