Mein Frühstück bestand heute aus Knäckebrot. Wir hatten es in dem ganzen Trubel nicht mehr geschafft, ein Brot zu kaufen. Als kulinarische Erfahrung war es gar nicht so schlecht. Davor waren wir zu viert im Bad, was eine gewissen Geräuschkulisse und Chaos bedeutet, aber auch effizient ist.

Der Sohn zeigte seine Eigenschaften als Haushaltshilfe. Spülmaschine ausräumen und Wäsche aufhängen begeistern ihn. Ich bin gespannt, ob das den Rest seines Lebens so anhält.

Ich ging mit den Kindern auf den Spielplatz, um meiner Frau etwas Zeit zum Arbeiten zu geben. Arbeit wirkt in diesen Zeiten wie eine Art von Erholung, was sie ja nur selten ist. Auf dem Spielplatz spielte der Sohn mit Stöcken: „Dieser Stock ist ein Schnellkäfer.“ und kochte mit einem anderen Mädchen Sand auf dem Klettergerüst.

Nachmittags bekamen wir Besuch. Zwei Mädchen durften die Tochter im Arm halten, die sich sichtlich über weibliche Gesellschaft freute oder darüber, auch mal im Mittelpunkt zu stehen.

Beim Abendessen lupfte ich den Sohn in seinen Stuhl, wozu er sagte: „Du bist der Papa-Lift.“ Er war nicht lange am Tisch zu halten und spielte Lego, wobei meine Frau das Wort „Arbeiterkaste“ zu hören glaubte, was uns schon etwas verwirrte, aber vielleicht meinte er damit auch einfach seine Eltern.

Die Tochter war schnell müde und schlief ein, was sie ganz gut beherrscht. Der Sohn ist immer noch wach. Er zog alle Register, was die Schlafvermeidung anging. Ich habe Hoffnung, das er jetzt einschlafen ist, sonst muss ich diesen Text unterbrechen und auch noch mal ran. Wenn er so weiter macht, sehe ich für ihn nur eine Zukunft im Partybereich, alles andere wäre völlig gegen seinen Rhythmus.

„Es war einmal ein…“ „Feuerwehrauto!“ „Und das hieß?“ „Ha!“ So fingen die Geschichten an, die ich meinem Sohn heute Morgen und Abend erzählen durfte. Es wurden immer mehr: Die Geschichte vom Feuerwehrauto Ha, das mit seinem Freund, dem Hubschrauber Moritz den Waldbrand löscht, die Geschichte vom großen Bagger Norbert, der dem kleinen Bagger Paul beim Steine tragen hilft und die Geschichte vom Kakadu Tricky, der das Fliegen lernt.

Ich habe so eine Ahnung, was mich die nächsten Tage beschäftigen wird. Nach dem Frühstück konnte ich heute mit meinem Sohn alleine auf den Spielplatz, weil Mutter und Tochter zum Ausruhen zu Hause blieben. Mit einem Kind rauszugehen geht wesentlich schneller als mit zweien. Vor allem wenn der Sohn wie heute einem beim Stichwort „rausgehen“ von selber die richtigen Klamotten für sich hinlegt.

Auf dem Spiellatz kletterte er viel, schaute aber zuerst zehn Minuten einem Mädchen dabei zu, wie es eine Sandburg baute. Beobachten scheint gerade sein Ding zu sein. Er macht auch wichtige Entdeckungen. So fand er heute beim Ausräumen der Spülmaschine, was man nicht mehr ohne ihn machen darf, ein Tee-Ei und war hin und weg.

Auf dem Spielplatz warf er Rindenmulch die Rutsche hinunter, statt selber zu rutschen und sagte: „Das ist Reis.“ Nachmittags konnte ich zu Hause bleiben und wichtige Telefonate führen, während Mutter, Tochter und Sohn noch mal auf den Spielplatz gingen, um Freunde zu treffen.

Ich dachte ja, nach so einem Tag schliefe der Sohn im Stehen ein, aber es waren dann noch mal zehn Geschichten nötig, bis er, kurz nachdem der Gabelstapler Johnnedy von einer Katze verzaubert worden war, einschlief.

Ria erwachte. Mit einem schlürfenden Geräusch sog die kleine Elfe den Schleim wieder ein, der ihr wie üblich im Schlaf aus dem Mundwinkel gelaufen war. Die Vögel sangen und Moni, die sich gerade aus ein paar Seidendecken wurschtelte, brummelte: Gebt den Scheißviechern doch endlich mal vergiftete Meisenknödel zu essen! Jeden verkaterten Morgen derselbe Scheiß!“ Günni sagte gar nichts. Er war tot. Zumindest sah er so aus.

Ria griff wie so oft die Initiative in der kleinen Clique und gab das Vorhaben vor, das diesen leuchtenden Tag krönen sollte: „Lasst uns ne Pizza besorgen.“ „Pizza?!!!“ antworteten die beiden anderen gleichzeitig so ungläubig, als hätte man ihnen vorgeschlagen, mal eine Woche lang halb abstinent zu leben. „Ja, ich will Pizza!“

Pizza galt im Elfenland als Delikatesse, vor allem, weil es fast unmöglich war eine zu bekommen. Die größten Pizzavorkommen lagerten in der Höhle des Schreckens, die vom dreiköpfigen Hundemonster bewacht wurde.

Unter Heulen und Zähneklappern und den entschiedenen Worten Rias machten sich die drei auf den Weg. Sie konnten nicht anders. Die Lust nach Pizza hatte von ihnen Besitz ergriffen un Elfen waren ihrer Lust stets so hilflos ausgeliefert, dass jeder Hedonist sich neben ihnen wie ein Mönch mit Keuschheitsgürtel ausnahm. „Pizza!“ flüsterten sie und ihre Stimmen waren belegt vor Erregung. (mehr …)