Eine Erkältung jagt eine Erkältung.

Ich forder vom Schicksal Erkältungsvergeltung!

All das Geschleime, Geschnupfe und Husten,

wie wär’s mal statt Krankheit, das Leben zu boosten?

Die Züge entgleisen, mir droht die Verhärmung,

ich forder, statt Erd- meine Körpererwärmung!

Sag dir, bist auch du gerade Rotz-Admiral:

Zumindest geh ich so auch mal viral.

Stiehl Zeit,

hol dir den Verlust zurück aus all den Netzen der Vernetzung.

Stiehl Zeit,

sag Netflix, Facebook, Instagram: Wir haben eine Rechnung offen.

Stiehl Zeit,

betrachte Kratzer in den Bänken der Bushaltestellen,

fotografiere Wolkenwanderung,

atme den Duft der Landviehexkremente.

Stiehl Zeit,

leg einfach auf, wenn wieder Unbekannte anrufen, die dich beschenken wollen,

leg dich hin, wenn keiner damit rechnet – Wenn eine Warteschlange im Supermarkt sich hinlegt, machen sie mindestens noch eine Kasse auf.

Leg dich auf die Lauer. Jage das Lächeln unsteter Passanten.

Leg dich an mit allem, was dir Arbeit macht, oder was manche heute Arbeit nennen: Erstellen, eintragen, abrufen, abspeichern.

Leg ein Wort ein für die Pausenclowns der Straße.

Stiehl Zeit, stiehl Licht, stiehl Atemzug

und wenn du nicht gerne ein Dieb bist,

schenk Zeit ein in Becher, die zu lange trocken waren,

aber nicht in dumpfbackige Datenflüsse.

 

1. Meditieren und sich dabei vorstellen, man schwämme in einem Topf voll Schokolade.

2. Versuchen, wie lange man ohne Unterbrechung pfeifen kann.

3. Sich im Supermarkt neben den Kassenbereich setzen und einfach nur zuschauen.

4. Den Müll runterbringen – auch wenn es gar keinen gibt.

5. Zu Walgesängen tanzen.

6. Das Fenster anhauchen und dann den Mond einkreisen.

7. Seine Rauhfasertapete streicheln.

8. Die Wolken filmen.

9. Tee kochen, warten, bis er abkegühlt ist, damit die Blumen gießen, neuen Tee kochen.

10. Deutsches Fernsehen.