Morgengedicht

Der Morgen ists, wenn wir verdrängen,
wie unsre alten Wangen hängen,
wie grau die Wolken sich nun färben,
die Blätter an den Bäumen sterben.
Wenn wir erinnern: Es gab gestern
und ein Duell naht wie im Western
mit dem Tag, der nun beginnt,
an dem man selbst wie alles spinnt.
Dann wird uns selber jetzt auch klar,
dass eigentlich schon Mittag war.

Kürbissuppe 2.0

Ist dir das Leben gerade schnuppe,
koch dir eine Kürbissuppe.
Sie wärmt von innen, lässt dich dampfen,
man kann sie ohne Zähne mampfen.
Und ein Genuss, nicht zu verachten,
ist auch, den Kürbisleib zu schlachten.
Kein Tier muss dafür daran glauben,
wenn wir den Kürbis heut entlauben,
nicht jeden muss man damit quälen,
doch bei den meisten heißt es: Schälen.
Dies Schälen ist vielmehr ein Hacken,
und wenn wir dann den Kürbis backen
oder kochen und pürieren,
wird uns keiner mehr düpieren.
Und wer die Prüfung überstand
ist nun bekannt für starke Hand
Drum, weißt du nicht, was tun im Leben
lass dir so einen Brocken geben,
der dir die Hinrichtung verzeiht
und mache aus ihm Flüssigkeit.
Denn wenn dein Herz grad eher mürb is,
rettet dich der heiße Kürbis.

Shitstorm Therapie

Der Shitstorm tobt, die Welle rollt,
fast schon egal, wer welchem grollt.
Du loggst dich ein und ziehst’s dir rein,
dann denkst du: Ach, ich armes Schwein,
die andern liked man, hier nur Hater
nur weg hier, zwei Sekunden später,
schaust du noch mal, ein Hoffnungsschimmer
und dann ist es noch viel schlimmer.
Da bleibt nur eins: Realität,
das Internet ist auf Diät.
Und du kommst runter in den Garten,
wo ungelikte Pilze warten,
die in den untern Erdgefilden
ihr eignes feines Netzwerk bilden.
So haust du nach der Online-Panne
nun endlich auch wen in die Pfanne.

Poetry is back (?)

Hey Poesie, wo hast du dich versteckt?
Hab lange nicht meine Metren gecheckt.
Zu lange blieben die Blätter hier weiß,
jetzt weiß ich wies geht, doch jetzt bin ich ein Greis.
Ich laber, wird dieses Wort noch benutzt?
Möglich, dass mancher Jüngere stutzt.
Der Slang ist verbraucht und die Jacke ist out,
dafür hab ich etwas aus Pappe gebaut,
ich habe jetzt Hobbys, die kannte ich nicht.
Ich tu keinem weh, ich tu meine Pflicht.
Doch eine Sache wird niemals aussterben:
Das Reimen mit Nomen und aktiven Verben,
die Sprüche, auch wenn sie im Vorort verhallen,
ich spreche noch deutlich wenn andere lallen.
Schau wieder vorbei. Ich frage wie wär’s?
Und widme dir manchen echt unreinen Vers.

Der Panda-Bär

Liebe Kinder gebt schön acht,
dass ihr es später richtig macht,
wenn ihr ein Unternehmen steuert,
sonst werdet ihr dort schnell gefeuert.
Hört nun das folgende Gedicht,
ich hoffe, ihr vergesst es nicht:
Ein Panda-Bär saß im Büro
und spuckte schlecht gekautes Stroh.
„Zum Aufhörn taugt das ja wohl nicht!“
Er übte sich grad im Verzicht
aufs Bambus-Kauen, das er brauchte,
wie manch andrer gerne rauchte.
Die Sucht ließ ihn nicht lange warten
und hieß ihn schnell von Neuem starten
So fing er seufzend wieder an,
saß kauend bald im Bambus-Tann,
das Büro sah er nicht wieder,
dort sang man gut gelaunte Lieder.
Zwar ist der Panda schön und selten,
doch zählt in unsren Bürowelten
mehr guter Unternehmergeist
als dass man Stroh statt Bambus scheißt.