Gerade ist es mal wieder passiert. Infolge der Veröffentlichung der Collections 1-5 darf ich mal wieder meine Passwörter erneuern. Angeblich waren welche davon irgendwo im Netz zu sehen – zumindest theoretisch. Ich bin noch nie gehackt worden, könnte es also ruhig angehen lassen und mir sagen: Nur weil jetzt jemand mein Passwort für irgendeinen Postkartenservice im Internet kennt, muss ich ja nicht gleich alles ändern, oder?
Aber ich bin ängstlich, nicht nur, was das angeht. Ich stelle mir vor, wie ich eines Tages diese eine Mail oder diesen einen Anruf bekomme, in dem jemand mir droht: Pass auf, Kienzler, wenn du uns nicht sofort eine Riesensumme überweist, dann erzählen wir allen Leuten, dass du letztes Jahr auf Amazon ein echt geschmackloses Meditationskissen gekauft hast.
Da könnte ich echt nicht umhin, was zu tun. Ich will ja nicht, dass so was öffentlich wird. Ich verstehe zwar nicht, warum Supergangster, die angeblich alle Daten klauen können, nicht einfach von meinem Konto abbuchen, aber vielleicht sind es ja auch nur gelangweilte Schüler, die sich ein Taschengeld verdienen wollen.
Jetzt sitze ich wieder hier und sauge mir Passwortideen aus den Fingern: Was hat meine Grundschullehrerin zu mir damals im Schwimmunterricht gesagt, was mich so traumatisiert hat? Wie lauten die Anfangsbuchstaben der Worte dieses Satzes? Und wie rechne ich die jetzt in Zahlen und Sonderzeichen um?
Und deshalb bin ich dafür, Passwörter abzuschaffen. Schluss mit diesem Quatsch. Nur noch Daumenabdrücke und Gesichtserkennung. Bis mir jemand meinen Daumen und mein Gesicht klaut, oder sie im 3D-Drucker kopiert.
Vielleicht sollte man seine Konten einfach gar nicht mehr schützen. Alles offen legen. Dann sehen die Gangster vielleicht, dass sich der Hack in den meisten Fällen gar nicht lohnt.
Es gibt natürlich noch eine andere Methode. Die betreibe ich schon seit Jahren. Immer, wenn ich mich irgendwo neu anmelde, vergebe ich ein tolles neues Passwort. Und vergesse es sofort wieder. Und drücke auf den tollen Link „Passwort vergessen“.

Der Pausenpost: Ein kurzer Text zwischen zwei anderen Aktivitäten. Da ich wenig Zeit habe zur Zeit, schreibe ich nun kurz, was mich beschäftigt. Zum Beispiel: Haikus.
Die Zeit läuft weiter
Ich schreibe dagegen an wie
Sand im Stundenglas
Eine schöne Form. Sollte man viel öfter im Leben machen.
Statt in der Schlange stehen und sich ärgern, schreiben:
Ich stehe in der
Schlange und ärgere mich
ah, es geht weiter
Ich finde das Leben ist grundsätzlich zu arm an sinnlosen Beschäftigungen.
Während wir versuchen, möglichst sinnvoll zu existieren, aus allem viel rauszuholen, verpassen wir das Beste: Den zufälligen Blödsinn.
Ich sitze am Schreib
tisch und zähle die Silben
der Haikus, wie gut.
Selten bessere Pausen gehabt.

Der verdammte November ist vorüber. Der November, der mich echt an meine Grenzen brachte. Der November, der sagte: Ich habe mir eine Menge für dich überlegt… Es war ein guter November.
Ein November, den man in der Steppe an einer Bar trifft, der von alten Gefechten im Präriesand erzählt und einen dann mitnimmt auf ein neues Abenteuer. Und die ganze Reise über denkt man: November – auf wessen Seite stehst du? Und ganz am Ende, wenn man dann mehr tot als lebendig, aber dennoch lebendig in die Abendröte reiten darf, erkennt man: Er war die ganze Zeit auf meiner Seite.
Diesen November stellt man niemandem als Freund vor. Er ist der Typ, den man braucht, aber nicht gerne hat. Der in all seiner Härte aber ein gutes warmes Herz in sich trägt. Einer, der selber ein Pferd reitet, das alle anderen schon erschossen hätten.
Ob es wohl Leute gibt, deren November anders aussieht? Ein November, der durch den Regen tanzt? Kann ich mir nicht vorstellen. Mein November wäre zu schwer dafür. Aber vielleicht gibt es da draußen Leute, deren November sogar Drinks am Strand serviert. Den würde ich auch gerne mal treffen.
Ich denke, auf lange Sicht bleibe ich meinem November treu. Ich habe viel von ihm gelernt.

Der Morgen ists, wenn wir verdrängen,
wie unsre alten Wangen hängen,
wie grau die Wolken sich nun färben,
die Blätter an den Bäumen sterben.
Wenn wir erinnern: Es gab gestern
und ein Duell naht wie im Western
mit dem Tag, der nun beginnt,
an dem man selbst wie alles spinnt.
Dann wird uns selber jetzt auch klar,
dass eigentlich schon Mittag war.

Heute wieder passiert: Eine Studentin fragt mich nach dem Weg zum Bahnhof. Ich weiß nicht, ob das bei anderen auch so ist, aber ich werde wirklich oft nach dem Weg gefragt. Vielleicht weil ich einigermaßen harmlos aussehe.
Wenn ich dann zur Wegbeschreibung ansetze, ändert sich der Eindruck immer. Ich neige dazu, dann in eine Art atemlosen Vortrag auszubrechen, wo es jetzt lang geht, wobei ich immer rechts und links verwechsle, also jeden zweiten Halbsatz verbessern muss mit: „Und dann recht, nein links, also links, ja links, oder nein rechts!“. Außerdem beschreibe ich die örtlichen Gegebenheiten gerne genau. „Da ist so ein Spielplatz und dann kommt ein Glascontainer und dann dieses verbeulte Schild und dann muss man rechts, nein links…“
Am Ende der Beschreibung bin ich mir immer sicher, dass die Person nur noch schnell weiter will und auf jeden Fall nochmal jemand nach dem Weg fragt, weil es so konfus war. Es tut mir echt leid. Geografie und räumliche Orientierung sind einfach nicht meine Stärke. Wobei ich mich selber selten verlaufe. Ich weiß ja, wo das verbeulte Schild, der Spielplatz und der Baumstumpf sind, an denen ich vorbei muss.
Andererseits finde ich es toll, dass Menschen überhaupt noch nach dem Weg fragen, anstatt immer nur auf ihr Smartphone zu schauen. Vielleicht denken sie auch: „Ah, der sieht verrückt aus, mal schauen, was er für eine Wegbeschreibung zu bieten hat.“ Das wäre sowieso mal eine Idee: Einfach Leute nach dem Weg fragen. Wahllos. Und dann alle Beschreibungen nebeneinander legen. Man könnte seine Stadt ganz neu kennen lernen. Und die Menschheit. Und den Unterschied zwischen links und rechts.