Ändere das Passwort,

stell das Konto wieder her.

Bestätige, dass du das Passwort geändert hast.

Bestätige, dass du, der du das Passwort geändert hast, auch der bist, der das Passwort ändern darf.

Bestätige, dass du, der du das Passwort geändert hast und der bist, der es ändern darf, es auch von ganzem Herzen gewollt hast.

Ändere zur Sicherheit noch einmal das Passwort.

Hast du jetzt etwa aus Versehen das Passwort eingegeben, dass du vergeben hast, als du es gerade ändertest?

Ändere zur Sicherheit noch einmal das Passwort.

Gib den Code ein, den wir dir an dein Gehirn gesendet haben.

Nein, das andere.

Ändere deinen Namen. Er passt nicht mehr zu deinem Passwort.

Uns ist aufgefallen, dass du dein Passwort immer am gleichen Computer eingibst,

ziehe bitte um und gib es in einer anderen Stadt noch einmal ein.

Dokumentiere die Änderung deines Wohnsitzes mit einem eigenen Passwort.

Gib deinen Namen in dein Gehirn ein.

Ändere den Code, den wir dir geschickt haben so, dass er dein Passwort ergibt und schicke uns die Formel, die du zur Umrechnung erstellt hast.

Gib auf keinen Fall dein Passwort ein!

Wir haben dir nichts geschickt!

Hast du gerade versucht, dich mit einem gültigen Passwort einzuloggen?

Ändere das Passwort, nur nicht dein eigenes.

Bestätige, dass du ein Code bist.

Ändere dein Gehirn, gib deinen Namen auf, lösche das Passwort, bestätige alles.

 

Heute habe ich ein PDF erstellt. Dabei fragte ich mich: „Erstellt“? Gut, ein PDF „machen“ wäre wohl zu naiv gewesen. Also habe ich es „erstellt“. „Hergestellt“ habe ich es auch nicht, das macht ja der Computer, oder ein Programm, oder …?
Wir erstellen immer mehr Dinge: Tabellen, Konzepte, Doodles. Das Wort scheint sich eher auf Abstraktes, Ungreifbares zu beziehen. Ich stelle eine Datei nicht hin, ich stelle sie nicht ab, ich stelle sie nicht aus, ich stelle sie höchstens irgendwo ein.
„Erstellen“ – nur einen Buchstaben entfernt vom „Verstellen“, „Herstellen“, nur „Zerstellen“ gibt es noch nicht. Oft ist mit „erstellen“ eine Art Umwandlungsprozess, oder Ordnungsvorgang gemeint.
Daten werden in etwas eingefügt, das „erstellt“ wird. Wie viel schöner wäre es, wenn man sagen könnte: „Ich habe ein PDF gebaut.“ oder: „Ich habe eine Tabelle gezimmert.“ oder: „Ich habe ein Doodle gedrechselt.“ Das weist darauf hin, dass wir uns weiter vom Handwerk entfernen und immer mehr nur noch im Virtuellen tun. Bald werden wir vielleicht nichts mehr „erstellen“, sondern nur noch „ersetzen“.
Dann sagt man nur noch: „Heute habe ich einen Film ersetzt.“
Vielleicht sollte ich es nicht so pessimistisch sehen. Ich plädiere dafür, inflationär Gebrauch von alten Worten des Handwerks zu machen:
„Heute habe ich eine Notiz gehämmert.“ „Morgen hobele ich eine Akte.“ „Gestern habe ich einen Post gepflanzt.“ Das könnte unsere moderne Sprache doch bereichern. Zumindest habe ich jetzt mal wieder einen Beitrag gestrickt.

Gerade ist es mal wieder passiert. Infolge der Veröffentlichung der Collections 1-5 darf ich mal wieder meine Passwörter erneuern. Angeblich waren welche davon irgendwo im Netz zu sehen – zumindest theoretisch. Ich bin noch nie gehackt worden, könnte es also ruhig angehen lassen und mir sagen: Nur weil jetzt jemand mein Passwort für irgendeinen Postkartenservice im Internet kennt, muss ich ja nicht gleich alles ändern, oder?
Aber ich bin ängstlich, nicht nur, was das angeht. Ich stelle mir vor, wie ich eines Tages diese eine Mail oder diesen einen Anruf bekomme, in dem jemand mir droht: Pass auf, Kienzler, wenn du uns nicht sofort eine Riesensumme überweist, dann erzählen wir allen Leuten, dass du letztes Jahr auf Amazon ein echt geschmackloses Meditationskissen gekauft hast.
Da könnte ich echt nicht umhin, was zu tun. Ich will ja nicht, dass so was öffentlich wird. Ich verstehe zwar nicht, warum Supergangster, die angeblich alle Daten klauen können, nicht einfach von meinem Konto abbuchen, aber vielleicht sind es ja auch nur gelangweilte Schüler, die sich ein Taschengeld verdienen wollen.
Jetzt sitze ich wieder hier und sauge mir Passwortideen aus den Fingern: Was hat meine Grundschullehrerin zu mir damals im Schwimmunterricht gesagt, was mich so traumatisiert hat? Wie lauten die Anfangsbuchstaben der Worte dieses Satzes? Und wie rechne ich die jetzt in Zahlen und Sonderzeichen um?
Und deshalb bin ich dafür, Passwörter abzuschaffen. Schluss mit diesem Quatsch. Nur noch Daumenabdrücke und Gesichtserkennung. Bis mir jemand meinen Daumen und mein Gesicht klaut, oder sie im 3D-Drucker kopiert.
Vielleicht sollte man seine Konten einfach gar nicht mehr schützen. Alles offen legen. Dann sehen die Gangster vielleicht, dass sich der Hack in den meisten Fällen gar nicht lohnt.
Es gibt natürlich noch eine andere Methode. Die betreibe ich schon seit Jahren. Immer, wenn ich mich irgendwo neu anmelde, vergebe ich ein tolles neues Passwort. Und vergesse es sofort wieder. Und drücke auf den tollen Link „Passwort vergessen“.

Gestern Nacht schaute ich beim schreiben so auf meinem Schreibtisch herum und stellte fest: Wenn ich eines besitze, sind es Kabel. Ich habe ein Smartphone-Ladekabel, zwei Kamera-Ladekabel, mehrere Kopfhörer mit Kabeln, Boxen, die man mit einem Kabel an den Rechner anschließt, mehrere USB-Kabel, mit denen man wiederum Festplatten, MP3-Player oder so anschließen kann, außerdem diverse Kabel für Musikinstrumente und am Ende natürlich auch noch die guten alten Stromkabel.
Ich kann mich nicht an dem Moment in meinem Leben erinnern, in dem ich dachte: Wenn es eines gibt, das ich auf dieser Welt wirklich im Überfluss haben will, dann sind das Kabel! Nein, ich bekenne: Ich habe ein völlig langweiliges normales Konsumentenleben geführt. Und selbst die Geräte, die an den Kabeln hängen habe ich zu großen Teilen nur gekauft, weil man so etwas heute eben braucht.
Jetzt sitze ich hier und fummele aus dem Kabelhaufen, wobei man es eher einen Kabelwust nennen müsste, das eine Kopfhörerkabel heraus, mit dem ich am Rechner Musik hören kann. Es ist ja nicht so, als wären die Kabel universell einsetzbar, für jedes Gerät gibt es ein eigenes Kabel. Selbst wenn es sich um eigentlich universell einsetzbare USB-Kabel handelt, haben die gerne am kleineren Ende alle unterschiedliche Formen, damit man ja nicht auf die Idee kommt, die Kamera mit dem gleichen Kabel wie das Smartphone anzuschließen.
Dazu kommt noch: Kabel sind ja nicht etwa besonders ästhetische Gegenstände, sondern einfach nur abgrundtief hässlich. Meine sind fast alle schwarz, das finde ich immer noch besser als dieses Weiß, das nach drei Tagen immer aussieht, als hätte man es durch einen brackigen Tümpel gezogen. Ich habe einen Kollegen, der sich zumindest immer farbige Gitarrenkabel kauft, damit seine von Technik erfüllte Welt nicht ganz so trist ist. Mir fehlt die Zeit, ich bin damit beschäftigt, meine Kabel zu entwirren. Und ich bin zu faul, Kabelbinder zu benutzen.
Worüber beschwere ich mich? ich könnte der Technik entsagen und im Wald leben. Ich könnte alle Kabel durch bunte in Filz verpackte Kabelkunstwerke ersetzen. Ich haber bleibe ein postpostmoderner Konsument und beschwere mich lieber über den Abfall, den meine verschwenderische Existenz mit sich bringt. Da wäre es mir echt lieber, alles würde durch irgendeine Art Kraftfeld miteinander verbunden. Das würde dann wahrscheinlich Kabel in meinem Kopf wachsen lassen, aber die sind da, wie man sieht, ja ohnehin schon.

Gerade auf Spiegel Online gelesen: Microsoft hat Designer gebeten, sich neue Computerspielzeuge auszudenken. Beste Idee meiner Meinung nach: Eine Kaffetasse, mit der man im Internet surfen und Emails schreiben kann. Da wird die Kommunikation der Morgenmuffel am Frühstückstisch noch kurioser. Anstatt sich hinter einer Zeitung zu verstecken, starrt man mit offenem Mund auf eine Kaffeetasse. Ab und zu hebt man die neuesten Nachrichten dann mal hoch, um einen Schluck daraus zu nehmen. Beim anhaltenden Kaffeewahn könnte man sich auch vorstellen, gleich noch ein Handy und alles Mögliche andere in die Tasse einzubauen. Dann laufen bald nur noch Leute mit ihrer Tasse in der Hand durch die Gegend. Sollte halt auch spülmaschinenfest sein, das Ding.

Habe mir selber spontan auch noch ein paar solche Sachen ausgedacht: (mehr …)