Der Sohn verbrachte den Vormittag im Schlafanzug. Wenn man krank ist, darf man das. Sein kleiner Schnupfen ist leider über Nacht ein großer geworden. Die Lockdown-Zeit ohne Kita hat mich soweit trainiert, das relativ gelassen zu sehen.

Tochter, Sohn und ich landeten nach einem sehr trägen Vormittag bei einem Mittagessen aus Nudeln und Knäckebrot für den Sohn und Brotkante und Beeren für die Tochter. Das brachte den Sohn immerhin dazu, aus Eifersucht auch Beeren zu essen. Nur hielt es ihn nicht davon ab, vehement nach Schokokeksen zu verlangen.

Die Tochter erkannte, was ich brauchte und versuchte lachend, mich mit Brot zu füttern. Sie selber war so mit Krümeln bedeckt, dass der Sohn sagte: „Sie hat einen tollen Bart.“

Der Nachmittag wurde etwas lebhafter. Der Sohn teilte der Tochter Spielzeug zu: „Nein, das darfst du nicht haben, aber das…“ Er füllte sogar seine Legokiste mit Spielsachen für sie und sagte: „Hier, ein Geschenk für dich.“

Außerdem bestach der Sohn wieder mit stringenter Logik, als er gerade den Reißverschluss eine Sofakissenbezugs öffnete. Ich sagte: „Kannst du das bitte zu lassen?“ Er sagte: „Aber ich habs doch aufgemacht.“

Zur Krönung brachte er mir seinen Eisbären, als alles gerade wieder schön ruhig war und sagte: „Ich habe seinen Schwanz eingecremt.“ Und genau das hatte er auch getan. Den Stummelschwanz des Eisbären eingecremt. Mit Shampoo. Ich wischte ihn ab und sagte, dass so was nicht ginge. Er murmelte nur: „Ich muss doch etwas mit dem Eisbär machen…“

Pünktlich zur Heimkehr der Mutter und dem Abendessen, drehte der Sohn nochmal voll auf, raste durch die Wohnung und rief: „Ich bin eine Renn-Eule!“ Vielleicht wird er ja doch schneller wieder gesund.

„Es war einmal ein…“ „Feuerwehrauto!“ „Und das hieß?“ „Ha!“ So fingen die Geschichten an, die ich meinem Sohn heute Morgen und Abend erzählen durfte. Es wurden immer mehr: Die Geschichte vom Feuerwehrauto Ha, das mit seinem Freund, dem Hubschrauber Moritz den Waldbrand löscht, die Geschichte vom großen Bagger Norbert, der dem kleinen Bagger Paul beim Steine tragen hilft und die Geschichte vom Kakadu Tricky, der das Fliegen lernt.

Ich habe so eine Ahnung, was mich die nächsten Tage beschäftigen wird. Nach dem Frühstück konnte ich heute mit meinem Sohn alleine auf den Spielplatz, weil Mutter und Tochter zum Ausruhen zu Hause blieben. Mit einem Kind rauszugehen geht wesentlich schneller als mit zweien. Vor allem wenn der Sohn wie heute einem beim Stichwort „rausgehen“ von selber die richtigen Klamotten für sich hinlegt.

Auf dem Spiellatz kletterte er viel, schaute aber zuerst zehn Minuten einem Mädchen dabei zu, wie es eine Sandburg baute. Beobachten scheint gerade sein Ding zu sein. Er macht auch wichtige Entdeckungen. So fand er heute beim Ausräumen der Spülmaschine, was man nicht mehr ohne ihn machen darf, ein Tee-Ei und war hin und weg.

Auf dem Spielplatz warf er Rindenmulch die Rutsche hinunter, statt selber zu rutschen und sagte: „Das ist Reis.“ Nachmittags konnte ich zu Hause bleiben und wichtige Telefonate führen, während Mutter, Tochter und Sohn noch mal auf den Spielplatz gingen, um Freunde zu treffen.

Ich dachte ja, nach so einem Tag schliefe der Sohn im Stehen ein, aber es waren dann noch mal zehn Geschichten nötig, bis er, kurz nachdem der Gabelstapler Johnnedy von einer Katze verzaubert worden war, einschlief.

„Knuspermüsli! Ich will Knuspermüsli!“ schrie der Sohn unter Tränen, als hinge sein Leben davon ab. Also gaben wir ihm Knuspermüsli und schlagartig war alles wieder gut.

Nach dem Früstück erklärte er mir, welche Namen seine Autos haben: „Chok, Linan, Perlenauto und Mannschaftswagen.“ Das hob meine Laune beträchtlich und ich war bereit, fünfzig Bobo-Geschichten vorzulesen.

Die Tochter machte sich später über das Lego des Sohnes her, indem sie ein Stück nach dem anderen von der Unterlage abriss. Der Sohn quittierte es mit völligem Desinteresse. Zerstörung ist für Kinder normal.

Der Sohn selber erzählte noch eine Horrorgeschichte anhand seines Playmobil-Katalogs, der für ihn so was ist wie das Buch der Bücher: „Die Geistermonster essen dieses Gespenst auf.“ Und er fügte als Steigerung hinzu: „Und dieses Gemonster.“ John Carpenter wäre stolz gewesen.

Ich ging mit den Kindern noch auf den Spielplatz, während die Mutter zu Hause am Rechner schuften durfte. Der Sohn kann inzwischen fast überall hochklettern, was es manchmal spannend, aber auch entspannter macht, weil ich ihn nicht mehr überall hochhieven muss.

Wir trafen seinen Freund, der einen Bagger dabei hatte. Der Sohn fand den Bagger sehr gut, der Freund wollte ihn aber auch haben. Der Wutanfall war unausweichlich. Nachdem beide Kinder abwechselnd geschrien hatten, gingen wir nach Hause.

Beim Abendessen erfuhren wie, wie unser Sohn Bier nennt: „Schaumisaft“. Es gab noch ein Bad für beide Kinder, was die Tochter wieder mit freudigem Strampeln im Wasser begleitete. Der Sohn durfte seinen Schlafanzug anziehen und bemerkte dabei: „Ich habe lange Beine. Ein Vogel Strauß hat auch lange Beine.“