Ich schreibe an meiner Zulassungsarbeit zum Staatsexamen in Germanistik. Schreiben bedeutet, ich sitze vor meinem Rechner und starre auf den leeren Bildschirm. Wenn ich es nicht mehr ertrage, auf den leeren Bildschirm zu starren, starre ich in das Buch, das da auf meinem Schreibtisch liegt zischen leeren Studentenfutterpackungen und gebrauchten Teebeuteln. Ich überlege, wieder mit dem Rauchen aunzufangen, um das Bild zu vervollständigen.

Ich verfluche mich dafür, nicht schon früher mit dem Schreiben angefangen zu haben und noch mehr verfluche ich mich dafür, dass ich schon in der Zeit, in der ich hätte schreiben können, wusste, dass ich mich später für mein Nichtstun verfluchen würde. Eigentlich war ich in dieser Zeit sehr produktiv. Ich las erstmal sehr viele Bücher über mein Thema, weil ich dachte, das würde mir was für meine Arbeit bringen. Das Schreiben einer solchen Arbeit scheint ein Erkenntnisprozess zu sein, der einem vor Augen führt, welche Bücher man sich sparen könnte. Als würde man sich endlich mal trauen, auch mal diese ganzen tollen Cocktails auszuprobieren, nur um dann festzustellen, dass einem Bier eben doch besser schmeckt. (mehr …)

Einen Baum pflanzen, ein Kind zeugen, ein Haus bauen – und zwar genau in dieser Reihenfolge, denn wer in unseren modernen Zeiten einen Baum pflanzen kann, der kriegt sicher auch alles andere auf die Reihe.

Im weißen Haus anrufen und sich als der neue Präsidentenberater vorstellen. Den Job kriegt man bestimmt, müssen die jetzigen Berater auch so bekommen haben. Anders kann ich mir die meisten Aktionen dort nicht erklären.

Nicht mehr so viel jammern. Entweder richtig ausflippen oder sich still in sein Schicksal fügen.

Mal wieder das Zimmer aufräumen. Nach fünf Jahre wirds mal wieder Zeit. (mehr …)

Ich komme nach Hause. Ich gehe ins Badezimmer, um nachzuschauen, ob mein Gesicht noch im Spiegel zu sehen ist. Der Boden ist nass. Es tropft. Ich fange an, ein bisschen zu zittern. Es tropft. Ich rede mir ein, dass das Tropfen gleich wieder aufhören wird. Es tropft. Ich schaue nach, wo das unheilvolle Tropfen herkommt. Es tropft. Unten aus dem Rohr am Waschbecken.

Na ja, sage ich mir, dann tropft es halt ein bisschen, stellt man halt einen Eimer drunter. Da steht schon ein Eimer. Es tropft. Es tropft auch aus dem Eimer, denn er ist schon übergelaufen. Die alte Eimer-Nummer kann man also vergessen. Es tropft. Kein Problem, drehe ich halt das Eckventil zu, weiß doch, wie das geht, als ehemaliger Zivi-Hausmeister. Es tropft. Das Eckventil ist alt und verkalkt und eher eine Ventilatrappe, das kriegt kein Mensch mehr zu. Es tropft.
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An einem dieser Tage, an dem man oder zumindest sie einfach nichts anderes machen konnten und dies demzufolge auch immer taten, saßen Frank und Gustav in einem Café. Es handelte sich dabei nicht um irgendein Café, oh nein! Mit viel Sorgfalt hatten die beiden ein Café ausgewählt, das durch seine schlichte Einrichtung der Bezeichnung „irgendein Café“ gerechter wurde als jedes andere und somit ein ganz besonderes war.

So saßen die beiden auf ihren schlichten Caféstühlen, vor sich jeweils eine kleine Tasse Espresso, wobei sie die Bezeichnung „petit café noir“ bevorzugten und es genossen, manch unerfahrene Bedienung mit dieser Bezeichnung zu nerven, einen Espresso, dessen Farbe annähernd so schwarz war, wie die ihrer Jacketts und Rollkragenpullover. (mehr …)

Jähzorn ist schon eine schlimme Sache, kann aber auch ganz lustig sein, wenn man selbst nicht direkt davon betroffen ist. Neulich war ein Computer von Jähzorn betroffen, ein armer Uni-Rechner, der von einem der Bedienung elektronischer Geräte Unfähigen völlig zu Unrecht beleidigt wurde: „Scheißding!“ Folgendes war passiert: Unsere Unirechner haben manchmal eine kleine Macke, d. h. es bringt nichts, sich einfach mit einem Code einzuloggen, sondern man muss den Rechner einmal richtig ausmachen und wieder hochfahren. Kennt man ja eigentlich von zu Hause, aber aus irgendeinem Grund gibt es viele Menschen, die glauben, sobal sie vor einem Unirechner sitzen, müsste der doch immer funktionieren. Absurd, bei den normalen Erfahrungen mit der Uni müsste man eigentlich eher das Gegenteil annehmen und sich darüber wundern, dass überhaupt irgend etwas funktioniert, aber manche denken wohl: Oh, die große Autorität der Alma Mater liegt über uns wie der Mantel eines großen Riesenkönigs, der für alles verantwortlich ist… Ich war gerade kurz davor, dem armen Menschen zu helfen, als er dann tatsächlich anfing auf den armen Unirechner einzuhauen: „Scheißding, nichts funktioniert hier!“ Ah, da war sie die alte Erkenntnis, dass an der Uni nichts funktioniert. Ich nahm Abstand von meinem Vorhaben, dem schäumenden Kommilitonen zu helfen, schließlich ist mein Gehäuse weniger gut gegen gezielte Fausschläge geschützt, als das eines Unirechners. Schließlich zog der Zürnende unverrichteter Dinge von dannen und fluchte vor sich hin.
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