Ich schreibe das hier kurz vor dem Weg ins Bett. Zwischen den Zeilen meiner raren Stunden. Die Zeit verrinnt wie Sand und ich ringe ihr ein paar Körner ab, um sie der Welt ins Auge zu streuen, oder zumindest dem Bildschirm.
Und ich wünsche gute Träume. Gute Träume sind wichtig, sie könnten in Erfüllung gehen. Und wenn nicht, hat man wenigstens gut geschlafen. Die meisten meiner Träume waren immer so: Hä? Warum druckt der Fahrkartenautomat, der seltsamerweise auf den Gleisen steht, mein Ticket nur leer aus? Immer wieder? Ich müsste doch längst den Zug nehmen, in dem ich vorher schon war. Und warum taucht jetzt ein riesiger Hahn auf?
Ich wünsche Träume, in denen alles klappt. In denen man endlich den Sex hat, den man immer wollte und er keine Enttäuschung ist. Träume, in denen man geliebte Menschen trifft, die nicht ihre Gesichter wechseln, sondern treu mit einem durch das Schlaraffenland laufen.
Träume, in denen man zu Musical-Musik durch rosa Wolken fliegt.
Träume, in denen man auch einfach mal so einen Kaffee trinken kann, ohne dass irgendetwas besonderes passiert.
Träume, in denen man sich in eine Praline verwandelt, die man selber mit Genuss essen darf.
Träume, in denen gar nichts passiert, sondern einen nur ein endloses Glücksgefühl durchwabert.
Träume, die besser als die Realität sind und dann einfach weiter gehen.
Oder Träume, die einen erkennen lassen, dass die Welt, in der man aufwachen wird, schon immer die beste war und man das nur noch nie so gesehen hat.
Mit diesem Gefühl kann man doch schlafen gehen. Gute Nacht. Oder Guten Morgen.

Gerade ist es mal wieder passiert. Infolge der Veröffentlichung der Collections 1-5 darf ich mal wieder meine Passwörter erneuern. Angeblich waren welche davon irgendwo im Netz zu sehen – zumindest theoretisch. Ich bin noch nie gehackt worden, könnte es also ruhig angehen lassen und mir sagen: Nur weil jetzt jemand mein Passwort für irgendeinen Postkartenservice im Internet kennt, muss ich ja nicht gleich alles ändern, oder?
Aber ich bin ängstlich, nicht nur, was das angeht. Ich stelle mir vor, wie ich eines Tages diese eine Mail oder diesen einen Anruf bekomme, in dem jemand mir droht: Pass auf, Kienzler, wenn du uns nicht sofort eine Riesensumme überweist, dann erzählen wir allen Leuten, dass du letztes Jahr auf Amazon ein echt geschmackloses Meditationskissen gekauft hast.
Da könnte ich echt nicht umhin, was zu tun. Ich will ja nicht, dass so was öffentlich wird. Ich verstehe zwar nicht, warum Supergangster, die angeblich alle Daten klauen können, nicht einfach von meinem Konto abbuchen, aber vielleicht sind es ja auch nur gelangweilte Schüler, die sich ein Taschengeld verdienen wollen.
Jetzt sitze ich wieder hier und sauge mir Passwortideen aus den Fingern: Was hat meine Grundschullehrerin zu mir damals im Schwimmunterricht gesagt, was mich so traumatisiert hat? Wie lauten die Anfangsbuchstaben der Worte dieses Satzes? Und wie rechne ich die jetzt in Zahlen und Sonderzeichen um?
Und deshalb bin ich dafür, Passwörter abzuschaffen. Schluss mit diesem Quatsch. Nur noch Daumenabdrücke und Gesichtserkennung. Bis mir jemand meinen Daumen und mein Gesicht klaut, oder sie im 3D-Drucker kopiert.
Vielleicht sollte man seine Konten einfach gar nicht mehr schützen. Alles offen legen. Dann sehen die Gangster vielleicht, dass sich der Hack in den meisten Fällen gar nicht lohnt.
Es gibt natürlich noch eine andere Methode. Die betreibe ich schon seit Jahren. Immer, wenn ich mich irgendwo neu anmelde, vergebe ich ein tolles neues Passwort. Und vergesse es sofort wieder. Und drücke auf den tollen Link „Passwort vergessen“.

Ich habe mir gerade fast einen Hexenschuss geholt, als ich die Seite hier mal wieder überarbeitet habe. Wahrscheinlich sind weder mein Stuhl, noch mein Tisch, noch mein Rechner besonders geeignet, meinem Rücken gut zu tun.
Nun habe ich mich wieder an das Stehpult gestellt, das ich seit einiger Zeit mein eigen nenne. Es ist nichts besonderes, aber es erfüllt einigermaßen seinen Zweck. Was es aber nicht kann: Die Versuchung des Sitzens aufheben.
Sobald ich an diesem Ding stehe, habe ich wilde Assoziationen von Stühlen, Sesseln, Fauteuils, in denen ich wunderbar lümmeln könnte, ja ein Stuhl erscheint mir dann fast verlockender als ein Bett.
Woher nur diese Begeisterung für das Sitzen? Angeblich ist diese für uns so typische Körperhaltung ja völlig unnatürlich. Ich frage mich nur: Wenn das Sitzen unserer menschlichen Natur so zuwiderläuft, warum tun wir es dann mit solcher Konsequenz und Begeisterung? Müsste uns Sitzen dann nicht widerlich vorkommen?
Sicher könnte man sagen: Wir sind Opfer des Systems, das uns Sitzen lehrt, oder noch extremer: Opfer der Sitzverschwörung. Man will nicht, dass wir stehen, damit wir nicht auf den Gedanken kommen, auch in anderen Kontexten aufzustehen. Nur ein sitzender Konsument ist ein guter Konsument. Er wird träge und immer bereiter, sich alles reinzuziehen.
So wäre dann das Disruptivste, was man derzeit tun könnte: Aufstehen. Insofern kann ich mich trösten, dass mein Leiden am Stehpult ein wahres revolutionäres Potential hat.

Ganz schnell schreibe ich in einer Lücke zwischen den Zeiten. Ich denke an Zenon von Elea und seine Paradoxa. Wenn man die Zeit immer mehr unterteilt, vermehrt sie sich. Das ist meine These.
Gerade jetzt hätte ich wohl gar nicht geschrieben, wenn ich nicht schlicht versuchen würde, eine kleine Lücke in der Zeit zu finden, ein Fenster zwischen Mittagessen und Familienspaziergang.

Zwei Haikus dazu:

Ich habe keine
Zeit. Ich schaffe Zwischenraum.
Vakuum im All

Schon fragt die Welt nach
mir. Sie zieht mich nach draußen.
Das Drinnen kommt mit.

So, mehr Zeit ist nicht.
Aber ich persönlich finde, ich habe die zwei Minuten, die ich jetzt hatte, gut genutzt. Wenn man jede Minute sparen würde, in der man sonst sinnlose Dinge tut, wie den täglichen Coffee to go kaufen, um die Hälfte dann wieder wegzuschütten und dabei nicht zu trinken, sondern noch etwas Anderes zu tun, dann wäre man steinreich. Und das ganz ohne an Geld denken zu müssen.