Ich schaue gerade ein bisschen den Livestream der Impeachment-Anhörung in den USA. Das ist an sich schon eine lustige Erfahrung, weil man Politiker dabei sieht, wie sie sich durch komplexe Formulierungen hangeln müssen, ohne jemals ihre Meinung direkt sagen zu dürfen. Wie eine Talk Show auf Valium. Als Pause war, sah man immerhin einen der Abgeordneten Cola aus einem Pappbecher trinken und dann den Eiswürfel zerkauen.

Aber das beschäftigt mich gar nicht so sehr. Was ich interessant finde, ist eher das Phänomen des Livestreams an sich. Habt ihr schon mal einen Livestream angeschaut und erst später gemerkt, dass ihr falsch geklickt hattet und alles um eine Stunde verschoben war? Der Livestream also nicht live, sondern schon total veraltet? Mir ist das schon häufiger passiert.

Es war nicht live, aber es fühlte sich so an. Leider kann man das nicht künstlich herstellen. Sonst könnte man Fußballspiele auch eine Woche später anschauen und immer noch das Gefühl haben, voll dabei zu sein.

Ich habe noch nie ein Fußballspiel angeschaut, wenn es schon vorbei war. Nur Zusammenfassungen. So spannend sind die meisten Spiele dann doch nicht. Wie diese Anhörung im Repräsentantenhaus. Man quält sich da nur durch, wenn man keine Wahl hat, weil es live ist. Oder man glaubt, dass es live ist.

Bevor es Streaming gab, konnte Fernsehen auch viel schlechter sein. Was hätte man tun sollen? Auf eines der anderen zwei Programme umschalten? So was müsste man mal wieder herstellen. Jemand könnte uns einen Riesengefallen tun und verkünden, dass das Internet gecrasht ist. Wir könnten endlich wieder mit Genuss die schönsten Bahnstrecken Deutschlands anschauen.

 

1. Meditieren und sich dabei vorstellen, man schwämme in einem Topf voll Schokolade.

2. Versuchen, wie lange man ohne Unterbrechung pfeifen kann.

3. Sich im Supermarkt neben den Kassenbereich setzen und einfach nur zuschauen.

4. Den Müll runterbringen – auch wenn es gar keinen gibt.

5. Zu Walgesängen tanzen.

6. Das Fenster anhauchen und dann den Mond einkreisen.

7. Seine Rauhfasertapete streicheln.

8. Die Wolken filmen.

9. Tee kochen, warten, bis er abkegühlt ist, damit die Blumen gießen, neuen Tee kochen.

10. Deutsches Fernsehen.

Novemberlicht,

du zarter Silberstreif am im Fensterkreuz,

du beste Trägerin der Farbe grau.

Novemberlicht,

du kleines freches Oxymoron, ich meine: November – Licht? Wer hat sich das denn ausgedacht?

Das ist doch Betrug!

„Im November, da machen wir einfach auch mal tagsüber das Licht aus, da sehen die Leute mal, was sie an der Sonne haben.“

Novemberlicht,

du Schattenpriester, du Dunkelolm, du falscher Fuffziger, du nasser Sack!

Novemberlicht,

was müssen wir tun, um dein Gemüt aufzuhellen?

Magst du Cookies?

Ist es, weil wir so viel Kürbissuppe essen und du ausgerechnet die nicht magst?

Novemberlicht,

es tut uns wirklich leid, dass du in der Jahreszeitenschule so gemobbt wurdest.

Aber was können denn wir dafür?

Wir tasten uns um die Mittagszeit durch kaum erkennbare Straßen, nur um dann festzustellen, dass das der Hausflur ist.

Wir stoßen ständig mit Menschen zusammen, die wirklich schlechte Laune haben.

Viele Menschen verlieren ihre Arbeit, weil sie den Weg dorthin nicht finden oder gar nicht mehr aufstehen.

Novemberlicht,

bist du einsam?

Wie wärs denn, wenn du eine Beziehung mit dem Juli anfingst?

Ach so, verstehe.

Hattest du schon.

Novemberlicht,

andere Monate haben auch schöne Tage.

Ja, ok, vielleicht ist das einfach dein Style.

Du willst uns sagen: Zu Hause ist es auch schön.

Kauft euch eine Wärmelampe.

Lest ein Buch.

Novemberlicht,

mach doch mal Urlaub.

Ich trink im Andenken an dich auch noch bei 40 Grad eine schöne Tasse Tee.

Ich habe gelesen, man soll jeden Tag zehn Ideen aufschreiben, um seinen Einfallsreichtum zu trainieren.

Hier meine zehn für heute:

1. Pizza von Frisbeewerfern liefern lassen.

2. Einen Wäscheständer entwickeln, auf den man die Wäsche nur werfen muss, um sie perfekt aufzuhängen.

3. Den Klimawandel durch Erdakkupunktur lösen.

4. Eine Gebrauchsanweisung für Sofas schreiben.

5. Licht dadurch dimmen, dass man die Lampe anschreit.

6. Den Sonnenuntergang für Werbezwecke vermieten.

7. Xy mal anrufen.

8. Weiche Türen erfinden.

9. Eine Verschwörungstheorie zu Bahnübergängen entwickeln.

10. Sterne gebären.

11. 10-Punkte-Listen auf 5 Punkte reduzieren.