Die Tochter hatte heute eine Mission, die sie eisern durchzog: Mit dem Laufwagen durch die Wohnung düsen. Wie eine entschlossene Einkäuferin machte sie mit ihrem Gefährt im Flur Strecke. Das war schon mit dem Hocker so, auf den sie in letzter Zeit gerne kletterte: Wenn sie sich etwas vorgenommen hat, dann zieht sie es knallhart durch.

Das entschädigte mich etwas für den anstrengenden Morgen. Der Sohn wachte auf und drehte sofort durch. Nichts war ok, Aufstehen war schlecht, Anziehen unerträglich, alles nur begleitet von Geschrei, irgendwann stimmte die Tochter noch mit ein, Die Mutter musste zur Arbeit und ging mit mulmigem Blick. Zum Glück löste sich alles nach fünf Minuten auf. Der Sohn war außer Atem und sagte nur: „In den Kinderwagen.“ Und dann konnten wir los und ihn in die Kita befördern.

Ich hatte einen ganz netten Tag mit der Tochter. Wir machten Kita-Einkauf. Sie schlief. Ansonsten düste sie durch den Flur und ließ sich vorlesen und füttern. Nachmittags holten wir den Sohn ab. Und dann erlebte der Laufwagen eine neue Sternstunde: Die Tochter schob den Sohn damit durch den Flur. Sozusagen der nächste Schwierigkeitsgrad.

Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen, dass der Sohn die Tochter anschließend auch durch den Flur schob, mit zehnfacher Beschleunigung, was sie mit begeistertem Quietschen kommentierte. 

Die Mutter kehrte heim. Es gab schnelle Nudeln und dann hatte der Sohn ein bisschen Verdauungsprobleme und der Blick aufs Fieberthermometer offenbarte: Er bleibt morgen wieder zu Hause. Dafür kann die Tochter wohl morgen wieder in die Kita. Vielleicht melden wir einfach eins der Kinder ab und die beiden teilen sich in Zukunft einen Kita-Platz.

Wie hartnäckig ein Kind sich weigern kann, ins Bett zu gehen, ist manchmal schon beeindruckend. Der Sohn war heute wirklich gut darin. Ich musste zwei Puzzles mit ihm machen anstatt zehn, dafür die zwei zehn Mal. Immerhin darf er morgen wieder in die Kita, Die allgemeines Fitness ist wiederhergestellt.

Den Tag über hatte ich gar nicht so viel mit den Kindern zu tun. Wir hatten ein bisschen Abwechslung. Die Mutter ging noch mit den Kindern raus. Ich konnte ein bisschen entspannen und mich einstimmen auf den morgigen Tag mit der Tochter. Je länger so eine Kinderkrankheit geht, desto weniger kann man sich vorstellen, dass sie irgendwann wieder aufhört. So ähnlich wie ein Lockdown.

Die Tochter fuhr wieder fleißig mit ihrem Laufwagen, ansonsten war sie noch etwas schlapp. Der Sohn spielte Abends mit einem Luftballon, den man für ihn aufblasen musste, damit er die Luft daraus entweichen lassen konnte und dem Ding zuschauen, wie es durch die Lüfte rast. Wir fühlten uns ein bisschen wie die Luftballons. 

Ich machte noch Ofengemüse und blies zwischendurch den ein oder anderen Ballon auf. Nach dem Essen gingen die Kinder in die Badewanne. Der Sohn glänzte noch mit einer neuen Weisheit. Er sagte mir: „Wasser ist gesund fürs Atmen.“ Wer weiß? Vielleicht wäre das auch eine gute Corona-Therapie?

Es dauerte wie gesagt noch etwas, bis er schlief, aber jetzt ist Ruhe und morgen beginnt vielleicht wieder eine halbwegs normale Woche. Einfach viel Wasser trinken…

Der Sohn war voller Tatendrang nach dem Frühstück. Er war nicht davon abzubringen, den neuen Wäscheständer alleine ins Wohnzimmer zu Rollen. Das Teil ist auf jeden Fall der neue Star in der Familie. Sogar die Tochter musste unbedingt mitmachen beim Wäsche aufhängen.

Zum Mittagessen sagte der Sohn noch seine Meinung zum Thema Gerechtigkeit, als wir meinten: „Du könntest dein Ei ja mit deiner Schwester teilen…“ Seine Antwort: „Ich will alleine teilen!“ Das könnte ja glatt ein Spruch auf einem T-Shirt sein.

Wir machten unseren Ausflug zu den Großeltern aufs Land, der je eigentlich schon letzte Woche stattfinden sollte Ganz gesund waren wir zwar immer noch nicht, aber doch um einiges weniger verschleimt.

Bei den Großeltern erwartete die Tochter eine Leihgabe ihres Onkels: Ein Lauflernwagen. Erst war sie noch etwas skeptisch, aber nach fünf Minuten Eingewöhnung flitzte sie schon mit dem Ding durch die Gegend. Nur lenken geht leider noch nicht, weswegen sie sich immer beschwert, wenn sie an der nächsten Wand stecken bleibt.

Weiter ging es mit dem Opa zu den Pferden. Der Sohn setzte sich tatsächlich mal wieder auf eines der Ponys und thronte stolz über der Prärie. Die Tochter sah die Pferde gebannt an, als wären es verzauberte Wesen aus einem fernen Traum.

Zum Schluss besuchten wir die Uroma, die ebenfalls Geschenke für die Tochter hatte, die der Sohn auch super fand und nahmen anschließend unser üppiges Abendessen ein. Wir bemerkten später, wie ungewohnt es inzwischen ist, mal mit etwas mehr Menschen an einem Tisch zu sitzen.

Es gäbe noch viel zu erzählen, aber der Sohn war nach den zwei Autofahrten so ausgeruht, dass es noch lange dauerte, bis er ins Bett ging, wohin ich ihm jetzt gleich nachfolgen werde.

Heute Abend hatte ich getrocknetes Risotto im Haar. Man sollte sich immer überlegen, ob man die Tochter mit ihren Fingern an seine Haare lässt. Ich muss in diesem Look wohl auch Einkaufen gegangen sein. War wohl zum Glück nicht so sichtbar.

Der Sohn durfte heute wieder in die Kita. Er hat wohl den Tag über noch ziemlich gehustet. Angerufen hat die Kita aber nicht. Wir waren auf jeden Fall dankbar für ein bisschen Verschnaufpause.

Die Tochter war dafür noch zu Hause. Sie ließ sich eifrig vorlesen. Außerdem entdeckte sie, wozu die neuen Plastik-Magnet-Bauklötze gut sind: Zum Werfen. Sie trug ganze Stapel ab, indem sie Stein um Stein mit Verve in irgendeine Ecke pfefferte.

Später half mir die Kleine sogar noch beim Ausräumen der Spülmaschine. Sie reichte mir ungefragt eine Plastikschüssel nach der anderen. Und sie redet in einem fort. Die Laute werden immer differenzierter, aber noch versteht man nichts. Würde mich nicht wundern, wenn sie von einem Tag auf den anderen anfinge, in ganzen Sätzen zu sprechen.

Die Mutter holte den Sohn ab, nahm die Tochter mit und ich hatte noch etwas frei. Später ging ich mit besagtem Risotto im Haar noch Einkaufen. Unser Stamm-Supermarkt hat sich ausgerechnet diesen Monat zum Umbauen ausgesucht, weswegen sich jetzt die gesamte Stammkundschaft im kleineren Supermarkt zwei Straßen weiter ballt. Die Schlange ging durch das halbe Gebäude.

Ich kam heim, kochte. Die Kinder waren beide müde. Der Sohn spielte noch und sagte dabei: „Ich muss nach China reisen!“ Mal schauen, wo das Leben ihn noch so hin verschlägt. Nach dem Essen ging es auf jeden Fall erstmal schnurstracks ins Bett.

Der Plan war, den Sohn in die Kita zu bringen. War nicht der passende Plan für heute. Ein Blick aufs Thermometer zeigte, dass er wohl recht hatte, als er so was sagte wie: „Ich kann nicht in die Kita!“ Jetzt bin ich sehr müde, aber der Tag ist überstanden und er war ok.

Die Mutter war den Vormittag über auch noch da, so das ich mich mit etwas Tai Chi einstimmen konnte auf alles, was noch kommen mochte. Zuerst baute ich noch unseren neuen Wäscheständer auf, der eine Art integrierten Fön hat. Er macht zwar ein Geräusch wie ein alter Staubsauger, aber er scheint zu funktionieren Ich muss seine Existenzberechtigung nicht verteidigen. Ich hab ihn nicht bestellt.

Die Kinder waren von der Aufbauaktion auf jeden Fall begeistert. Zur Abwechslung baute ich dem Sohn mal wieder sein Plastikparkhaus auf. Er parkte seine Autos und erklärte mir ihre Namen: „Das ist das Goldammerauto, es heißt so, weil es hier Gold hat…Das hier ist Tietsch, er heißt so, weil er rot ist….“ Sicher ein ausgeklügeltes System.

Im Gegensatz zu gestern schafften wir es tatsächlich nach draußen. Unter der Bedingung, dass der Sohn sein Wimmelbuch mitnehmen durfte. Er ließ sich darin schmökernd im Kinderwagen kutschieren, während ich die Tochter umgeschnallt hatte.

Auf dem Spielplatz trafen wir den besten Freund des Sohnes und dessen Familie. Sohn und Freund kletterten über Hängebrücken und machten unverständliche Kleine-Kinder-Witze. Später setzten sich beide zum Wippen auf ein Wackeltier, wo die Tochter einen Anfall bekam, weil sie natürlich auch auf so einer wackelnden Fliege sitzen wollte. Sie kam zu ihrem Recht und wackelte überglücklich. Später durften beide Kinder noch auf die Schaukel. Es war nur etwas schwer, sie immer wieder auseinanderzuknoten.

Zurück zu Hause waren alle müde. Es gab noch Risotto. Die Tochter war fix und fertig. Der Sohn war noch fit genug, um Wäsche abzuhängen und die Handtücher so akkurat wie möglich zusammenzulegen. Dann war auch er reif fürs Bett. Und der Rest der Familie auch.