Novemberlicht,

du zarter Silberstreif am im Fensterkreuz,

du beste Trägerin der Farbe grau.

Novemberlicht,

du kleines freches Oxymoron, ich meine: November – Licht? Wer hat sich das denn ausgedacht?

Das ist doch Betrug!

„Im November, da machen wir einfach auch mal tagsüber das Licht aus, da sehen die Leute mal, was sie an der Sonne haben.“

Novemberlicht,

du Schattenpriester, du Dunkelolm, du falscher Fuffziger, du nasser Sack!

Novemberlicht,

was müssen wir tun, um dein Gemüt aufzuhellen?

Magst du Cookies?

Ist es, weil wir so viel Kürbissuppe essen und du ausgerechnet die nicht magst?

Novemberlicht,

es tut uns wirklich leid, dass du in der Jahreszeitenschule so gemobbt wurdest.

Aber was können denn wir dafür?

Wir tasten uns um die Mittagszeit durch kaum erkennbare Straßen, nur um dann festzustellen, dass das der Hausflur ist.

Wir stoßen ständig mit Menschen zusammen, die wirklich schlechte Laune haben.

Viele Menschen verlieren ihre Arbeit, weil sie den Weg dorthin nicht finden oder gar nicht mehr aufstehen.

Novemberlicht,

bist du einsam?

Wie wärs denn, wenn du eine Beziehung mit dem Juli anfingst?

Ach so, verstehe.

Hattest du schon.

Novemberlicht,

andere Monate haben auch schöne Tage.

Ja, ok, vielleicht ist das einfach dein Style.

Du willst uns sagen: Zu Hause ist es auch schön.

Kauft euch eine Wärmelampe.

Lest ein Buch.

Novemberlicht,

mach doch mal Urlaub.

Ich trink im Andenken an dich auch noch bei 40 Grad eine schöne Tasse Tee.

Ich habe gelesen, man soll jeden Tag zehn Ideen aufschreiben, um seinen Einfallsreichtum zu trainieren.

Hier meine zehn für heute:

1. Pizza von Frisbeewerfern liefern lassen.

2. Einen Wäscheständer entwickeln, auf den man die Wäsche nur werfen muss, um sie perfekt aufzuhängen.

3. Den Klimawandel durch Erdakkupunktur lösen.

4. Eine Gebrauchsanweisung für Sofas schreiben.

5. Licht dadurch dimmen, dass man die Lampe anschreit.

6. Den Sonnenuntergang für Werbezwecke vermieten.

7. Xy mal anrufen.

8. Weiche Türen erfinden.

9. Eine Verschwörungstheorie zu Bahnübergängen entwickeln.

10. Sterne gebären.

11. 10-Punkte-Listen auf 5 Punkte reduzieren.

Das ist der Rat, den ich jeder Person gebe, die mich fragt, wie man auf Ideen kommt. Nach all den Jahren kreativer Arbeit glaube ich gar nicht mehr, dass jemand Ideen hat.

Ich glaube, Ideen gewinnt man eher in einem unendlichen Auswahlprozess. Es kommt eher darauf an, so viel Material wie möglich anzuhäufen. Einen Berg von Notizen zu haben, aus dem man ein paar Zeilen ziehen kann.

Das sind dann vielleicht die sogenannten “Ideen“. Es gibt aber noch einen ganz anderen Grund, warum ich täglich schreibe: Es geschehen magische Dinge.

Keine Angst, ich drehe nicht durch, aber immer, wenn ich mich daran halte, täglich etwas zu schreiben, erledigt sich der Rest des Alltags viel leichter.

Ich kriege mehr auf die Reihe, obwohl ich mir für das Schreiben extra Zeit nehme. Und dabei spielt die Qualität der Texte keine Rolle. Manchmal scheint es mir sogar besser zu sein, einfach so ins Blaue zu schreiben.

Der gute Text, mit dem man dann mehr anfangen kann, erreicht seine Qualität durch Überarbeitung.

Täglich zu schreiben erzeugt einen Flow, der einen viel leichter noch mehr schreiben lässt. Wozu auch dieser Text hier für mich selber beiträgt.