14 Jahre Poetry Slam Tübingen

Zur Abwechslung mal wieder ein ganz normaler Veranstaltungshinweis: Am Mittwoch wird der Poetry Slam Tübingen 14 Jahre alt und das feiern wir um 20 Uhr im Schlachthaus mit großartigen Gästen. Mit dabei sind diesmal unter anderen Marius Loy aus Esslingen, Lisa-Marie Olsakiewicz und Kai Bosch aus Stuttgart und der Special Guest Yannick Steinkellner aus Bochum.


Für mich wird es ein ganz besonderer Abend, weil ich langsam rausrotiere aus dieser Slam-Geschichte. Also ich werde auch danach nicht komplett für immer weg sein, aber deutlich seltener da, mal schauen, wie sich das entwickelt…
Ich werde einen tränenreichen Text über die 14 Jahre vortragen, in dem natürlich klargestellt wird, dass schon der Titel falsch ist: Slam gibt es in Tübingen nämlich schon seit ca. 22 Jahren, nur kann man das nicht so genau sagen, weil in der Anfangszeit im Blauen Salon noch keiner Buch geführt hat und wir noch nicht dabei waren. Konnte ja keiner ahnen, dass aus so einer Studenten-Jux-Veranstaltung so ein Kulturphänomen werden würde.
Also: 20 Uhr, Schlachthaus, Schlachthausstr. 9, Tübingen. Türöffnung: 19 Uhr.

Gulasch kochen

Ich koche gerade Gulasch, oder besser gesagt: Das Gulasch kocht. Es steht auf dem Herd, während ich hier am Rechner sitze. Ich weiß noch nicht, wie es wird, aber der Geruch ist allein schon die Sache wert. Für die kulinarisch Interessierten: Ich habe dieses Rezept verwendet.
Ich liebe Gerichte, die die meiste Zeit allein auf dem Herd oder im Ofen verbringen. Man kann nebenher etwas anderes tun und außerdem hat man dann ein Essen mit Biografie. Dieses Gulasch hat eine Entwicklung durchgemacht. Es hat auch etwas Mystisches, Geheimnisvolles, weil ich ja gar nicht so genau weiß, was in dem Topf passiert, während ich ihn stehen lasse. Genau genommen, weiß ich nicht mal, ob es noch kocht, oder überhaupt noch da ist. Nach dem Motto: Esse est percipi, oder so, also: Sein ist Wahrgenommenwerden.
Ich finde, von so einem Gulasch kann man eine Menge lernen: Einfach mal rumstehen und warten, was in einem passiert. Unsere Zeit neigt ja zur Beschleunigung, zum Kurzgebratenen, das nur gelingt, wenn man genau das richtige Timing hat, das Fleisch muss sozusagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das Gulasch dagegen verlangt vor allem Geduld. Und es bringt auch gar nicht, den Vorgang beschleunigen zu wollen. Das Gulasch entzieht sich der Verknappung der Zeit.
Außerdem legt es auch keinen Wert auf Optik. Es sieht am Ende ziemlich undefiniert aus. Man kann vielleicht noch ein bisschen Petersilie drauf legen oder eine Garnitur aus Salat und Karotten daneben packen, aber das Gulasch bleibt, was es ist. Es besticht allein durch seinen Geschmack.
Ich denke ernsthaft darüber nach, einen Lebensratgeber mit dem Titel „Das Gulasch-Prinzip“ zu schreiben. Jetzt schaue ich mal, ob es noch existiert…

Schlüsselübergabe

Heute habe ich den Schlüssel zu meiner alten WG übergeben. Genau genommen habe ich ihn in das WG-Buch gelegt, weil gerade niemand da war, der so verantwortlich war, ihn versorgen zu können. Man muss dazu sagen: Ich bin seit fast zwei Monaten ausgezogen.
Heute aber war der Tag, an dem ich auch noch den letzten Müll entsorgt habe, der mir eine Ausrede ließ, um dort einfach so aufzutauchen. Ich hatte immer noch ein bisschen Zeug da, das irgendwie weg musste.
Jetzt ist es vorbei. Und seltsamerweise fühlt es sich auch jetzt erst wie ein richtiger Auszug an. Davor dachte ich zwar: Klar, ich bin ausgezogen, wohne jetzt woanders, habe ich total realisiert, aber heute fühlte es sich auch wirklich so an.
Psychologen werden jetzt sicher sagen: Ja klar, Mann, klarer Fall von Schlüsselübergabe-Moment! Hab gerade einen Aufsatz über solche Key-Overgive-Events gelesen! Ich frage mich: Was ist diese menschliche Psyche für ein komisches Teil?
Könnte ich mich vielleicht an jeden Ort der Welt binden, indem ich einfach Schlüssel für alles erwerbe? Gibt es vielleicht irre Menschen, die Schlüssel zu ganz vielen Wohnungen haben, um sich immer mit irgendeinem Ort verbunden zu fühlen?
In diesem Sinne wäre es ja echt eine super Maßnahme, wenn Läden Schlüssel an ihre Kunden vergeben würden. Vielleicht liegt der Vorteil von Online-Shopping auch genau darin, dass man einen eigenen Schlüssel, also einen Account dafür braucht.
Auf jeden Fall besorge ich mir jetzt einen Universal-Schlüssel, wenn ich mit dem die Welt aufschließe, dann kann ich überall zu Hause sein.

Dauerregensendung

Der Regen hört nicht auf. Und dabei wollte ich schon längst einkaufen gegangen sein. So sitze ich am Schreibtisch und öffne mich dem Sound der Tropfen. Schon scheint mein Innerstes sich zu verflüssigen, um den Tropfen draußen zu folgen. Ich fließe durch die Wohnung, umarme den Türrahmen und suche nach der Ritze im Sofa, die mich Fluss werden lässt.
Es sind diese Momente, in denen ich mir wünsche, eine Katze zu sein. Der scharfe Blitz meines Verstandes versucht noch, den Geist zurück ins Gatter der Vernunft zu zerren: – Nein! Du bist kein Regen! Vielleicht musst du nur aufs Klo! Nicht zu viel von Katzen reden, sonst hast du bald ganz viele…
Seine krächzende Stimme verhallt in der Watte meiner Traumwolken. Ich baue mir eine Burg aus Samt und atme die Dunkelheit ein, die selbst das künstliche Licht der Deckenlampe ansteckt. Schemenhaft winkt der Zipfel eine Rechnung durch die Schwaden meines heutigen Vergehens.
– Was laberst du! 21. Jahrhundert! Los, sofort irgendwas Ironisches über Internet sagen! Oder Fußball!
Ich tanze um die Teetasse und hülle mich in Pfefferminzdampf. Mag die anrollende Erkältung mir die Sinne betäuben wie Opium im nächtlichen Paris…
– Okay, ich gebs auf.
Aufgeben ist Aufgehen im Aufgeben eines Schreibens an den Mondaufgang.
– Aaah!
Reg dich nicht auf. Lass es regnen.

Neue Website

Hey, ich habe eine neue Website! Wie immer am Anfang des Jahres dachte ich: Man könnte ja mal wieder die Website aktualisieren. Und siehe da: Es ist getan. Ist ja auch kein Kunststück auf so einer WordPress-Seite mal das Theme zu wechseln.
Nur frage ich mich: Was bedeutet das eigentlich? Neue Website? Irgendwie ist das heutzutage ein Ereignis, obwohl sich am Inhalt der Seite ja gar nichts ändert. Es sieht hoffentlich irgendwie besser und aktueller aus. Wenn ich sehr kritisch wäre (was ich nur teilweise bin), würde ich sagen: Was ist das für eine Welt, in der man ständig eine neue Website braucht? Man sagt ja auch nicht: Hey, sorry, du hast immer noch den selben Körper wie vor zwei Jahren, dich anzuschauen, lohnt sich nicht. Wobei mir Leute einfallen, die das bestimmt ab und zu zu anderen sagen.
Der Vergleich mit dem Körper hinkt natürlich. Der Körper verändert sich tatsächlich. Nur altert er meistens und wird nicht immer aktueller. Insofern ist das mit der Homepage vielleicht so wie der Wunsch nach der ewigen Jugend.
Neue Website – neues Leben, so fühlt sich das an. Tatsächlich schaue ich auch immer bei allen möglichen Leuten, Künstlern, Ärzten, Handwerkern, Sporttrainern, auf die Homepage und gebe meistens dem den Vorzug, dessen Seite am besten aussieht. Was soll ich auch sonst machen? Von der Materie verstehe ich ja meist nichts.
Insofern ist es gar nicht so blöd, die eigene Homepage zu erneuern. Wenn die virtuelle Welt immer mehr Einfluss hat auf die Welt da draußen, die echte, oder wie auch immer man sie jetzt noch nennen soll, dann müsste jetzt auch meine reale Existenz eine spektakuläre Erneuerung erfahren. Und tatsächlich fühle ich mich schon ganz anders. Außerdem ist es gerade dunkel geworden, wenn das mal nichts mit der Website zu tun hat…

Gute Vorsätze

Zeit, meinen guten Vorsatz fürs neue Jahr einzulösen: Mehr auf dieser Seite schreiben. Lange Zeit habe ich die Seite hier nur genutzt, um Veranstaltungen etc, anzukündigen, aber früher war das hier mal ein echtes Blog. Und ich finde, es ist Zeit, das Ganze wieder aufleben zu lassen.
Nur dass ich nicht vorhabe, wieder Kategorien einzuführen wie „Dialoge mit Außerirdischen“ auch wenn das durchaus seinen Reiz hätte. Ich dachte, neben dem wirklich geheimen Tagebuch, das gerade in Papierform vor mir auf meinem Schreibtisch liegt, könnte ich ja auch ein offizielles hier führen. Keine Ahnung, ob das jemand interessiert, aber seien wir ehrlich: Das Internet ist voll von potenziell uninteressanten Dingen auf eins mehr oder weniger kommt es da auch nicht an.
Die Zeit zwischen den Jahren verbringe ich immer damit, neue Projekte zu erdenken, die ich dann wieder verwerfen kann. Wie zum Beispiel einen Jugendroman über Philosophie. Ich habe mir ein paar Hauptfiguren ausgedacht. Dann hatte ich doch wieder mehr Lust, Vierzeiler zu schreiben. Ich weiß nicht, ob das an den Figuren lag oder daran, dass die Vierzeiler viel lustiger waren, als die Gedanken von Philosophen in der Pubertät, vielleicht auch einfach am Arbeitsaufwand…
In einem Dialog mit Außerirdischen hätte das sicher so ausgesehen:
– Warum schreibt ihr Romane?
– Na ja, es ist toll, so was zu lesen.
– Ja, aber dank der Technik wäre es doch problemlos möglich irgendeinen Dostojewski-Roman zu nehmen, ein Sprachprogramm die Namen, den Stil, den Schauplatz und die Handlung austauschen zu lassen und schon hätte man tausende neue Romane, die die selbe Qualität hätten, nur dass „Schuld und Sühne“ dann nicht mehr die Geschichte eines Mörders mit Gewissensbissen wäre, sondern die Geschichte eines Cowboys mit Asthma.
– Hmm, ja schon, aber der Roma wäre dann von einem Programm geschrieben, beziehungsweise einer Ableitung von Dostojewski.
– Na und?
– Es gäbe keinen Personenkult um den Autor, niemand könnte sich selber freuen, dass er dieses Buch geschrieben hat, niemand ihn fragen, wie er auf die Idee für das Buch gekommen ist…
– Ok, das bedeutet, wenn wir ein solches Programm schon hätten, bräuchten wir noch einen Autor, den wir hypnotisieren, bis er sich einbildet das Buch geschrieben zu haben, dann könnte das Ganze funktionieren.
– Ja, das stimmt.
– Dann bräuchten wir nur noch einen Autor.
– Ich wäre verfügbar.
Soweit meine Gedanken Nachts um kurz nach eins. Ein guter Anfang für ein neues Jahr.