Der Baum aus der Unterwelt

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Dieser Baum begegnete mir vor ein paar Tagen auf dem Heimweg. Er hat die Stadt betreten, um endlich reinen Tisch zu machen. Nun erwartet er neben dem Anwohner-Parkplatz-Schild das entscheidende Duell…
Die Häuser um ihn her kauern im Schatten seiner Macht. Die Tiefe, aus der er sich emporschwang, beherbergt sicher noch Dunkleres als ihn.
Ja, dieser Baum war mir wie der Einbruch des Wahnsinns in die Ordnung der Stadt. Das Leben, das in seiner Urgewalt alles Kleingeistige überwältigt. Ein Ding, das sich in keine Form pressen lässt, dessen Verzweigungen Anfang und Ende nur erahnen lassen, ein Etwas, das sich nicht begrenzen lässt.
Nur weiß ich auch: Dieser Baum ist in unserer Welt kein Protagonist. Er fristet das Dasein eines Abgehängten, dem man gerade noch sein Fleckchen Erde gönnt.
Während unsere Häuser uns alles sind, ist der Baum uns nichts. Wir sehen unser Leben grau werden im Mauerwerk.
Der irre Baum könnte die Rettung sein. Das, was sich der reinen Funktionalität entzieht. Was vielleicht nicht einmal nützlich ist, sondern schaurig schön. Das Lied der Regentropfen könnte der Ruf zum Abenteuer sein.
Also, mein Rat, bevor ich vollends dem Pathos verfalle: Guckt mal Bäume an, das hilft.

Der Gleitschirm

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Als ich heute morgen aus dem Fenster schaute, offenbarte sich mir der Anblick eines Gleitschirms. Oder vielmehr eines Gleitschirmfliegers. Wobei man von ferne natürlich nicht weiß, ob der Gleitschirm auch wirklich bemannt ist, er könnte ja auch ferngesteuert sein, mit einer Gleitschirmdrohne zum Beispiel.
Der Gleitschirm durchmisst die Weite der Luftströmungen, die Viefalt der Atmosphäre und tut nichts, als sich ihren Auftrieb zunutze zu machen. Ein bescheidenes Konzept der Fortbewegung, verglichen mit all den Fliegern, die einen Verbrennungsmotor benötigen.
Vielleicht sollte man so leben: Sich auf die Luftsrömung des Schicksals verlassen und gleiten. Nur muss man damit leben, dass es immer unmerklich ein bisschen tiefer geht.
Bei all der Versunkenheit in dieses Bild der Ruhem fiel mir aber auch ein, wie es sich wohl anfühlen muss, das Ding zu steuern. Wenn ich da oben säße, oder hinge, wäre ich ein von Adrenalin überschwemmtes Nervenbündel. Von anmutigem Gleiten könnte da keine Rede sein.
Und genau so könnte es sich wiederum mit meinem Dasein verhalten: Während ich mich in Panik verliere, wirkt es von außen, als gleite ich anmutig durch Wattewölkchen.

Der Baumstamm mit dem Katzenauge

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Dieses Bild habe ich vor ein paar Monaten gemacht und jetzt sprang es mir gerade aus meinem Mobiltelefon heraus ins Auge der Erinnerung. Das Katzenauge weist dezent auf das Ende des Baumstamms hin, wahrscheinlich, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Der moderne Mensch braucht solche Hinweise. Ist es doch alles andere als normal, Baumstämme im öffentlichen Raum anzutreffen.
Baumstämme dürfen zur Zier Fußgängerzonen mit ihrem Erscheinen bereichern. Treten sie anders auf, sorgen sie schnell für Irritation. Man nehme einmal an, so ein Baumstamm beträte auf einmal eine Bäckerei. Der Baumstamm könnte ja gar nicht am normalen Betrieb der Bäckerei teilnehmen. Er wäre außerstande, ein paar Brötchen zu bestellen. Mit etwas Phantasie könnte man sein erscheinen noch interpretieren als den Konsum von Sauerstoff mit Brötchengeruch.
Auch das wäre natürlich allerhand, bzw. aller-Ast. Der Brötchenduft ist ja quasi umsonst. Wenn jetzt aber so ein Baumstamm sich jetzt aber in einer Bäckerei breitmacht, muss er dann nicht zumindest ein bisschen Platzmiete abdrücken? Muss er nicht. Der Baumstamm ist als Baumstamm ja immer ästhetisch. Gibt es einen Zusammenhang, in dem ein Baumstamm hässlich anzusehen wäre? Vielleicht, wenn er sich als Fabrikschlot verkleidet, oder wenn er eine zerrupfte Perücke trägt. Wahrscheinlich wäre auch das eher erheiternd.
Ich finde, dieser Baumstamm sieht auch ein bisschen aus wie die Schnauze eines Nilpferds. Das Katzenauge wäre dann das Nasenloch. Dann ergäbe das Katzenauge auch Sinn. Schließlich ist ein Nilpferd ja noch außergewöhnlicher im öffentlichen Raum als ein Baumstamm.

Warum überhaupt schreiben?

Warum überhaupt schreiben? Diese Frage stelle ich mir oft. Ich schreibe eigene Texte seit den bewegten Tagen meiner Jugend. Das sagt wohl so ziemlich jeder, der schreibt. Glaubt man gewissen Philosophen, besteht die Welt sogar in erster Linie aus „Geschriebenem“. Erst das Fixieren in einer Art von Schrift erzeugt demnach etwas, das wir Wirklichkeit nennen können. Man kann sich darüber streiten, ob das stimmt. Es gibt aber einen Hinweis darauf, welche Funktion das Schreiben für uns haben kann.
Das Schreiben hilft dabei, sich seine Welt zu konstruieren und gleichzeitig wird mir durch mein Schreiben erst sichtbar, wie ich meine Welt konstruiere. Das Schreiben zwingt mich, meine Gedanken in einer Reihenfolge zu bringen. Erst hier wird aus den Assoziationen eine Spur, der man folgen kann.
Nur warum tue ich das? Woher dieses Bedürfnis, sich immer wieder des eigenen Denkens zu versichern? Das hat ein Dozent uns schon am Anfang meines Philosophie-Studiums gefragt. Eine simple Antwort wäre vielleicht: Weil ich es kann. Andere machen vielleicht lieber ständig Fotos von sich, weil sie das können. Das ist eine andere Art, sich selbst zu reflektieren.
Die zweite Antwort wäre: Weil ich es nicht kann. Vielleicht sind Andere sich ihrer Sprache derart sicher, dass sie sich nicht weiter mit ihr beschäftigen müssen. Aber was heißt hier Andere? Alle schreiben ja irgendwie.
Schreiben, wie ich es begreife, ist ja eher kreatives Schreiben, ein Schreiben, das Mitteilung macht von den Geschichten, die ich mir ausdenke, von dem speziellen Blickwinkel auf die Welt, dessen Farbe ich für wertvoll halte.
Das mag narzisstisch sein. Doch wie sagte jemand mal so schön: You got to get in to get out. Dem Narzissmus entrinnt man vielleicht nur, wenn man sein Schreiben eben nicht für sich behält, wenn man den Spiegel, in dem man sich sieht, öffentlich macht.
Das Schreiben ist mein Anker in der Welt, auch wenn es oft den Anschein macht, als sei ein Schreibender der Welt abgewandt. Ich glaube, durch das Schreiben gewinnt man eine Welt. Und vielleicht bleibt man damit nicht allein.

Kunst und Geld I

„Ich muss ja auch davon leben!“ Diesen Satz sagen wir Künstler allzu gerne, wenn wir unsere Gagenforderungen begründen. Und es stecken einige traurige Wahrheiten in diesem Satz. Zum einen: Man muss von seiner Kunst leben. Muss man das? Kafka hat nicht von seiner Kunst gelebt. Das Geld, das er mit Büchern verdient hat, war nicht der Rede wert. Das Meiste wurde wohl nach seinem Tod erwirtschaftet. Dennoch hat wohl kaum ein Künstler so von der Kunst gelebt wie Kafka. Seine Nächte waren erfüllt vom atemlosen Schreibmarathon des Besessenen. Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er damit aufgehört hätte.
Nur lebte Kafka in einer Zeit, in der man gar nicht unbedingt erwartet hat, dass ein Künstler von seiner Kunst lebt. So kommt es mir zumindest vor. Heutzutage hat man doch das Gefühl, wenn jemand sich Künstler nennen will, dann muss er oder sie auch davon leben können. Nicht ganz unlogisch. Man sagt ja auch nicht: Ich bin Schreiner! Und arbeitet in Wirklichkeit bei der Post.
Andererseits ist doch der Anspruch von Kunst, auszubrechen aus dem Zwang des Marktes. Warum muss mit etwas Geld verdient werden, das doch ein kleines Universum für sich selber sein soll, Ausdruck des Absoluten in Miniatur? So kommt es auch, dasss man mit seiner Kunst auch nicht allzu beliebig Geld verdienen darf. Wenn man Werbe-Spots dreht, darf man höchstens Schauspieler sein. Unvorstellbar, dass Gerhard Richter das neue Logo von H & M malt, um einfach Geld zu verdienen. Dabei wäre das vielleicht sogar ganz nett. Würde sicher interessant aussehen.
Man muss aber auch von seiner Kunst leben, weil man ja Kunst macht und nebenher nur schwer etwas Anderes machen kann. Es sei denn, man ist Kafka, aber der ist auch jung gestorben. Oder man beschränkt seine Kunst auf einen gewissen Zeitraum. Das wiederum gilt aber vielen dann nur als Hobby, was man gemeinhin auch als minderwertig ansieht.
So macht man dann eben doch Kunst, die Geld verdienen soll. Nur eben nicht gleich für H & M, sondern für kleinere unbekannte Unternehmen, wo es keiner mitbekommt. Oder man versucht einfach direkt, seine Kunst zu verkaufen. Nur wird sie dann zum Produkt und muss die gerade herrschenden Gesetze des Marktes erfüllen. Da macht man dann auch gerne Dinge mit seiner Kunst, die man selber gar nicht mehr gut findet, die aber Absatz garantiert.
Andererseits: Warum darf die Kunst nicht einfach schnöde kapitalistisch und kulturindustriell sein, um als wahre Kunst zu gelten? Sind die Erfinders der Bitcoins nicht auch irgendwie Künstler? Vielleicht mehr als Andere? Schließlich geht es bei ihnen nur noch um Geld. Das ist doch auch eine Art von Performance.
Ich weiß nicht. In mir schlummert trotz allem immer die Sehnsucht, Ausdruckstanz mit Rindenpercussion zu inszenieren. Oder mal ein Stück aufführen, bei dem niemand zuschauen darf. Und dann dafür extrem subventioniert werden. Ich verwickle mich in Widersprüche… Für die Kunst ist das sicher ein gutes Zeichen…
To be continued…