Hände waschen war heute so ein Thema. Ist es immer. Mein Sohn will selten Hände waschen und wenn dann nur, um das Waschbecken komplett unter Wasser zu setzen. Heute morgen hat er im Wohnzimmer Hände waschen. „Können wir jetzt bitte Hände waschen gehen?“ „Ja, mach ich doch Papa. Hier ist das Waschbecken.“ sagte er und wusch seine Hände in der Luft über dem Teppich. Da kann man natürlich wenig gegen sagen, wenn man selber so was oft auf der Bühne macht.

Außerdem scheint sich der Kleine Sorgen um meinen Appetit zu machen. Ich werde den ganzen Tag gefüttert. Alle zwei Minuten kommt er vorbei, hält mir die leere Hand hin und sagt Dinge wie: „Hier, Karotten…Da hast du ein Brot…“ Heute gab es sogar ein kleines Fest. Da musste ich vor einem kleinen Eimerchen sitzen und ein Nudelholz abkauen, das „Straciella“ war. Also Straciatella-Eis.

Später, ich bin gerade im Bad, höre ich eine Sirene. Als ich die Badtür öffne, verstehe ich: Meine Frau hat das Playmobil-Feuerwehrauto mit Batterien versorgt. Zum Glück steigt mein Sohn nicht so sehr darauf ein. Er kann seine Schwester problemlos zur Sirene machen, indem er ihr einen Bauklotz an den Kopf wirft. Seine Zuneigung ihr gegenüber drückt er gerne mal etwas gröber aus. Sie quietscht aber meistens vor Vergnügen.

Die Kleine baut ihren Jagdinstinkt weiter aus. Egal, was man ihr gibt – Kuli, Heuschnupfenmedikamentverpackung – Ladekabel – Armbanduhr – alles wird zielsicher geschnappt, durchgekaut und dann demonstrativ fallen gelassen.

Zur Entspannung der Mutter mit vollem Schreibtisch waren wir noch länger spazieren. Wir haben das nächstgelegene Gewächshaus inspiziert. Die Spielplatznot macht erfinderisch. Nach einem längeren Gang am so bezeichneten „Sumpf“ entlang, also dem Straßengraben und dem schönen Reim „Ach du Schreck, der Dreck ist weg.“ kamen wir wieder beim Schwärzlocher Hof vorbei.

Unser Ziel waren die Kühe. Immer wieder schön Kindern dabei zuzusehen, wie sie versuchen, Kühe mit Stroh zu füttern. Der Hinweis „Das fressen die Kühe nicht.“ bringt wenig. Der Sohn wirft Stroh hinter den Zaun , die Kuh guckt komisch. So kann man schon mal eine halbe Stunde verbringen. Dann fuhr der Bauer vorbei und die Kühe begrüßten ihn mit sonorem Muhen im Chor. Mein Sohn hat sich selten so hilfesuchend an meinem Hosenbein festgehalten. Ich war stolz, im Angesicht der brüllenden Kühe sein Retter in der Not zu sein. So hatten wir auch einen Grund, den Heimweg anzutreten.

Ein paar Schritte weiter trafen wir einen alten Bekannten dessen WG wegen eines Corona-Falls in Quarantäne ist. So schnell hatte uns die Realität wieder eingeholt. Was Quarantäne genau bedeutet, scheint nach wie vor nicht so genau definiert zu sein.

Zu Hause nach dem Abendessen hatten wir noch diesen schönen Dialog: „Gehen wir jetzt Hände waschen?“ „Ja! Gerne!“ Da dachte ich, es wird jetzt wirklich Zeit ins Bett zu gehen.

„Ah…Ah…Ah..Ah..!“ Unser Sohn stößt rhythmische Schreie aus. Ich frage mich, was das soll. Meine Frau bemerkt trocken: „Ah, das Geräusch eines rückwärts fahrenden Lasters.“ Wenn man weiß woher es kommt, ist das Verhalten den Kindes gar nicht so rätselhaft. Ich verstehe nur nicht, warum Kinder so selten das Geräusch des Windes oder Meeresrauschen nachmachen. Vielleicht müssten wir uns so was mal besorgen.

A propos besorgt – Wir hatten diesen schönen Besuch, als meine Frau mit den Kindern vom Spaziergang zurück kam:

„Sie haben geliefert.“

„Ah gut.“

„Ich habe es am üblichen Ort abgelegt.“

„Wir schauen dann, wann wir ihm das erste geben.“

Die Intelligenz der Kleinen zwingt einen manchmal im Jargon von Drogendealern zu kommunizieren. Übersetzt heißt das Ganze:

„Die Buchhandlung hat die Puzzles geliefert.“

„Das ist ja schön!“

„Ich habe sie auf den Schrank zu den anderen neuen Spielsachen gelegt.“

„Wir geben ihm das erste am besten gleich jetzt.“

Wenn wir das gesagt hätten, wäre unser Versteck nicht mehr sicher gewesen.

Beim Kaffee haben wir noch darüber geredet, ob wir an Ostern nicht doch ein paar Verwandte treffen könnten. Nach der nächsten Pressekonferenz der Kanzlerin hatte sich das dann erledigt. So schnell geht das in diesen Tagen. Kann mich nicht erinnern, dass Politik mal so einen direkten Einfluss auf mein Leben hatte. Außer wenn das Kultusministerium in besonders heißen Sommern früher Hitzefrei verordnet hat.

Beim Vorlesen der Kinderbücher schweife ich in Gedanken immer mehr ab. Oft weiß ich schon gar nicht mehr, ob ich die Seite gerade schon gelesen habe oder nicht. Beim Vorlesen von Petterson und Findus heute habe ich mir neue Geschichten für die beiden ausgedacht: „Petterson und Findus bei der Mafia“ – Der Kater Findus muss als Drogenkurier arbeiten, so lange ein Kartell Erfinder Petterson in einem Keller gefangen hält, wo er für sie neue Drogen herstellen muss – „Petterson und Findus und die Zombie-Apokalypse“ – Petterson bastelt einen Rückverwandlungsautomaten, während der schon mutierte Findus die Hühner abschlachtet – Petterson und Findus im Bundestag“ – Petterson ist bei der SPD und Findus bei den Grünen, beide verständigen sich auf ihre Position zur Agrarreform…

So was geht mir beim Vorlesen durch den Kopf. Irgendwo und irgendwann muss man sich ja auch mit halbwegs erwachsenen Themen befassen. Ich sehne mich sehr danach, solchen Quatsch wieder auf der Bühne zu machen.

Heute wäre ich fast auf einen Betrug hereingefallen. Ich hatte was im Internet bestellt. Neue Puzzles. Aber ganz brav bei der Buchhandlung um die Ecke. Gleichzeitig mit der Versandbestätigung kam eine komische Mail, in der stand, das ich noch zwei Euro Versandkosten schicken müsste. Ich hätte fast auf den Button gedrückt. Dann ging mir auf, dass das Layout doch ein bisschen komisch aussieht. Aber irgendwann kriegen sie mich. Diese Kriminellen machen wahrscheinlich gerade auch Teamsitzungen auf Zoom oder so und hecken neue Maschen aus.

Neue Maschen gab es heute sonst nicht so viel. Wir schlafen alle immer länger und ich habe mich seit zwei Tagen nicht rasiert. Zwei Tage sind lang für mich. Wir waren einkaufen. Mein Sohn und ich. Es war sehr langweilig. Ich musste wieder erklären, dass der Spielplatz abgesperrt ist. Zum Glück hängt da dieses rot-weiße Absperrband.

Allerdings ist das etwas verwirrend. An der Spielecke im Hof bei uns hängt nämlich auch so ein Band. Das hat aber keine Bedeutung mehr, weil man jetzt ja doch auf Kleinspielplätzen in Hinterhöfen spielen darf. Nur das Band hängt da noch. Inzwischen krabbeln wir immer unter dem Band durch, was natürlich das Argument schwächt, dass Spielplätze abgesperrt sind, weil da so ein Band hängt.

Beim Einkaufen wieder unterschiedlich strenge Hygiene-Maßnahmen je nach Geschäft. Klopapier gibt es immer noch nicht. Der Markt versucht es auszugleichen, indem er ganz viele Küchernrollenpakete neben das Klopapierregal packt. Beim Bioladen stand jetzt auch jemand am Eingang und hat die Leute draußen warten lassen, damit nicht zu viele gleichzeitig im Markt sind. Inzischen tragen auch alle Handschuhe.

Nach dem Einkaufen hatte ich wieder Gesangsunterricht. Ging viel ums Atmen. Atmen kann ich, sagt mein Gesangslehrer. Nur mit dem Singen hapert es noch etwas. Ich darf mich jetzt immer aufnehmen beim Singen, weil es mit Singen und Begleitung über Skype nicht so klappt. Ich darf mir jetzt also immer Aufnahmen von mir selber anhören. Früher war das so die Geheimwaffe meines Gesangslehrers, um einen von dem ein oder anderen narzisstischen Trip wieder runterzuholen. Wenn man meinte, ganz toll singen zu können, hat er das einfach aufgenommen und einem vorgespielt. Da hat habe ich gleich immer wieder fleißig angefangen zu üben. Jetzt ist jede Gesangsstunde so.

Zur Entspannung habe ich in der leeren Wohnung sauber gemacht. Der Rest der Familie war auf dem Bauernhof. Zu Kühen gibt es ja noch keine Kontaktsperre. Als alle wieder da waren, habe ich noch den Grießbrei der Erwachsenen gekocht: Risotto.

Wow, war das ein entspannter Tag! Verglichen mit vielen anderen in letzter Zeit war es echt ok. Ich hatte wieder alleine die Kinder, aber irgendwie haben wir uns wohl alle miteinander abgefunden. Es hilft natürlich, wenn der Sohn zum Frühstück Pfannkuchen essen darf.

Als dann doch mal schlechte Laune aufkam, habe ich den Joker gezogen, den meine Frau mir vorbereitet hat. Ich liebe sie seitdem noch mehr, als ich es eh schon tue. Sie hat mein Leben gerettet mit: Neuem Lego. Es war zwar nur fünf Minuten interessant, aber diese fünf Minuten waren wirklich wichtig.

Zwischendurch ist mir auch eingefallen, woran mich die Schrei meiner Tochter erinnern, die sie zwischendurch aus Spaß immer ausstößt: An die Raptoren in ‚Jurassic Park‘. Sie hat auch so eine Dynamik wie diese schnellen Jäger, die ihre Opfer in Windeseile erlegen und verspeisen können. Ich denke, vor ihr liegt eine steile Karriere.

Zu guter Letzt haben wir noch einen Ausflug mit dem Dreirad gemacht, wobei das Dreirad am Kinderwagen hing, weil es dann doch nicht gebraucht wurde. Außer um gegen meine Kniescheiben zu schlagen. Dafür waren wir dann noch ausgiebig Dreirad fahren bei uns in der Einfahrt, nachdem wir den Kinderwagen abgestellt hatten. Die Einfahrt hat so eine schöne Schräge, wenn man den Sohn da oft genug hochlaufen lässt, schläft er Abends super ein. Außerdem guckt er beim Runterfahren immer so ein bisschen, als würde ihm gleich schlecht, aber er will immer sofort wieder fahren. Ich sehe mich schon in diversen Achterbahnen mit ihm.

Das Einzige was fehlt, wonach ich giere wie nach einer Droge ist Intellekt. Ist Kultur. Und da hilft es wenig, dass alle gerade immer Links verschicken zu Streams von Theatern in diversen Mediatheken. Ich habe einfach keine Zeit, mir das anzuschauen. Ich habe eine Lösung: Ich drucke mir jetzt einfach Buchseiten aus, die ich an die Wände hängen kann. Dann werfe ich zwischendurch einfach immer mal wieder einen Blick auf ein bisschen Kafka. Das passt doch auch gut zur Situation.

Verrückter Morgen. Der Sohn will nur eine Milch trinken, was ich ja gut finde und ist dann erstmal aktiv. Bis ziemlich genau nach unserem Frühstück. Es ist aber auch unterhaltsam ihm zuzuhören, wenn er mit zwei Metallklammern in der Hand zwei Hexen spielt, die sich gegenseitig anschreien.

Anschreien hat er auch seiner kleinen Schwester beigebracht. Er ist der Überzeugung, es wäre das Größte für sie, wenn er sehr laut „Kikeriki!“ ruft. Er könnte recht haben. Zumindest lacht die Kleine sich immer kaputt, während uns das Trommelfell platzt. Die Kleine macht sowieso sehr gerne Geräusche. Sie quietscht immer lauter und hat auch so eine Art Geheul entwickelt, das kein echtes Weinen ist, aber trotzdem schlechte Laune ausdrücken soll. Seit sie mir bei meinen Gesangsübungen zugehört hat, ist es noch schlimmer geworden. Ich sehe sie schon als Sängerin einer Death-Metal-Band.

Nachmittags dann ein lustiges Spiel. Mein Sohn und ich schieben Karten unter der Tischstütze durch. Ich habe mir das Spiel nicht ausgedacht. Es ist sehr wichtig, dass jede Karte einzeln unter der Tischstütze durchgeschoben wird, bis man den Vorgang von der anderen Seite wiederholen kann. Mein Sohn kommentiert es mit Gemurmel wie: „Ja, das gehört dahin, das ist der Schalter, hier muss der Bauer hin…“ Ich frage ihn also: „Und was machen wir hier genau?“ und erwarte eine Antwort wie: „Wir tauschen Bodenproben auf der internationalen Raumstation aus.“ Mein Sohn sagt: „Wir schieben Karten da durch.“

Abends gibt es Pfannkuchen. Damit kann man doch allen immer eine Freude machen. Mein Sohn findet die Pfannkuchen auch super. Wenn man Zimt und Zucker drauf macht, kann man den super wieder davon ablecken. Ein Tag voller Entdeckungen also.

Und ich bin endlich mal wieder aufgetreten. Bei der Reimpatrouille Corona. Schön war’s. Kann man sich immer noch anschauen.