„Meine Schwester ist ein Kreisel!“ sagte der Sohn. Ich fragte: „Und was bist du?“ „Ich bin der Stoßdämpfer!“ Ansonsten war der Tag von Krankheit geprägt. Zwei kleine Rotznasen litten an meiner Seite so durch den Tag.

Bisher bin ich der einzige in der Familie, der von diesem üblen Schnupfen verschont geblieben ist. Ich hoffe, ich bin immun und es läuft nicht wie bei allen anderen Kinderkrankheiten bisher, bei denen ich dachte: Ha! Ich bekomme es nicht! Ich bin bestimmt immun! Und eine Woche später lag ich dann flach.

Wir überbrückten den Vormittag mit Leo-Lastwagen-Filmen für den Sohn und Milch für die Tochter. Der Sohn war so krank, dass er seinen Schlafsack auch zum Spielen anbehielt.

Mehrere Stunden waren ein einziges schwarzes Loch der Müdigkeit und schlechten Laune. Aber dann! Packte der der Sohn den Flummi aus. Wir lieferten uns eine wilde Ballspielpartie im Flur und die Tochter hüpfte dazu im Tragetuch, als wäre sie der Flummi.

Die gute Laune kam wie aus dem Nichts und so ging es weiter. Der Sohn packte meine Gitarren nacheinander aus, ließ mich zwei Töne spielen und packte sie wieder ein. Weiß nicht, ob es an den Tönen lag oder ob es dabei mehr ums Auspacken geht.

Danach spielten wir noch Einkaufen. Und dann gingen wir einkaufen. Der Sohn schlief beim ersten Kontakt mit Frischluft in seinem Wagen ein. Zurück vom Einkaufen erwachte er wieder und war natürlich enttäuscht, dass er den spektakulären Ausflug zum Rewe verpasst hatte.

Dafür durfte er mit einem alten Netbook-Kabel spielen und sogar seinen Ball in mein Regal werfen. Kurze Zeit später kam die Mutter und ich durfte endlich mal wieder ins Tai Chi entschwinden, was mich sehr entspannte. Auch wenn wir im Park gerade immer neben einer Gruppe Fußballer üben. Aber was sind schon schreiende Fußballer gegen zwei kranke Kinder…

Heute war ich mit zwei kranken Kindern zu Hause. Habe abwechselnd Nasen geputzt. Immerhin kam ich dazu, meine Rückenübungen zu machen. Ich musste nur währenddessen ein Puzzle machen. In der richtigen Position ist das gar kein Problem.

Der Sohn brachte mir immer wieder Bauwerke aus Lego und fragte mich: „Was ist das?“ Mit der Zeit fand ich heraus, dass es völlig ausreichend ist, wenn man einfach immer sagt: „Ah, ein Schiff!“

Später spielten wir auf dem Matratzenlager im Kinderzimmer. Es machte rumpelpumpel und dann war die Tochter aus dem Bett gekullert. Sie lachte. So lange der Bruder ihr keinen Tennisball aufs Auge wirft wie neulich, kann sie über alles lachen.

Während der Sohn Abends Zähne putzte, hatte ich noch eine Unterhaltung mit ihr. Ich glaube, es ging darum, wer höher „Dadada!“ sagen kann. Sie hat gewonnen.

Es gäbe noch viel zu erzählen, aber heute bin ich einfach zu müde. Und ich hoffe, dass es nur Müdigkeit ist und ich von dieser Erkältung verschont bleibe.

Der Morgen war wie jeder Morgen, an dem man versucht, alleine mit zwei Kindern aufzustehen. Ich konnte immerhin im Stehen mit der Kleinen umgeschnallt frühstücken, weil der kranke Sohn im Bett noch seine Milch trank. Bis ich ins Bad konnte, verging noch eine Stunde.

Wir schafften es, früh das Haus zu verlassen. Vorher hatte die Tochter noch ihren großen Moment. Sie wollte mich wohl trösten oder so, auf jeden Fall versuchte sie lachend, mir ihren Schnuller in den Mund zu stecken.

Auf dem Spielplatz bot der Sohn seine letzten Kräfte auf, um nochmal alles aus dieser Spielmöglichkeit herauszuholen. Er rutsche an die zwanzig Mal. Vielleicht auch, weil er ein anderer Junge ihm verboten hatte zu rutschen. So aus Prinzip. Auf der Rutsche fand er einen Stein und sagte, als hätte er ihn gerade wieder gefunden: „Ah, mein Rutschstein!“

Nach dem Ausflug schwanden dann die Kräfte beim Sohn. Und bei mir. Wir beide lagen im Wohnzimmer auf dem Teppich, während die Tochter uns quietschend umrundete und ich ihr mit letzter Kraft Spielzeug abnahm, das für sie noch zu klein ist.

Der Sohn litt wie ein Mann an seiner Erkältung. Die Beeren, die ich ihm anbot durften nicht zu kalt sein. Er aß sie so oder so nicht. Bevor er sich nochmal hinlegte, fuhr er wie ein trauriger Ritter mit seinem kleinen Besen bewaffnet langsam über den Lenker hängend auf dem Dreirad durch die Wohnung.

Beim Abendessen war er so durcheinander, dass er einfach aufstand, zur Wohnungstür ging, um ins Treppenhaus zu entschwinden. Ich fragte, was er denn dort draußen wollte: „Taschentücher holen.“

Heute nach der Heimfahrt von den Großeltern stiegen wir bei uns aus dem Auto. Ich öffnete die Autotür, um meinen Sohn und schaute in ein verrotztes Gesicht: Da schwante mir, dass es wohl nichts werden würde mit der Kita morgen. Später zu Hause dann Gewissheit: Schnupfen, Temperatur. Wir feiern also unser ganz privates Lockdown-Comeback. So wie es schon in Vor-Corona-Zeiten war, wenn das Kind krank wird.

Ich war ja schon verwundert, dass wir die erste Kita-Woche ganz ohne Infekt überstanden haben. Ansonsten war der Tag aber sehr schön. Morgens warf der Sohn Staubflusen zu seiner Schwester ins Bett und sagte: „Sie ist eine Seerobbe. Ich muss sie füttern.“

Den Nachmittag verbrachten wir dann bei den Großeltern, wo es guten Kuchen gab und vor allem ein Highlight für den Sohn: Eine selbst gezogene Gurke. Er ist ein echtes Gartenkind und kann Radieschen, Schnittlauch und Salat im Beet benennen.

Die Tochter hatte ihren großen Moment, als wir wieder zu Hause waren. Sie kommt so langsam überall hin, wo sie will und schnappte sich auch gleich etwas äußerst Wertvolles: Papas Winterschuhe. Die wollte ich eigentlich schon seit dem Winter in den Keller bringen. Jetzt haben sie einen neuen Lebenszweck gefunden.

Passend zu Tag 112 habe ich gerade eine Feuerwehrauto-Geschichte erzählt. Es war das Feuerwehrauto Chrr, das eine Spritze und eine Leite hatte, das war meinem Sohn ganz wichtig. Das Feuerwehrauto Chrr rettete viele Menschen aus einem Hochhaus, indem es seine Leiter ausfuhr, sie hinabklettern ließ und gleichzeitig mit seiner Spritz das Feuer löschte. Als alle ihm dankten, sagte Chrr: „Kein Problem Leute, ich bin ein Feuerwehrauto.“

Die Geschichte fand ich spannend. Der Sohn schlief allerdings innerhalb von fünf Minuten ein. Er hatte auch einen tollen Tag. Durfte in der Innenstadt in Tübingen auf dem Wasserspielplatz spielen. Der Wasserspielplatz besteht aus einem Trampolin, Steinen und Wasser. Ich weiß nicht, wer die seltsame Idee hatte, einen Spielplatz aus Steinen zu bauen. Eine befreundete Mutter brachte es gut auf den Punkt: „Ich glaube, die Kinder haben sich daran gewöhnt. Sie verletzen sich nicht mehr so oft.“

Der Tag begann im gewohnten Rhythmus. Es war also nichts mit ausschlafen. Der Sohn wachte früher auf als die ganze Woche über, wo das für die Kita ganz nützlich gewesen wäre und die Tochter sowieso. Sie kaute zum Frühstück eine Brezel. Der Sohn aß ein Ei.

Nach dem Frühstück durfte der Sohn ein Paket auspacken, was die Tochter zum Anlass nahm, sich heimlich Pappestückchen zu stibitzen. Danach fuhr ich fort, um im Sudhaus zum Jubiläum der Wüsten Welle aufzutreten.

Wir trafen uns später auf besagtem Wasserspielplatz wieder. Ich ging mit dem Sohn noch kurz einkaufen und war zu müde, seinen Forderungen zu widerstehen. Deshalb kauften wir außer Windeln noch zwei Baby-Löffel, ein Pixi- Buch und eine Atemmaske für Kinder.

Die Tochter spielte nach dem Abendessen intensiv mit dem Netz am Balkon. Und dann ging es auch schon ab ins Bett und um die Feuerwehr.