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Diese Frage stelle ich mir oft in dieser Zeit. Ich befinde mich an einem Punkt der Weichenstellung und kann noch nichts dazu sagen. So wie auch diese Artikel hier auf nichtssagende Weise vielseitig sind.
Oft frage ich mich, ob die Frage, wo es hingeht, sich nicht immer stellen müsste. Es ist ja so: Man weiß nie, was passiert. Oder wie Wittgenstein sagte: „Dass die Sonne morgen aufgehen wird, ist eine Hypothese; und das heißt: wir wissen nicht, ob sie aufgehen wird.“
Genau genommen könnte jederzeit alles passieren. Die Frage, wo es hingeht, was man tun soll, stellt sich nur manchmal mehr oder weniger. Sie steht dann auf einmal im Raum wie ein unpassendes Möbelstück, das man all die Jahre ignoriert hat.
Ich weiß nur eines: Es wird etwas mit Sprache zu tun haben. Die Wörter gehen mir nicht aus. Ich könnte zum Beispiel einen super Roman schreiben über den Tag, an dem die Worte ausgingen. Der Anfang ginge so: „Und dann gingen auf einmal allen die Wörter aus…“ Der Rest schreibt sich dann von selber.
Man könnte auch sagen: Ist doch albern, sich diese Fragen zu stellen und daraus so ein Ding zu machen. Im Supermarkt verfällt man ja auch nicht in philosophische Betrachtungen darüber, welche Schlange man wählen soll. Wobei, wenn ich es mir recht überlege, könnte das schon sein.
Ich sollte einkaufen gehen….

Gondel Winter
Dieser Ausblick offenbarte sich mir jüngst, als ich es wagte, mit einer Gondel einen Gipfel in Österreich zu erklimmen. Ich schwebte den Berg hinauf, wobei es hier eher so aussieht, als schwebte ich ihn hinunter.
Tatsächlich sieht man hier ja gar nicht, wo die Gondel einen hinträgt und auch die Gondel selbst sieht man nicht, nur aus der Anwesenheit der nächsten und dem gespannten Gondelseil kann man schlussfolgern, dass man sich wohl in einer solchen befände.
Das Leben erschließt sich vor allem aus dem, was man außen sieht. Ich sehe den Weg vor mir und schließe, ich müsste irgendwoher gekommen sein. Ich hänge an einem Seil, wobei ich mir nie sicher sein kann, ob ich wirklich daran hänge, oder nicht auch auf den Hängen des Berges unterwegs sein könnte.
Und die Welt? Sie erwartet einen in gebieterischer Kälte voller Erhabenheit. Der Gipfel scheint zugleich Bedrohung und Ziel zu sein.
Sicher wäre es nicht so verwirrend, den Gipfel zu Fuß zu erklimmen. Nur wäre es sehr viel beschwerlicher. Beim Kampf mit den Elementen verlöre man den Genuss der Aussicht und gewänne dafür einen Kragen voll Schnee.
Da gleite ich doch gerne ganz komfortabel durch die Lüfte und bin perspektivisch verwirrt.
Das Leben des modernen Menschen – ein gespanntes Seil über eisige Klüfte in Erwartung des Unglaublichen.

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Dieser Baum begegnete mir vor ein paar Tagen auf dem Heimweg. Er hat die Stadt betreten, um endlich reinen Tisch zu machen. Nun erwartet er neben dem Anwohner-Parkplatz-Schild das entscheidende Duell…
Die Häuser um ihn her kauern im Schatten seiner Macht. Die Tiefe, aus der er sich emporschwang, beherbergt sicher noch Dunkleres als ihn.
Ja, dieser Baum war mir wie der Einbruch des Wahnsinns in die Ordnung der Stadt. Das Leben, das in seiner Urgewalt alles Kleingeistige überwältigt. Ein Ding, das sich in keine Form pressen lässt, dessen Verzweigungen Anfang und Ende nur erahnen lassen, ein Etwas, das sich nicht begrenzen lässt.
Nur weiß ich auch: Dieser Baum ist in unserer Welt kein Protagonist. Er fristet das Dasein eines Abgehängten, dem man gerade noch sein Fleckchen Erde gönnt.
Während unsere Häuser uns alles sind, ist der Baum uns nichts. Wir sehen unser Leben grau werden im Mauerwerk.
Der irre Baum könnte die Rettung sein. Das, was sich der reinen Funktionalität entzieht. Was vielleicht nicht einmal nützlich ist, sondern schaurig schön. Das Lied der Regentropfen könnte der Ruf zum Abenteuer sein.
Also, mein Rat, bevor ich vollends dem Pathos verfalle: Guckt mal Bäume an, das hilft.