Heute nur halbes Drama. Der Sohn tat sich etwas schwer mit dem Aufstehen, was aber auch daran lag, dass ich mich etwas schwer mit dem Aufstehen tat. Die Mutter brachte die Kinder in die Kita, der Sohn trank auf dem Weg noch seine Milch. Die Mutter kehrte beschwingt zurück und uns erwartete ein Vormittag in einer Wohnung ohne Kinder.

Die Tochter blieb bis halb eins in der Kita. Dann eine Überraschung: Der Sohn blieb auch nur bir halb eins in der Kita. Er wollte unbedingt mit und die Erzieherin sagte zur Mutter: „Ja, ich weiß auch nicht, gibt halt ein Drama, wenn er jetzt da bleibt.“ Ich verstand es nicht so ganz, aber man will ja auch niemanden traumatisieren. Den Sohn oder die Erzieherin.

Zum Glück hatten wir noch etwas Verstärkung und die Kinder gingen auf einen langen Spaziergang. Die Tochter hatte übrigens die Mutter in der Kita erst gar nicht erkannt und war vor ihr auf den Arm der Erzieherin geflüchtet. So eine Eingewöhnung bringt alles durcheinander.

Am Schreibtisch das Übliche: Höflich auf Emails antworten, in denen Veranstaltungen abgesagt werden. Der Sohn ging mit der Mutter zum Turnen, wo man im Flur unbedingt eine Maske tragen muss, die man dann in der Turnhalle wieder auszieht. Er machte heute einen unfreiwilligen Überschlag, hat es aber gut weggesteckt. Ich bespaßte derweil die Tochter, las ihr vor, gab ihr Brezel, gab ihr Trauben, gab ihr zu trinken und übte mit ihr klatschen. Das kann sie jetzt. Zumindest zu Hause ist mir der Applaus gewiss.

Abends aßen wir schnell. Nudeln mit Soße und für den Sohn Pesto mit ein bisschen Nudeln. Er bemalte noch einen Kalender und jetzt steht er am Schreibtisch und sagt mir: „Ins Bett!!“

Gestern noch ein großartiger Moment: Der Sohn hat aufgeschnappt, dass „in fünf Minuten“ bedeutet, dass man etwas bald macht. Er sagte also auf die Frage: „Und wann isst du den Rest von deiner Banane?“ „In fünf Minuten, oder so.“ Die Oma erklärte ihm dann, dass fünf Minuten auch irgendwann weniger werden, also erst vier, dann drei und so weiter. Der Sohn blieb stehen und schaute die Oma an. Sein Blick ging in weite Ferne. Für einen Moment sah es so aus, als hätte es sein System überladen. Sein Hirn arbeitete intensiv. Danach tat er das, was er immer tut, wenn er eine Information nicht versteht: Er ignorierte sie und blieb bei seinen fünf Minuten.

Heute Morgen hatten wir auch ein Zeitproblem. Ich hatte den Sohn zu lange schlafen lassen und musste mit beiden Kindern in die Kita. Nur unter Einsatz von Milch und begleitet von Geschrei kamen wir gerade so noch in der Kita an, wo die angesäuerte Erzieherin uns schon erwartete.

Dafür durfte ich auch gleich wieder gehen. So weit mein Beitrag zur Eingewöhnung der Tochter. Sie bleib einfach mal bis kurz nach zwölf und aß noch Linsen mit Spätzle. Wenn das so weitergeht, können wir sie nächste Woche einschulen.

Der Sohn akzeptierte sogar, dass ich die Tochter abholte und ihn in der Kita ließ, was sein bester Kumpel, dessen Schwester auch gerade eingewöhnt wird, nicht so machte. Schön, wenn das Drama auch mal wem anders passiert.

Die Tochter geht immer mehr in den Stand über und zog sich auch heute eifrig überall hoch. Außerdem musste ich eine ganze Menge Bücher vorlesen. Wir gingen noch in die Stadt, um eine Jacke für den Sohn zu kaufen und den Kita-Einkauf zu machen. Eine lästige Pflicht, die mich jeden Montag erwartet. Heute waren so exotische Sachen wie Pumpernickel und Räucherlachs auf der Liste. Ich weiß nicht, welches Kind das essen soll.

Abends machte ich dem Sohn zwei Spiegeleier, weil er nicht mehr bis zum Essen warten konnte. Er erzählte noch von der Kita: „Ich habe gesungen, balanciert, gekartet und Fange-Quatsch gemacht.“ Das hört sich doch nach einem guten Tag an.

Vor dem Schlafengehen spielten wir noch eine alberne Art von Verstecken, bei der er sich völlig offensichtlich hinter einer Schranktür versteckt und sagt: „Los, such mich!“ Ich darf dann so tun, als würde ich ihn nicht finden und in einer anderen Ecke der Wohnung suchen, bis er hinter seiner Schranktürhervorgerannt kommt. Immerhin schlief er davon erschöpft schnell ein.

Nach der kurzen Nacht hatte der Sohn heute gute Laune. Er stand sogar mit mir auf und ließ sich ein Marmeladenbrot machen, was sonst eher selten ist. Oft ist an feste Nahrung vor zehn Uhr nicht zu denken. Ich frühstückte schnell und übergab die Bagage an meine Frau. Der zweite Workshop-Tag stand an. Der Sohn sagte zum Abschied: „Ich muss das Affen-Getränk dem Zebra geben!“

Wir improvisierten wild tanzend außerhalb der Komfort-Zone zum Einstieg, ich durfte viel zum Thema Poesie machen, wir lernten mal wieder wie man pantomimisch richtig eine Tür aufmacht, sangen Duette und zum Schluss improvisierten wir noch mit echten Erinnerungen, wobei meine halb gelogen war. Ich war zwar wirklich auf einer französischen Schule, wurde aber nie gezwungen Froschschenkel zu essen. Aber ich hatte mir was zum Wort „Frosch“ einfallen lassen müssen.

Ich kam nach Hause aus der geordneten Welt des Theaters und landete mitten im Familienchaos. Meine Mutter war noch zu Besuch. Bei meiner Heimkehr standen alle irgendwo in der Wohnung rum und machten irgendwas. Ich brauchte etwas, um mich zurechtzufinden, aber dann durfte ich kochen und mich beim Gemüse schnippeln entspannen.

Die Kinder badeten, der Sohn machte ausnahmsweise kein Theater beim Haarewaschen, ich tauschte mit meiner Mutter Lektüre-Tipps aus. Der Sohn zeigte mir zum Schlafengehen sein neuestes Spiel: Er prustet einem auf den Hals, fragt: „Welches Tier war das?“ Man sagt so etwas wie: „Gnu? Elefant? Kobra?“ und er sagt: „Ja!“

Er ging schnell schlafen. Morgen wird es spannend: Ich darf zum ersten Mal beide Kinder in die Kita bringen.

Wir konnten tatsächlich alle ein bisschen ausschlafen. Sogar die Tochter drehte sich heute noch mal um. Nach dem Aufstehen stritten sich die Kinder ein bisschen im Bad, ich machte Frühstück. Kurz darauf entschwand ich aus dem Familienleben, um mal wieder was komplett anderes zu machen: Impro-Workshop mit den Kollegen vom Harlekintheater.

Wir kämpften uns durch Heldenepen, Fantasy- und Superheldenfilme. Und als stilsichere Krönung noch unsere Version von „Frauentausch“. Trash TV muss man auch mal machen. In der Vorstellung Abends gab es noch eine James-Bond-Szene, ein progressives Kinderlied, Schiller beim Boule-Spiel und vieles mehr.

Netterweise durfte ich die erste Vorstellung von zweien spielen und dann nach Hause düsen, was ich zwei drei Stunden später etwas bereute. Gleichzeitig mit mir kam auch der Rest der Familie heim vom Kindergeburtstag auf dem Land.

Wir aßen alle Reste, die der Kühlschrank zu bieten hatte. Die Kinder waren geschafft vom Tag. Zumindest die Tochter. Der Sohn sah zwar müde aus, war aber so fit, dass er sich von der Mutter und mir im Wechsel Geschichten vorlesen ließ. Da bereute ich dann, so früh heimgekommen zu sein.

Nach zehn Büchern ging es zum Zähne putzen und dann ab ins Bett, was ich übernehmen musste, weil der Sohn absolut darauf bestand. Ich dachte: Er ist so müde, das ist in fünf Minuten erledigt. Jetzt ist er immer noch wach und ich muss den Text unterbrechen, weil er mir befiehlt, das nächste Puzzle einzuräumen.

Aber wie konnte ich die Feuerwehr vergessen! Das war der geheime Höhepunkt unseres gestrigen Ausflugs. Als wir gerade mit dem Bus unterwegs zur Fähre waren, fuhr ein kompletter Löschzug der Feuerwehr zum Großeinsatz an uns vorbei. Der Sohn hat mich heute noch mal daran erinnert. Es ist zwar etwas pietätlos, aber er fand es einfach super.

Heute waren wir alle noch geschafft. Der Sohn legte sein erstes Drama hin, als es darum ging, ihm eine Hose anzuziehen. Wenig später musste er dann doch mit in die Kita, weil die Mutter mit der Tochter schon vorgegangen war. Alle fragten sich ja, wie er mit seiner Schwester in der Kita umgehen würde. Einfache Antwort: Er ignorierte sie total. Vielleicht nicht die schlechteste Lösung.

Viel zu berichten gibt es sonst nicht. Wir hatten heute eine alte und noch eine neue Babysitterin zu Gast. Zum Einlernen sozusagen. Ich machte Großeinkauf. Die Mutter machte Kleineinkauf. Die Tochter ging nach ihrem Kita-Vormittag gleich nochmal spazieren.

Abends gab es Spaghetti. Der Sohn bespielte imaginäre Baustellen und Supermärkte. Wir Eltern versuchten einfach nur, bis zum Abend wach zu bleiben.