Zu Hause – Tag 170

„Unter den Haaren ist man rot.“ „Na ja, vielleicht eher rosa oder so. Du kannst ja mal nachschauen…“ „Ja, und um nachzuschauen, muss man die Haare abkratzen!“ „Was?“ Das war unser Dialog nach dem Aufwachen. Der Sohn hat wohl seine eigenen Vorstellungen von der Kopfhaut.

Die Mutter lieferte ihn in der Kita ab. Sie ging später zur Arbeit und ich mit der Tochter in die Stadt. Sie hing cool im Wagen mit den Beinen über dem Bügel, der eigentlich über den Beinen sein soll, kommentierte das Geschehen, warf Passanten ein Lächeln zu und zog ihre Schuhe aus und warf sie aus dem Wagen.

Ansonsten war sie ganz zufrieden, auch weil ich ihr im Biomarkt sofort, als sie anfing sich zu beschweren, eine Brezel kaufte. Zurück zu Hause ging es mit Essen weiter. Die Maultaschen von der Oma mussten weiter verzehrt werden. Maultaschen sind ihr ein und alles. Dicht gefolgt von Nudeln und Brezeln.

Zeitung isst sie auch gerne. Das verbot ich ihr immer wieder, was sie noch mehr anspornte, sich Zeitungsteile zu klauen, sie zu zerreißen und in den Mund zu nehmen. Irgendwie muss sie ja Kontakt aufnehmen mit der Welt der Literatur, finde ich.

Wir holten gemeinsam den Sohn aus der Kita ab. Er hatte gute Laune, verspeiste erst mal Nüsse und widmete sich einer interessanten Lektüre, dem aktuellen Edeka-Prospekt. Den durfte ich dann noch vorlesen.

Um noch ein bisschen für Müdigkeit zu sorgen, veranstalteten wir im Flur ein Entenrennen. Der Sohn rannte mit seiner Holzente, die an einem Stock befestigt geschoben werden kann, durch dem Flur. Ich feuerte ihn an und dachte: Hauptsache er bewegt sich.

Irgendwann kam er darauf, die Ente immer hinzuwerfen und zu verarzten. Das ging dann so: „Unser Rennen startet wieder! Los geht’s! Oh nein, die Ente ist hingefallen. Der Doktor verarztet sie. Und schon rennt sie weiter! Ah, wieder hingefallen…“ Ich hoffe, die Nachbarn haben sich nicht allzu sehr über das Gerumpel gewundert, aber die wundern sich wahrscheinlich über gar nichts mehr.

Vor dem ins Bett gehen schnappte sich der Sohn noch eine Handcreme der Mutter. Ich sagte: „Das ist Handcreme.“ Er schaute die mit Blumen verzierte Tube an und sagte: „Nein, das ist Blumencreme!“

Jetzt liegt er in meinem Büro auf dem Boden und schaut Bilderbücher an, während ich schreibe. Hat nicht so ganz geklappt mit dem ins Bett gehen…

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