Zu Hause – Tag 140

Von der Hitze geweckt standen wir alle gar nicht ganz so spät auf, wie wir vorgehabt hatten. War aber auch ganz gut so, weil wir wieder familiären Besuch erwarteten. Der Sohn hatte erstaunlichen Appetit. Er aß ein ganzes Ei, wollte noch mehr und bestellte bei mir sogar noch Marmeladenbrot, auch wenn er das dann nicht mehr aß. Wir taten alles, um ihn davon abzulenken, dass das Knuspermüsli alle war.

Kurz darauf klingelte es an der Tür und Neffe samt Eltern und Oma stolperten aus den Hitzewolken in unsere noch kühle Wohnung. Wir stellten fest, dass der Neffe und die Tochter sich exakt gleich anhören, wenn sie sich beschweren. Irgendwann wusste niemand mehr, welches Kind jetzt gerade am Rumnörgeln war.

Am Nachmittag wagten wir uns todesmutig nach draußen in die Stadt. Nun bildeten wir einen dreiteiligen Kinderwagentross und wurden von Studierenden genau so belächelt, wie ich selber solche irren Familien früher belächelt habe. Wir stärkten uns mit Falafel und Smoothies. Der Wasserspielplatz im Herzen der Altstadt war für den Sohn genau das Richtige. Er goss und wusch all sein Sandelzeug, lieh sich sich bei einem anderen Kind eine Wasserpistole aus, mit der er uns erfrischte.

Später gingen wir einen Spieplatz weiter, wo die Tochter sich so lange beschwerte, bis sie auch mal endlich im Sand spielen durfte. Immerhin kann sie jetzt sitzen und Sand aus Gefäßen ausleerem, wenn der große Bruder sie ihr vorher auffüllt.

Unsere Wege trennten sich. Neffe und Familie gingen ins Hotel. Die Oma ging zum Zug. Mutter und Kinder gingen vor nach Hause und ich ging mit dem zweiten Kinderwagen einkaufen. Ich gehe sehr gerne mit dem Kinderwagen einkaufen. Es ist praktisch, weil man alles einfach reinschmeißen kann. Nur die Passanten betrachten einen mit Blicken, die sagen: „Der arme Irre. Wenn man sich Kinder wünscht, aber keine hat, fährt man irgendwann eben Kohlrabi spazieren.“

Beim Abendessen beschwerte sich die Tochter in einem fort. Kein Essen war gut genug. Bis sie Wasser bekam. Wasser trinken ist ihre neueste Entdeckung. Der Sohn sagte: „Ich will Halloumi-Käse und sonst gar nichts!“ Er bekam seinen Käse und aß sogar noch etwas Gurke. Er fragte: „Hast du einen Gurkentee?“ Ich verneinte.

Vor dem Schlafen gehen durfte der Sohn dank seiner Hartnäckigkeit noch Wasserfarben malen. Es entstand große Kunst. Zum Beispiel ein komplett orangener Regenbogen. Außerdem war es ihm ganz wichtig, dass nach jedem Bild das Wasser erneuert wurde. Daran erkennt man einen wahren Meister.

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