Zu Hause – Tag 73

Heute morgen mal eine Variation. Der Sohn schaute mich an und sagte: „Du bist ein Yak!“, anstatt zu sagen, was er sei. Kurze Zeit später sagte er: „Ich bin ein Schreitier!“ Wobei das Schreitier nicht schrie, sondern eher blubbernde Geräusche machte und seinen Schlafanzug kaute.

Mein Vormittag war wieder von virtueller Seminar-Arbeit geprägt. Neun kleine Bildschirme starrten mich an. Auf manchen sah man sogar jemand. Der Gesangsunterricht war lustiger. Schon gemein, wie mein Gesangslehrer trotz Latenz und Störgeräuschen immer noch hört, wenn ich daneben liege.

Der Sohn machte beim Nachmittagsimbiss interessante Entdeckungen: „Oh, ein kleiner Kürbis!“ sagte er, als seine Mutter ihm eine Aprikose präsentierte. Ich fragte ihn: „Na? Wie schmeckt’s?“ Er antwortete: „In der Kinderfabrik.“ Ich verstand den Zusammenhang nicht, aber ich erfuhr, dass wir eine Kinderfabrik in der Wohnung haben, die sich beim zweiten Kühlschrank befindet. Jetzt muss ich nur noch rausfinden, wo dieser zweite Kühlschrank ist.

Und dann erlebte ich noch etwas Besonderes, lang nicht Dagewesenes: Ich war beim Frisör. Tonnen von Haaren durfte ich da lassen. Zuerst musste ich natürlich meine Hände desinfizieren und den Meldezettel ausfüllen. Und die Frisörin etwas aufheitern, die sichtlich genervt war. Sie sagte: „Jetzt kommen sie alle! Dachten alle: Ach, ich warte noch ein bisschen und jetzt tauchen sie alle auf!“ Und natürlich: „Na, Sie haben auch selber an Ihren Haaren rumgeschnitten, hä?“

Ich schwebte durch die Stadt, wo langsam eine allgemeine Biergarten-Saison eröffnet wird, so wie es aussieht. An jeder Ecke hockte jemand oder eine Gruppe mit etwas Abstand zu anderen mit einem Bier in der Hand. Ich glaube, das wird noch sehr lustig auf den Straßen diesen Sommer. Wenn Ende Juni jetzt auch noch wirklich die Kitas aufmachen sollten, reih ich mich ein.

Der Sohn sagte noch Abends: „Du hast mein Feuerwehrauto gebaut.“ Ich versuchte, ihm zu erklären, dass so ein Playmobil-Feuerwehrauto in der Fabrik zusammengebaut wird. Das fand er noch besser. Ansonsten war er unheimlich brav. Selbst das wöchentliche Bad lief ohne Geschrei ab. Das übernahm dafür seine Schwester.

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