Zu Hause – Tag 70

Der Tag begann damit, dass ich das Bad halb unter Wasser setzte. Hat auch Nachteile so eine Dusche ohne Schwelle. Wenn da der Abfluss ein bisschen verstopft ist, läuft das Wasser schön ungehindert ins Bad. Es passte zum Wetter.

Ich kämpfte mich durch den Regen in die Stadt, um ein bisschen einzukaufen. In engen Läden bekam ich Mordfantasien, wenn die Leute zu lange irgendwo rumstanden und ich wegen der Abstandsregel nicht vorbei kam.

Die Stimmung war schlecht. Schon vorher haben sich Leute ja gerne über irgendwas beschwert. Jetzt kann man sich über noch mehr beschweren: Dass die Wagen desinfiziert werden, dass sie nicht desinfiziert werden, dass sie nur drei Mal am Tag desinfiziert werden, dass jemand zu viel Abstand hält, dass jemand zu wenig Abstand hält…

Zu Hause hellte sich meine Stimmung etwas auf, als ich den Sohn auf dem Balkon traf. Meine Frau war die Kleine stillen und sagte: „Hast du kurz ein Auge auf ihn?“ Ich warf einen Blick auf den Balkon, der Sohn hatte einen Stock in der Hand. Ich fragte: „Was machst du?“ Er antwortete sehr schnell: „Ich mach nix! Ich mach keinen Quatsch!“

Er stocherte mit dem Stock durch die Gegend, warf einen Blick auf die Erdbeerpflanze und sagte: „Ich will kleine Erdbeeren!“ Eine war tatsächlich gewachsen, aber das reichte nicht. Zum Glück hatte ich Erdbeeren mitgebracht. Der Sohn setzte sich an den Tisch. „Das sind große Erdbeeren. Ich will kleine Erdbeeren!“ Nichts zu machen. Der Sohn atmete tief durch und aß den Rest von seinem Mittagessen: Einen Löffel Pesto pur.

Beim Abendessen entdeckte die Schwester feste Nahrung für sich. Wir versuchen es schon ein paar Tage. Heute hat es wohl klick gemacht. Sie verputzte ihren Karottenbrei und protestierte, sobald der Löffel eine Sekunde zu lang von ihrem Mund entfernt wurde. Bin gespannt wie das später bei ihr wird mit den Erdbeeren.

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