Zu Hause – Tag 68

Heute morgen zog ich meinem Sohn wie üblich den Kinderschlafsack aus. Er schaute mir zu und sagte: „Okay, des kann man machen.“ Schön, wenn der Tag mit so einem Lob beginnt. Kurze Zeit später durfte der Sohn aufs Land entschwinden, was er sehr toll fand. Er sprang Hände klatschend zur Tür, als es klingelte.

Das große Kind war weg, wir erwarteten einen ruhigen Tag. Zwei Sekunden später legte die Tochter los. Frei nach dem Motto: Irgendjemand muss hier ja schreien. Sie war zu dem Zeitpunkt auch gar nicht schlecht gelaunt, sie hatte einfach nur Lust zu schreien und lachte dabei.

Ich nutzte die Zeit, um etwas zu tun, das zwar nicht geistig anspruchsvoll ist, aber sich trotzdem so anfühlte, als hätte ich was erreicht an diesem halb freien Tag: Fliegengitter anbringen. Falls jemand diese Tesa-Fliegengitter kennt, muss er oder sie wahrscheinlich jetzt schon lachen. Es ist eine Arbeit, bei der man sich selber immer Dinge sagen muss wie: „Es muss nicht perfekt sein, es muss nur halten.“ oder „Effektivität kommt vor Schönheit.“

So ein Fliegengitter brint man an, indem man eine Art Klett-Klebestreifen am Fensterrahmen anbringt, an dem man danach das eigentliche Gitter anbringt, eine Art Netz. Dieses Netz passt natürlich nie so ganz, hat immer da eine Falte, wo sie nicht sein sollte und fatzt spätestens am Ende des ganzen Gefummels wieder irgendwo ab.

Wenn dann doch alles hängt, muss man noch den überflüssigen Rest des Netzes abschneiden, wobei es wieder abfatzt. Dabei muss man immer schön ruhig bleiben und versuchen, nicht aus dem Fenster zu fallen. Mir ist zum Glück nur irgendwann die Schere zu den Nachbarn runtergefallen. Es stand niemand unten und ich war geistesgegenwärtig genug, keinen Fangversuch zu starten. es haben also alle überlebt.

Weil ich gerade schon so schön mit sinnlosen aber notwendigen Arbeiten beschäftigt war, nahm ich es auch in Angriff, den Cybex-Kindersitz nach vorne zu drehen. Der Cybex-Kindersitz ist ein technisches Wunderwerk, mit dem das Kind in zarterem Alter noch rückwärts sitzend fahren kann. Bis man eines Tages sagt: Die Zeit ist gekommen: Nun, mein Sohn, darfst du vorwärts fahren. Nur hat der Sitz eine Sicherung. Man kann ihn erst nach vorne drehen, wenn man ihn umgebaut hat.

Ich schaute ein Video, in dem ein sehr entspannter junger Mann mit ein paar lockeren Bewegungen den Sitz umbaute. Dann ging ich zum Auto. Und blieb dort sehr lange. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es sah anders aus, als bei dem Mann in dem Video.

Um den Sitz umdrehen zu können, muss man den alten Gurt in ein Fach im Boden des Sitzes pressen, wodurch ein Hebel herunter gedrückt wird, der den Sitz entsichert. Bis ich verstanden hatte, wie man welchen Teil des Gurtes in dieses Fach pressen muss, ohne dass es wieder aufspringt verging eine schmerzvoll lange Zeit. Danach konnte ich voll Stolz sagen: Der Junge kann jetzt vorwärts fahren und der Sitz hat ein paar Bissspuren.

Nachdem das geschafft war, konnten wir endlich los, uns selber bei Kaffee, Kuchen und Spargel erholen und den Sohn wieder einsammeln. Seine Schwester bezeichnet er immer noch als Unkraut: „Die ist Unkraut, die kann man nicht einpflanzen.“ Es soll ein Kompliment sein.

Wir besuchten noch Pferde, genossen die Sonne, der Sohn ließ sich eine Tiere-Buch vorlesen. Er steht auf die Tiere mit den komplizierten Namen, also den Javana-Affen und den Pangolin. Gut möglich, dass das Gebrabbel, das er manchmal von sich gibt, wenn ich glaube, dass er seine Schwester nachahmt, in Wirklichkeit Tiernamen sind.

Wir fuhren satt und glücklich heim. Die Autofahrt war ein besonderes akustisches Erlebnis. Die Tochter schrie die ganze Dreiviertelstunde lang ohne Pause, als würde sie überall gleichzeitig zahnen. Als wir wieder zu Hause waren, hatte sie wieder beste Laune. Mit diesem absurden Erlebnis im Ohr konnten wir alle schnell einschlafen.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.