Zu Hause – Tag 41

Mein Sohn spielte heute Vormittag Baustelle. Die Bauarbeiter stellten sich einander vor: „Hallo, das ist mein Kollege.“ „Hallo, das ist mein Kollege.“ „Hallo, ich bin auch ein Kollege.“ „Kollege?“ „Kollege!“ Ich könnte das noch länger fortführen. Auf jeden Fall waren die Bauarbeiter auf dieser Baustelle sehr höflich zueinander.

Der Sohn war nicht unbedingt den ganzen Tag so höflich. Zum Beispiel zu seiner Schwester. Er hatte aber auch eine Erklärung dafür. Auf den Hinweis: „Sei doch lieb zu deiner Schwester.“ antwortete er nüchtern: „Aber ich will doch gar nicht lieb sein.“

Später waren wir noch als ganze Familie in der Stadt. Meine Frau hatte Masken besorgt, die wir jetzt ausführen konnten. Interessant, diese Erfahrung zu machen, wie die ohne Maske in den Läden einen noch belustigt anschauen, während draußen auf der Straße immer mehr andere mit Masken an einem vorbeilaufen, während man selber seine nur in geschlossenen Räumen aufzieht.

Als ich den Lebensmittelladen verließ und meine Maske abstreifte hatte ich den dringenden Impuls so was zu sagen wie: „Puh, krasse OP, aber wir haben den Blinddarm wieder hingekriegt.“ So fühlen sich also Ärzte. Unser Sohn nahm es ganz gelassen. Für ihn rangiert das unter der Kategorie Fasching, glaube ich. Ist ja noch gar nicht so lange her, dass wir zum ersten Mal zusammen beim Umzug waren.

Beim Abendessen setzte der Sohn seine neuen höflichen Umgangsformen weiter ein und sagte: „Ich will nicht mehr essen. Ich möchte bitte ein Puzzle machen.“Ich warte schon darauf, dass er Sachen sagt wie: „Da muss ich dir leider widersprechen, auch wenn ich deinen Standpunkt durchaus nachvollziehen kann, lieber Papa.“

Kurz darauf lief geflissentlich seiner Mutter hinterher, die ihm gesagt hatte, er dürfe helfen seine Schwester zu baden und wusste natürlich, was er noch holen musste: „Den Badezusatz.“ Man muss sich das Wort „Badezusatz“ in dabei stark gelispelt vorstellen.

Die Schwester allerdings hatte das Highlight des Tages für sich. Zuerst war sie so ruhig wie immer, als wir sie in die Wanne legten. Gegen Ende der Badeaktion kam ihr aber die Idee, doch einfach mal mit den Beinen zu planschen. Das war offenbar so toll, dass sie gar nicht mehr damit aufhören konnte und so waren wir zum Schluss des Tages alle sehr nass und sehr glücklich.

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