Zu Hause – Tag 30

„Hat sie auch nen Mund?“ fragte mein Sohn, als er seine Schwester Mittags Brei essen sah und ich sagte: „Ja.“ Keine Ahnung, was er dachte, womit sie vorher geschrien hat. Oft verwenden Kinder Wörter ja ganz anders, als man denkt.

„Licht ausmachen“ hieß für meinen Sohn ziemlich lange „Licht anmachen“. Er hatte sich den ersten Erklärungsversuch falsch eingeprägt. Also aus seiner Sicht richtig eingeprägt. Wir hatten eine lange Phase, in der er im dunklen Zimmer immer sagte: „Licht aus!“ und ich sagte: „Ja, das Licht ist aus.“ „Nein, Licht aus!“ und so ging es dann immer ein paar Mal hin und her, bis ich begriff, dass ich das Licht anmachen sollte.

Zu seiner Mutter sagte er dafür etwas sehr treffendes: „Du bist der Motor.“ Er meinte den Motor eines Autos dessen Spiegel vielleicht auch der Kochlöffel war. Ich fand die Bemerkung trotzdem ganz treffend, auch wenn ich mich fragte, was ich dann bin. Vielleicht der Kofferraum?

Zwischendurch dichtete er noch das Lied von der Schnapsblume. Inhaltlich besteht es vor allem aus der Wiederholung des Wortes „Schnapsblume“, aber bei mir setzt es immer wilde Assoziationen frei über die schöne Zeit vor dem Lockdown.

Außerdem durfte er noch mit Fingerfarben malen, während ich Gulasch kochte. Eine schöne Serie, die er da zu Papier brachte. Erinnerte mich an den späten Gerhard Richter. Nur besser natürlich.

Später gab es noch Oliven. Wir anderen aßen auch andere Sachen, aber unser Sohn hatte gerade wieder seine Leidenschaft für schwarze Oliven entdeckt. Etwas surreal, wenn ein kleines Kind mit solcher Begeisterung schwarze Oliven isst und die Kerne ausspuckt.

Und dann machte ich einen Fehler. Ich schaute auf mein Handy, checkte die News und sagte zu ihm, weil ich ehrlich sein wollte: „Hier steht, dass die Kita noch länger zu bleibt. Er sagte: „Das ist blöd.“ und fing an zu weinen. Und ich musste mir echt Mühe geben, nicht zu weinen. In dem Moment sah ich, was die Wahrheit ist neben all den Zahlen und Voraussagen und Analysen: Dass das alles einfach nur traurig ist.

Zum Glück hatte meine Freu die Idee, seine beiden Cousins anzurufen und das hat den Nachmittag noch gerettet. Und dass wir noch bei den Kühen waren. Wir waren lange bei den Kühen. Ich habe meinem Sohn ein Geheimnis verraten: Es ist gar nicht schlimm, wenn Kühe muhen. Da habe ich echt einen meiner Trümpfe verschenkt, aber ich glaube, wir hatten einen längeren Kontakt mit Kühen echt nötig.

Auf dem Heimweg dachte ich noch: Hoffentlich regnet es nicht und hatte spontan eine Idee wie man eine Partyreihe nennen könnte, wenn das alles hier vorbei ist: „Nass und dreckig.“

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