Zu Hause – Tag 10

Heute hatte ich Gesangsunterricht. Per Skype. Als ich das Freunden auf der Straße erzählt habe, ging eine Frau an uns vorbei und hat nur gelacht. Es war aber echt gut. So Intervalle vorm Computer singen entspannt einen total. Im Grunde genommen ist es so für mich viel praktischer. Nur die Konzentration leidet etwas, wenn man die ganze Zeit beim Unterricht seinen Kram um sich herum hat. Und ich war sehr versucht während des Singens noch kurz was im Internet zu checken.

Freunde habe ich getroffen, beziehungsweise aus einiger Entfernung gegrüßt und gesprochen, weil ich wieder einkaufen war. Mit der Hygiene nehmen es die Geschäfte unterschiedlich genau.

In der Apotheke waren sie übertrieben korrekt. Da durfte überhaupt nur eine Person gleichzeitig rein. Drinnen dann ein echter Eiertanz: „Ich gebe Ihnen jetzt die Schachtel – Moment, jetzt dürfen Sie vortreten – Ich gehe einen Schritt zurück. – Jetzt bezahlen. – Wir desinfizieren das Gerät natürlich. – Können Sie kontaktlos bezahlen? – Nicht? – Hier unterschreiben, bitte. – Den Kuli desinfizieren wir natürlich auch. – Jetzt bekommen Sie noch zwei Treue-Taler. – Ach, die gebe ich Ihnen jetzt einfach so.“

Im Drogeriemarkt war es auch noch einigermaßen streng. An der Kasse Plexiglas, Markierungen, Schilder.

Im Bio-Laden hatte man dann das Gefühl, sie sind eher genervt. Manche tragen Handschuhe, andere nicht. Aber auch hier Vorschriften: Nur zwei Packungen Nudeln pro Person, nur zwei Packungen Mehl. Was machen die Leute nur mit all dem Mehl? Am Ende muss man noch die Wohnungen evakuieren wegen Mehl-Explosions-Gefahr.

Zu Hause war es mega entspannt heute. Meine Frau hatte frei. Wenn man einen Tag mit zwei Kindern alleine war, ist der nächste wie Urlaub, Als käme man aus der Wüste in eine Oase. Ich habe aber auch etwas betrogen heute. Habe meinen Sohn Kinderlieder auf Youtube schauen lassen. Ich dachte natürlich: So, ich parke den Kleinen vor dem Rechner und gehe. Von wegen. „Papa, du musst auch mitgucken.“ Beim nächsten Mal singe ich wieder selber. Da muss ich wenigstens nicht schlecht animierten Regenwürmern dabei zuschauen wie sie immer von links nach rechts durchs Erdreich kriechen. Außerdem habe ich bei den Farben in den Filmen immer ein bisschen Angst, dass ich einen epileptischen Anfall kriege.

Ansonsten auch noch schön. Meine Frau steht mit der Kleinen auf dem Arm vor meinem Sohn und sagt; „Jetzt guck mal du hast sie total mit Sand beworfen. Sie ist ja jetzt voller Sand!“ Der Sohn guckt sie an mit einem Blick, der sagt: „Ja, genau, stimmt. Das war gar nicht beabsichtigt. Aber es sieht echt gut aus. Die Schwester mit Sand bewerfen. Das muss ich mir merken. Danke Mama!“

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