Philosophie oder der Moment-mal-Effekt

Und noch eine neue Kategorie: Philosophie. Ich will schon seit Ewigkeiten etwas über meine Sicht auf Philosophie schreiben, jetzt denke ich mir: Was soll’s, ich fange einfach an, auch wenn das Ergebnis meinem perfektionistischen Anspruch nie gerecht werden kann. Und dabei habe ich ja nur ein Staatsexamen. Ich bin nicht Doktor oder Professor, ich habe das Ganze nur mal studiert und irgendwie zu Ende gebracht.
Gut, fangen wir an. Am Anfang. Philosophie beginnt, wie man oft hört, mit dem Staunen. Ich möchte es eher den „Moment-mal-Effekt“ nennen.
Für mich ist der Ausgangspunkt von Philosophie genau das: Man erlebt etwas, ist irgendwo und denkt: Moment mal, was soll das eigentlich alles? Man bestellt einen Kaffee in einem dieser typischen Kaffee-Läden, bleibt plötzlich in der Schlange stehen und sagt sich: Moment mal, was mache ich hier? Was soll das? Warum trinke ich meinen Kaffee nicht einfach zu Hause? Warum stehen wir alle hier in dieser Schlange und gieren nach Kaffee wie nach einer Droge? Warum knutschen wir nicht alle? Oder singen?
Oder man sitzt in einem Seminar, einer Fortbildung, hört sich an, was die Dozentenperson sagt und denkt: Moment mal, stimmt das überhaupt, was mir hier erzählt wird?
So was kann natürlich anstrengend sein. Philosophen sind anstrengend. Wir sind die Leute, die kurz vor dem Betreten des Kinos, in dem ihr mit uns einen netten Film sehen wolltet, sagen: Moment mal, warum sollten wir uns jetzt „Percy Jackson und die Götter des Olymp“ anschauen? Wie kamen wir überhaupt auf diese Idee?
Oder noch schlimmer: Ihr seid in einem Club, bietet jemand ein Getränk an, wollt einfach Spaß haben und die Person sagt: Moment mal, was soll das? Warum feiern wir überhaupt?
Ja, Philosophen können wirklich nerven, aber in anderen Momenten kann so eine Einstellung schon nützlich sein. Es ist nicht das Verkehrteste manchmal jemand dabei zu haben, der den Kaufvertrag für das Haus wirklich liest und „Moment mal“ sagt. Oder wenn die Mehrheit auf einmal findet, es wäre ganz toll, einen Diktator an die Macht zu bringen, weil er verspricht, alle Probleme zu lösen. Philosophen wissen, dass man niemals alle Probleme lösen kann.
Was ich liebe an Philosophie sind nicht die einzelnen Theorien, die großen Worte großer Köpfe, es ist diese Moment-mal-Einstellung. Oft wirkt es, als wolle man damit nur etwas ausbremsen, ein Problem sehen, wo es keines gibt. Diese Moment-mal-Haltung kann einen aber auch genau im richtigen Moment dazu bringen, sein Leben zu überdenken. Und sie kann einem auch sagen, dass man sich küssen sollte, anstatt Kaffee zu trinken.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s