Deutschland-Türkei-Bildstörung

Wir bitten um etwas Geduld. So stand es hilflos auf dem Bildschirm. Zorn und Verzweiflung der Fußballfanmassen perlten wirkungslos am traurig statischen Bildschirmbild ab. Erst nach einiger Zeit erbarmte man sich und Bela Rethy versuchte sich als Radiomoderator, wobei er eine gewisse Begeisterung allerdings vermissen ließ. Ihm ist kein Vorwurf zu machen, er war von der Situation genauso überrascht wie alle anderen. Verpasst die Gegelegenheit, Fernsehgeschichte zu schreiben wie ehedem Günter Jauch und Marcel Reif, die die Tatsache kommentierten, dass ein Spiel nicht anfangen konnte, weil ein Tor umgefallen war. In Erinnerung bleiben wird einzig der Kommentar: „Wir haben wieder ein Bild. Es kommt vom Schweizer Fernsehen. Leider sieht das Spiel der deutschen Mannschaft im Schweizer Fernsehen genau so wie im deutschen aus.“ Trocken, schön und wahr. Der Belasche Eherntreffer.

Glücklicherweise verpasste man nicht viel in der Zeit ohne Bild und kam später dann noch in den Genuss vermeintlich hellseherischer Kräfte des Moderators, der „KLose!“ brüllte, als von dem noch gar nichts zu sehen war und damit das kurz darauf fallende Tor vorwegnahm. Ein schöner trockener Kommentar und eine regelrechte Prophezeiung, nicht schlecht.

Die Bildstörung erschien wie die notwendige Konsequenz eines Spiels, in dem zwar dauernd etwas passieren konnte, das sich aber über weite Strecken durch eine eigentümliche Mischung aus Kampf und Krampf auszeichnete, wobei die größte Unterhaltung zu anfángs von einer deutschen Mannschaft ausging, die ein bisschen so wirkte wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen, den man mit Kaffebohnen gefüttert hat. Die Türken dagegen hatten wohl nicht nur Kaffee, sondern auch Speed genommen. Zumindest wirkte iher Spielweise so, als hätten sie beschlossen, alle gleichzeitig auf allen Positionen zu spielen, so nach dem Motto: Wieso eigentlich Pausen zwischen dem Laufen machen? Mehr als sterben kann man ja von der Rennerei nicht.

Fast ein bisschen schade, dass die Türken gegen uns ausscheiden mussten, hätten doch sicher auch sie jedem Finalgegener das Leben schwergemacht und dafür gesorgt, dass das Finale auf keinen Fall zu müdem Sicherheitsfußball verkommt, wie es schon so oft bei großen Finals der Fall war. Hoffen wir, dass auch die Deutschen nicht dieser Versuchung unterliegen. Dann würden sie wahrscheinlich verlieren. Eins ist sicher: es besteht die Hoffnung, dass die Türken ein ähnlich schönes Spiel um Platz drei abliefern wie die Deutschen bei der WM. 2002 schafften sie ja schon gegen Südkorea eines der frühesten Tore überhaupt im damaligen Spiel um Platz drei. Leider gibt es bei der EM kein Spiel um Platz drei. Schade. Ich hätte es den Türken gegönnt. Könnte man ja mal einführen.

Ein Blitzschlag war wohl für den Bildausfall verantwortlich. Mich treibt noch immer die Frage um, ob nicht ein Anschlag militanter Fußballgegner die Ursache gewesen sein könnte. Oder das Schweizer Fernsehen wollte mal demonstrieren, dass man sich im Gegensatz zum Rest der Welt nicht von der UEFA vorschreiben lässt, welche Kabel man benutzt.

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