Die wahre Entspannung

Horst Schimmelpfennig saß auf einer Parkbank und versuchte, sich zu entspannen. Lange Zeit war er auf der Suche gewesen, nach einem Weg, der ihn wegführte vom alltäglichen Stress, der ihn selbst in seine Träume hinein verfolgte, wenn er es tatsächlich einmal schaffte einzuschlafen.

Er hatte schon alles Mögliche versucht. Zunächst war er aufs Laufen gekommen, aber nach der Attacke eines freilaufenden Kampfhunds, dessen Besitzer noch gerufen hatte: „Keine Angst, der übt nur für den Ernstfall, er geht nicht auf lebenswichtige Organe!“ ließ er das wieder bleiben. So hatte sich Horst dann stundenlang Entspannungsmusik reingezogen, bis er auch ohne eine CD laufen zu lassen, permanent ein Rauschen im Ohr hatte, das sich leider mit der Zeit zu einem penetranten Piepsen auswuchs und ihm nur noch mehr Leid brachte.  Nachdem er im Yoga-Tempel Hausverbot hatte aus Gründen auf die wir hier nicht näher eingehen wollen, war er schließlich auf der Parkbank gelandet.

Nun saß, er hier und genoss die Stille. Endlich hatte er einen Weg gefunden, sich zu entspannen, ohne selber dabei seltsamen Verrichtungen folgen zu müssen. Es herrschte tatsächlich absolute Stille. Nichts belastete mehr die Nerven des vormals vom Stress so Gebeutelten. Kein Auto fuhr vorbei. Niemand renovierte seine Wohnung. Kein Kind bekam Zähne. Keine Rentner unterhielten sich auf anderen Bänken. Kein Vogel sang. Kein Fahrrad fuhr vorbei. Keine Blätter rauschten im Wind.

„Atombomben sind was Tolles“, dachte Horst, lehnte sich zurück und strahlte.

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