Intellektuelles Vergnügen

An einem dieser Tage, an dem man oder zumindest sie einfach nichts anderes machen konnten und dies demzufolge auch immer taten, saßen Frank und Gustav in einem Café. Es handelte sich dabei nicht um irgendein Café, oh nein! Mit viel Sorgfalt hatten die beiden ein Café ausgewählt, das durch seine schlichte Einrichtung der Bezeichnung „irgendein Café“ gerechter wurde als jedes andere und somit ein ganz besonderes war.

So saßen die beiden auf ihren schlichten Caféstühlen, vor sich jeweils eine kleine Tasse Espresso, wobei sie die Bezeichnung „petit café noir“ bevorzugten und es genossen, manch unerfahrene Bedienung mit dieser Bezeichnung zu nerven, einen Espresso, dessen Farbe annähernd so schwarz war, wie die ihrer Jacketts und Rollkragenpullover.

„Das ist gar kein Löffel.“, sagte Frank, während er den kleinen Espressolöffel neben seine Tasse legte und Gusttav ärgerte sich, dass er nicht eher auf diese geistreiche Bemerkung gekommen war. „Genau genommen“, konterte er, „ist das ein Löffel, der sich sein Löffel-Sein nicht erschließt, da er ein Löffel ist und daher auch keiner…“ doch er brach den Gedanken wieder ab, da er merkte, dass es nicht mal für ein paar nette Sophistische Widerlegungen reichte.

Wortlos schüttete er seinen noch vollen Espresso Frank ins Gesicht, dem daraufhin nichts anderes übrig blieb, als einzugestehen, dass sein Freund nun einen nonverbalen Diskurs auf so zwingende Weise eröffnet hatte, dass er sich gezwungen sah, ähnlich originell darauf zu reagieren, indem er seinen schlichten Caféstuhl auf Franks Rücken eine nicht nur diskursiv zersplitternde Antwort geben zu lassen.

Zu ihrer großen Freude wurden die beiden nach einiger Zeit in ihrer engagierten Performance noch vom Wirt des Cafés unterstützt der sie ganz in der nonverbalen Form bleibend höflich aber bestimmt darum bat, seine Kneipe zu verlassen.

Als die beiden auf dem Asphalt wieder zu sich kamen, sahen sie sich gegenseitig in die verschmierten Gesichter, die von einem Blut bedeckt war, dass zwar real aber zugleich auch wirksame Maske war, klopften sich auf die Schulter und Frank sagte zu Gustav: „Mein Freund, ich danke dir wie immer für diese geistreiche Unterhaltung“ und Gustav sagte: „War mir wie immer ein Vergnügen, bis nächste Woche, anderes Café, andere Zeit!“ und im Weggehen fragten sie sich beide, in welchen körperlichen Hüllen sie sich beim nächsten Mal begegnen würden.

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