Ein ereignisreiches Treffen

Günther Scheuerschwamm, ein arbeitsloser Tütenkleber, Sohn einer Jobvermittlerin und eines alkoholabhängigen Filmvorführers, der zu abrupten Wutausbrüchen neigte, die nicht selten in der Zerstörung in der Nähe befindlicher Haushaltsgegenstände oder Kleintiere endeten und der darüber hinaus eine ausgeprägte Vorliebe für Dörrpflaumen hatte, die er in unnachahmlicher Weise äußerst geräuschvoll zu verzehren pflegte, verließ am 13. Dezember des Jahres 1998 eiligen Schrittes seine Wohnung, bekleidet mit dem zum Trenchcoat umfunktionierten Bademantel, den er schon seit zehn Jahren zu tragen pflegte und einer Basecap, die der Welt den Besuch eines Vergnügungsparkes in kindlichem Hellblau  verkündete, um 20 Minuten später in seiner Stammkneipe, dem „schwarzen Loch“, seinen besten Freund, den Kampfhundezüchter Willi Warze  zu treffen, der seine Eltern nie kennengelernt hatte und im Viertel jede Woche reihum von jemand anders erzogen, bzw. mit Schnaps ruhiggestellt worden war, bis er eines Tages beschloss, erwachsen zu sein und mit einer 20 Jahre älteren Kellnerin durchzubrennen, die von dieser Idee gar nichts hielt, ihn sitzen ließ, bevor auch nur ein Koffer gepackt war und ihm nichts anderes übrig blieb, als Hundezüchter zu werden, da ihm etwas anderes nicht einfiel.

Günther traf Willi. Sie sahen sich an. Günther sagte zu Willi: „Weißt du Willi, heute habe ich eines verstanden: Wir Menschen sind doch alle gleich.“ Willi sah Günther an. Willi nickte. Günther sah Willi an. Willi sagte: „Ja stimmt, wir essen ja auch alle.“ Günther nickte. Sie bstellten einen Schnaps. Sie tranken den Schnaps. Sie schwiegen.

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