Draußen nieselt es und ein schneidender Wind klatscht einem die nassen Ohrfeigen Unsichtbarer ins Gesicht, da kauer ich mich zitternd Wärme suchend an den heimischen Küchentisch und brühe mir ein Tässchen Tee auf. Vor mir steht eine dampfende Tasse und darin schwimmt ein sich munter vollsaugender Beutel, ja ich muss zugeben, oft bin ich ein fauler Beutelteetrinker, auch wenn ich weiß, dass der wahre Kenner seine Blätter selber dosiert. So sitz ich da und lass ihn ziehen und ich weiß die richtige Zeit zu bestimmen ohne Tee-Uhr, nur mit dem geübten Blick, der an der Farbe erkennt, wann der Tee genug gezogen und dank des flüchtigen Schielens auf die ganz normale Uhr, die tickend überm Herd hängt. Das Ziehen ist ein wundervoller Vorgang, zwei Minuten lang tue ich nichts, als gebannt auf die Tasse zu starren und zu warten. So bekomme ich eine Mini-Meditation noch gratis dazu. In dieser Zeit mischt sich der letzte Lebenshauch der trockenen Blätter mit dem Wasser und ein bisschen komme ich mir vor wie ein Schamane, der geheime Zaubertränke braut. Heutzutage schreibt die Verpackung dem Tee auch allerlei magische Kräfte zu und sagt, dass er Kraft gebe, oder Leidenschaft und mancher Schlaftee wirkt sogar besser als es einem lieb sein kann. So ergötz ich mich an jenem geheimnisvollen Getränk, bei dem man nie so ganz weiß, welche Wirkung man sich nur einbildet und welche wirklich geheimnisvolle Kräfte in unserem Wesen wirken lässt…

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