Hier Bundesliga

Neulich lief ich an einer Kneipe vorbei. Schon das ist etwas Besonderes, weil ich normalerweise nicht an Kneipen vorbei, sondern direkt in sie reinlaufe, aber das, was meine Aufmerksamkeit noch mehr zu fesseln vermochte, war ein Schild, eine Tafel vielmehr, auf die jemand mit Kreide folgende Botschaft für Passanten hinterlassen hatte: „Hier Bundesliga“. Aufgrund der recht einfachen Formulierung und weil ich selber auch ab und an Fußball gucke, blieb ich ein Weilchen sinnierend vor dem Täfelchen stehen.

„Hier Bundesliga“ stand da, nicht etwa: „Hier werden Bundesligaspiele gezeigt“ oder ganz werbewirksam: „Sie wollen die Bundesliga sehen? Dann sind Sie bei uns genau richtig!“. Nein, da stand einfach „Hier Bundesliga“ Werbetexter würden arbeitslos, wenn alle so für ihre Produkten werben würden: Man stelle sich vor: „Hier Einkaufen“ oder „Hier Fast Food“ oder sozusagen als Gipfel der neuen sparsamen Ausdrucksweise: „Hier gutes Fast Food“, ja warum hatte der nette Tafelschreiber nicht doch ein bisschen sein Talent für Werbung entdeckt und geschrieben: „Hier gute Bundesliga“? Tja, das kann man natürlich nicht versprechen, dass die Spiele, die man da zeigt, auch gut sind.

 Wahrscheinlich reicht es, das so simpel zu formulieren, weil jeder Fußballgucker sowieso so gierig auf der Suche ist nach neuen Lokalitäten, an denen er seiner Lust frönen kann, dass ihm die Formulierung egal ist und wahrscheinlich sucht er dort eben auch eine ähnlich schlichte, mehr an den Basics der menschlichen Natur orientierte Erfahrung, die überflüssiger blumiger Beschreibungen nicht bedarf und deshalb ist die Formulierung genau richtig.

Als ich noch länger vor dem Schildchen stehenbleib, regte sich in meinem albernen Gemüt die fixe Idee, den Schriftzug auf der Tafel ein bisschen umzuschreiben. Es war ein billiger Wortwitz, aber was soll ich machen, ich bin halt so, meine Anforderung an Gags und Pointen ist ähnlich schlicht wie die der Fußballgucker an Ankündigungstafeln und so spuckte ich schon in die Hände um die Botschaft „Hier Bundesliga“ in „Hier Bundeslade“ umzuschreiben.

„Hier Bundeslade“ – Meine Phantasie ließ mich genüßlich die Folgen einer solchen Ankünigung imaginieren: Tausende von wahnwitzigen Archäologen würden sich auf der Suche nach dem sagenumwobenen Bibelrelikt in der Kneipe mit ihren Schaufeln bedrohen, um der erste zu sein der das tolle Teil mitsamt den mysteriösen Kräften und dem der Entdeckung folgenden Ruhm ihr eigen zu nennen. Indiana Jones würde die Peitsche schwingend ein paar wiederauferstandene Nazizombies durch die Gegend fluchen und dabei ab und zu einen markigen lustigen Spruche fallen lassen und ein paar Männer in der Midlife-Crisis würden mit allerlei Esoterik- Kram bewaffnet durch die Gegend hüpfen und sich schließlich darüber freuen, die Bundeslade in Gestalt einer Zapfanlage wiederentdeckt zu haben.

Ein paar Tage später, nachdem ich mein Vorhaben aufgrund seiner mir nicht mehr angemessenen Spitzbübigkeit dann doch aufgegeben hatte, entdeckte ich, dass jemand anders eine ähnliche Idee hatte. Auf der Tafel vor der Kneipe stand nun nicht mehr „Hier Bundesliga“, sondern „Hier Bundestag“. Das hatte auch was für sich, fragt sich nur, wer auf so was reagieren könnte: Leute, die sich fälschlicherweise für Bundestagsabgeordnete halten und da scheint es gerade in Kneipen ja einige zu geben, oder echte Bundestagsabgeordnete, die den richtigen Weg nicht mehr finden, weil sie entweder zu besoffen sind, oder schon so lange nicht mehr bei der Arbeit waren, dass sie sich einfach nicht mehr erinnern können, wie das Ding noch mal aussah.

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