Käse

Hier sei heute der Käse mit wortreicher Verehrung bedacht. Käse, ein in geruhsamer Arbeit der schlichten Milch abgewonnenes und veredeltes Produkt, das schon in seiner simpelsten Form, als einfacher Hartkäse, durch sein vielschichtiges Aroma zu bezaubern weiß. Doch das wahre vollmundige Jauchzen des überwältigten Gourmets erklingt erst in Angesicht des Weichkäses, der in plastischer Vergänglichkeit Duftschwaden durch die Luft flimmernd auf einem Holzbrettchen aus der eigenen Form fließt. Mit vor Erregung zitternden Nüstern kauert der Genießer erwartungsvoll vor diesem Wunder des Lebens, dessen Duft allein schon ein ganzes Universum organischer Ambivalenz erschließt zwischen dem Odem eines Neugeborenen, das sich noch feucht auf weißen Laken räkelt und dem „Memento mori!“ flüsternden Hauch der Verwesung. Schüchtern gleitet der Blick über die schimmlige Außenhaut und wird überwältigt von der schieren Präsenz des Inneren, das in seiner matt heugelben Farbe nur noch durch ein paar winzige Löchlein das durchlaufene Wachstum erahnen lässt. Dieses sinnenreiche Vorspiel wird nur noch übetroffen vom Genuss, den der erleichtert erschaurende Gaumen sich gönnt, wenn das weiche Stück seine cremige Masse in den Untiefen der Mundhöhle verbreitet. Jede kleinste Bewegung der Zunge setzt Essenzen frei, die leise flüsternd geheime Geschichten aus dem Dunkel der Scheunenböden zu berichten wissen. Erwachend aus einem schemenhaft verwehenden Traum erhebt sich nach dem Mahl der lächelnde Genießer und kehrt zurück in die Unvollkommenheit seines dürstenden Daseins.

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