Mein Blick ruht auf der Maserung der hölzernen Küchentischplatte. Warum folgt mein Leben nicht solch harmonischen Linien?  Es muss einen Grund haben, dass die Gram der Zerrissenheit mich fortwährend schmerzvoll bedrängt! Doch diese Zeit soll nun nur noch im Präteritum der Vergessenheit durch mein Leben flüstern! Ich werde die heilige Sense der Ordnung durch das Unkraut meiner Seele führen. Vorbei dies trunkene Leben in der verlorenen Klause eines gottverlassenen Bohemiens! Beginnen will ich mit dem Aufräumen meiner Kammer, auf dass wieder Licht durch die Scheiben und zwischen die Bücherberge falle. Ja, alles soll getilgt sein, das hier sich geschwätzig knisternd am Boden tummelt! Nur ein Buch soll mir fortan den Weg durchs Leben weisen! Der Duden! Jede meiner Äußerungen soll nun in korrekte Form gegossen sein, auch wenn sie nur mündlich ist. Alle anderen Machwerke, ganz zuvörderst meine eigenen, seien den reinigenden Flammen überantwortet. Schluss mit der Poesie, Schluss mit der verführerischen Stimme der Dichtung, die Wollust der Worte soll ein Ende haben! Auf dass ich nie mehr in die Versuchung komme etwas ähnlich Schwülstiges zu formulieren wie das hier!

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