Vorgestern schrieb ich hier noch von einem beleuchteten, das den Schlaf in unserer Wohnung unmöglich macht, heute ist leider schon wieder eine neue Form des Anwohnerbashings aufgetreten. Heute mal wieder der Klassiker: Die konsequente akustische Attacke. Kaum wähnten wir uns seit einigen Tagen in der glorreichen Zeit nach der lauten Baustelle, wurde heute unser Frühstück prompt von einem dröhnenden Geräusch unterbrochen. Wahrscheinlich ist irgendwer auf die Idee gekommen, dass sich unsere Gegend besonders gut dazu eignet, nervösen Maschinen ein bisschen Auslauf zu verschaffen, anders kann ich mir diese Anhäufung von Krach einfach nicht mehr erklären. Ein Blick aus dem Fenster offenbarte dann die Quelle der schlechten Kopie des Weltuntergangssounds. Ein Handwerker oder Bauarbeiter oder Verrückter reinigte die gegenüberliegende Wand mit einem Hochdruckreiniger.

An sich eine schöne Sache, so eine Wand mal zu reinigen, nur war das Gerät ein bisschen falsch eingestellt und ließ so den Putz der halben Mauer gleich mit abbröckeln. Da wunderte es uns dann auch nicht weiter, dass der gute beschränkte Mann auch gleich noch unsere Fahrräder mit einer Dreckwasserdusche versah. Klar, man könnte auch einfach mal Bescheid sagen, so nach dem Motto: Hey, Entschuldigung, ihr komischen Studenten, mit denen man eigentlich gar nicht sprechen kann, ich wollte eure Fahrräder ein bisschen verdrecken, das ist doch kein Problem oder?, aber das würde ja bedeuten, mit jemandem zu kommunizieren, was natürlich an sich schon zu viel verlangt ist, weil man dafür dieses Ding, das immer die schlimmen Kopfschmerzen macht, in Anspruch nehmen müsste und außerdem geht das ja von der wertvollen Arbeitszeit ab, die man besser damit verbringt, zwischendurch noch ein paar Kulis zusammenzuschrauben, wenn man schon mal eine Pause macht.

Als ich das Haus verließ, wurde ich dann aber aus dem Aufgenwinkel gerade noch Zeuge einer netten kleinen Begebenheit, die mich für die Unannehmlichkeiten mehr als entschädigt und eine Racheaktion meinerseits überflüssig macht: Der Klempner, der unter uns sein Büro hat, trat nämlich gerade auf die Straße und schaute mal nach seinem Auto, das wohl auch den ein oder anderen Spritzer abbekommen haben dürfte. Nun muss man wissen, unserem Klempnernachbarn sind vor allem zwei Dinge wichtig: Sein Parkplatz und sein Auto.  Beide gelten ihm als unberührbar. Wagt es zum beispiel jemand tatsächlich, sein Auto auf seinem heiligen Parkplatz abzustellen, so kann er noch froh sein, wenn der Klempner nur ihn in hohem Bogen in den nächsten Müllcontainer schleudert und nicht auch gleich noch hinterher sein Auto.

Man kann sich ungefähr ausmahlen, wie so jemand reagiert, wenn man nicht etwa den doch noch recht robusten Boden seines Parkplatzes mit seiner Anwesenheit entweiht, sondern es wagt, die zarte blecherne Haut seines sensiblen PKWs mit Dreckspritzern zu malträtiern. Es gibt eigentlich nur zwei mögliche Szenarien, die mich erwarten könnten, wenn ich wieder nach Hause komme: Entweder, dort liegt einfach ein toter Hochdruckreinigerführer oder er hat es in Notwehr noch geschafft, unseren Klempner mit seinem Hochdruckreiniger zu pulverisieren.

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